Filmkritik: NVA

Inhalt: Es ist soweit: Der Ernst des Lebens (nach der Grundschule) hat für den sensiblen Henrik Heidler (Kim Frank), den rebellischen Krüger (Oliver Bröcker) und einen Haufen anderer junger und männlicher DDR-Bürger begonnen. Für die nächsten anderthalb Jahre müssen sie in der Nationalen Volksarmee dienen. Eine harte Zeit ohne Freundin, Mutti und Badewanne steht ihnen bevor, denn die Vorgesetzten haben es sich schließlich zum Ziel gesetzt, aus den Luschen richtig harte Männer zu machen, die ihr Vaterland bis auf den letzten Blutstropfen verteidigen sollen.

Kritik: Es gibt so Sachen, die werden Männer nie an Frauen verstehen, und andere, die werden wir eben nie an Männern verstehen. Dazu gehört unter anderem die nachträgliche Glorifizierung einer an sich extrem langweiligen Erfahrung wie dem Wehrdienst. Wenn man sich in einer gemischten Runde befindet und das Thema erstmal zur Sprache gebracht wird, kann man sicher sein, daß die nächste Stunde über die irrsten Storys von Gewaltmärschen und Stubendiensten geklopft werden. Anscheinend muß man das irgendwie verarbeiten, und warum also nicht einen Film darüber machen? Interessanterweise hat Regisseur Haußmann festgestellt, daß Frauen bei diesem Film lauter lachen als Männer, wahrscheinlich, weil die Helden sich auch eher unmännlich benehmen. Hauptdarsteller ist Kim Frank (ja, genau, der von Echt („Sach mal, weinst Du-hu?“)), der mit militärisch kurzen Haaren ganz niedlich aussieht, aber während des gesamten Films nur einen Gesichtsausdruck zur Schau stellt (er wird auch aufgefordert, „ausdruckslos“ zu gucken, aber muß er das wirklich so ernst nehmen?), ansonsten ist die Besetzung allerdings sehr gut gelungen, vor allem Detlev Buck als Oberst Kalt ist recht unterhaltsam. Das eigentliche Problem des Films liegt darin, daß wenig Mühe darauf verwandt wurde, sämtliche Anekdoten, die sich wohl so über die NVA erzählt wurden, in eine stimmige Geschichte einzubauen. So wirkt der Film insgesamt eher wie eine längere Sketchshow. Auch wenn einige Klischees bedient werden, ist das Ergebnis allerdings im Endeffekt immer noch ziemlich lustig. Auch für Westler. Auch für Frauen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Filmkritik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Filmkritik: NVA

  1. Sophie schreibt:

    Du hast ja sooo Recht! Das kleine Wörtchen Biwak reicht scheinbar aus, um einen ganzen Abend über seine Männlichkeit zu reden…

    Das schlimmste ist, dass die Damen in der Runde die Geschichten bereits mitsprechen können… Es hat geregnet, nur ein Zelt, Marschgepäck, bla bla bla…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s