Filmkritik: „Match Point“


Inhalt: Der Tennislehrer Chris Wilton (Jonathan Rhys-Meyers) hat es geschafft, sich aus einfachen Verhältnissen zu einem Engagement in einem der nobelsten Tennisclubs Londons hochzuarbeiten. Hier nutzt er die Chance, um Kontakte zur Upperclass zu knüpfen. Schon nach kurzer Zeit hat er das Vertrauen von Tom Hewett (Matthew Goode) gewonnen, der ihn in die vornehmen Kreise einführt. Chris nutzt die sich ihm bietende Chance und gewinnt das Herz von Toms Schwester Chloe (Emily Mortimer). Doch er macht auch die Bekanntschaft mit Toms Verlobten Nola Rice (Scarlett Johansson), einer lasziven amerikanischen Schauspielerin. Beide haben die gleichen Ambitionen, die gleiche Leidenschaftlichkeit und sie beginnen eine Affäre. Tom lässt die unpassende Verlobte irgendwann fallen, doch Chris behält sie als Geliebte, nachdem er Emily heiratet. Für seinen rasanten gesellschaftlichen Aufstieg wird das zu einer immer größeren Bedrohung.

Kritik: „Match Point“ ist kein typischer Woody-Allen-Film, was schon an dem Setting erkennbar ist, denn der Regisseur ist seinem geliebten Manhattan untreu geworden. Der Mikrokosmos von traditionsreichen Upperclass-Dynastien lässt sich in Großbritannien wahrscheinlich auch überzeugender darstellen. Aber auch stilistisch ist Allens 39. Regiearbeit ungewöhnlich, denn es fehlen der neurotische Charme und die Melancholie, die die meisten von Allens Filmen prägen. Er zeigt uns stattdessen eiskalt kalkulierende Charaktere, die für ihr erklärtes Ziel wortwörtlich über Leichen gehen. Als Leitmotiv wählt Allen dabei die Macht des Zufalls, der in einem einzigen Moment entscheiden kann, welche Wendung unser Leben nimmt. So trifft Chris zuerst die richtigen Leute und mit Nola dann die falsche Frau. Seine Leidenschaft für sie wird ihm zu Verhängnis, wobei man auch verstehen kann, dass ihn das Zusammensein mit der etwas zu braven Chloe nicht ganz erfüllt. Obwohl ich Scarlett Johansson immer noch nicht richtig sympathisch finde, ist sie hier doch (wie alle anderen Schauspieler auch) perfekt besetzt und spielt toll. Die Rolle von Chris hätte vielleicht nach Jude Law geschrieen, aber Allen hat mit einem unbekannteren Schauspieler die bessere Wahl getroffen. Insgesamt ein sehr kluger, gut austarierter und schön inszenierter Film. Die erste unbedingte Empfehlung des neuen Jahres!

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5 Antworten zu Filmkritik: „Match Point“

  1. Roland schreibt:

    „Er zeigt uns stattdessen eiskalt kalkulierende Charaktere, die für ihr erklärtes Ziel wortwörtlich über Leichen gehen.“

    (räusper)

    Bitte beim nächsten Mal Spoilerwarnungen verteilen – ich hatte das selbst beim Querlesen entdeckt. 😉

  2. Sophie schreibt:

    Die Kombination aus Woody Allen und Scarlett Johansson hört sich schon sehr verlockend an. Wenn ich es irgendwie einrichten kann, werde ich den auch noch sehen. Mal ein anderer Woody Allen. Okay.

  3. Miss Sophie schreibt:

    Ja, das war ein bißchen an der Grenze. Ich hatte jedoch schon in den meisten Kritiken gelesen, daß der Film gegen Ende hin ein Thriller wird, was in meinen Augen ziemlich auf das gleiche hinausläuft.
    Auf jeden Fall sorry, aber Film trotzdem unbedingt gucken, es gibt auf jeden Fall noch ein paar schöne Überraschungen.

  4. Roland schreibt:

    Miss Sophie, keine Sorge, ich werde da möglicherweise auch noch reingehen. Bin allerdings so drauf, dass ich mir bei Filmen, die ich sehen mag, aber noch nicht genau weiß, worum es geht, keine Kritiken durchlese. Was dann immer mal wieder zu fiesen Überraschungen führt, wenn ich den Film doch nicht sehe und ein, zwei Jahre später den großen Clou des Films in einem Nebensatz in einem Aufsatz über [bitte Genre einsetzen] lese.

  5. Pingback: Filmkritik: Scoop - der Knüller « Miss Sophies Blog

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