Filmkritik: „The Da Vinci Code – Sakrileg“

Inhalt: Wie im Buch. Der Direktor des Louvre wird ermordert in seinem Museum aufgefunden. Im Todeskampf ist es ihm gelungen, verschlüsselte Botschaften zu schreiben, die wohl nur von zwei Menschen entziffert werden können: Seiner Enkelin Sophie Neveu (Adurey Tautou), die Agentin und Krypto-Expertin beim französischen FBI (genau Abkürzung ist mir gerade entfallen) ist, und dem amerikanischen Symbolologie-Professor (da ist übrigens kein "lo" zuviel) Robert Langdon (Tom Hanks). Die beiden geraten zunächst unter den Verdacht des französischen Inspektors Bezu Fache (Jean Reno), müssen daher fliehen und ermitteln nun auf eigene Faust. Die Hinweise von Sophies Opa führen sie auf eine geheime Bruderschaft, für die sich zufällig ein Experte in der Nähe findet: Sir Leigh Teabing (Ian McKellen). Zusammen mit ihm versuchen die beiden, dem Geheimnis des Mordes auf die Spur zu kommen. Dabei stoßen sie auf das bestgehütete Geheimnis der Christenheit (u-hu!), dessen Veröffentlichung von der ultrareligiösen Bruderschaft Opus Dei durch deren Bischof Aringaroso (Alfred Molina) und dessen Handlanger Silas (Paul Bettany) verhindert werden soll.

Kritik: Mal im Ernst: Wenn man die Story oben liest (und sich auch noch mit den Details des größten Geheimnisses des Christenheit (im Folgenden kurz: gGdC) auseinandersetzt), ist das nur eins: Totaler Scheiß! Wirklich traurig, daß es genügend Leute gibt, die dieses ganze Grals-Getütel ernst nehmen. Trotzdem war das Buch nicht schlecht. Vom Sohn eines Mathematikprofessors könnte man Tiefschürfenderes erwarten, aber als Entertainment in der Bahn oder vorm Einschlafen ist Dan Brown einfach eine Bank. "Illuminati" hatte mir allerdings deutlich besser gefallen und wenn Prof. Langdon sich als Serienheld etablieren möchte, ist spätestens beim nächsten Roman wieder mehr zu erwarten. Aber egal: Ein halbwegs gebildeter Mensch kann das Buch meinetwegen gerne kaufen und sich ein bißchen amüsieren. Ich denke auch, daß Mr. Brown das ganze selbst nicht so hundertprozentig ernst nimmt. Leider hatte beim Filmdreh wohl niemand einen derartigen Gedanken. Was dabei rausgekommen ist, könnte genausogut auf RTL als Eigenproduktion laufen, darüber können große Namen nicht hinwegtäuschen. Von den Schauspielern hat mir Audrey Tautou ganz gut gefallen, Paul Bettany vielleicht noch, aber der ist auch einfach sowieso gut. Ansonsten gibt es jede Menge Dialoge, die einfach unfreiwillig komisch sind. Mein Favorit? "Ich habe noch nie eine Frau gesehen, die soviel über Kryptexe weiß." Soll das 'ne Anmache sein, Tom? *Macho-Ton an* Wenn sie "Illuminati" verfilmt hätten, hätte er sie am Ende wenigstens flachlegen dürfen *Macho-Ton aus* Abgesehen davon sind sämtliche vermeintlich spannenden Stellen vollkommen unspannend, wenn man sich noch vage an das Buch erinnert. (Andere bleiben im Dunkeln: Hat wer geschnallt, wie die beiden Jürgen Prochnow ausschalten? Ich muß das nochmal nachlesen.) In Anbetracht der verkauften Exemplare hätte man sich hier einfach ab und zu etwas neues einfallen lassen müssen. Einziger Pluspunkt: Zum Teil ganz hübsch fotografiert, aber auch nichts neues. Nervige Dröhn-säusel-Musik von Hans Zimmer. Und der Gipfel: Auf die ganze Chose muß man beim Cinemaxx eine Stunde warten: 30 Minuten Werbung + 10 Minuten Eisverkauf + 20 Minuten Vorschau. Lange nicht mehr so aufgeregt.

Indy, komm zurück, die Welt braucht Dich!!!!! (Und bring Deinen Papa wieder mit, ja?)

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3 Antworten zu Filmkritik: „The Da Vinci Code – Sakrileg“

  1. Sophie schreibt:

    Meine Güte: Eine Stunde warten?! Geht ja gar nicht. Gut, dass ich mich doch für M:I III entschieden habe. Das war wenigstens halbwegs spannend und mit knallguter Action versehen.

    Das Buch fand ich schon nicht wirklich berauschend, aber es ist so, wie du schreibst: Als Unterhaltung ganz okay. (Ist es nicht das, was die Amerikaner am besten können – flache Unterhaltung?!) Wenn der Film keinen Deut besser ist, haben die echt was falsch gemacht. Von Audrey Tautou hatte ich aber einiges erwartet. Sie sah auch so hübsch aus in den Vorschauen. Aber gut, ich werde mir das dann wohl nicht ansehen…

  2. Miss Sophie schreibt:

    Die Stunde Wartezeit scheint sogar Cinemaxx-einheitlich zu sein, im Dammtor war es nach Auskunft einer Freundin das gleiche. Ich weiß nicht, ob es vielleicht in den UCI-Kino etwas erträglicher ist.

    Madame Tautou sah tatsächlich sehr niedlich aus, auch wenn sie ein bißchen mehr futtern könnte. Ihre Beinchen waren ganz gefährlich dünn. Sie hatte den ganzen Film über übrigens so niedliche Daisy-Duck-Pumps an. Aber ich würde auf jeden Fall auf die DVD warten, zumal auch die Überlänge im Kino schnell zum Ärgernis wird. Da hätte man ein paar Sachen weglassen können.

    Ich denke, ich werde mir demnächst auch mal M:I III ansehen, um mich mit dem Filmerlebnis im Kino wieder zu versöhnen. Aber vielleicht auch in unserem Provinz-Kino in Bergedorf, wo es nicht viel mehr als 20 Minuten Werbung vorm Film gibt. Man muß sich bloß ein Kissen mitnehmen, weil mein Hinterteilchen mit den Sitzen absolut nicht kompatibel ist.

  3. palando schreibt:

    Du hast bestimmt Recht damit, dass Dan Brown seine Geschichte nicht so ernst nimmt. Sehr bezeichnend finde ich seine Fakten und Tatsachen: „Sämtliche in diesem Roman erwähnten Werke der Kunst und Architektur und alle Dokumente sind wirklichkeits- bzw. wahrheitsgetreu wiedergegeben.“
    Also nicht unbedingt die Schlussfolgerungen, die seine handelnden Personen in dem Buch daraus ziehen.
    Dan Brown hat eine Menge über die Verschwörungsgeschichten von Heiligen Gral etc. recherchiert und ganz interessant verarbeitet. Ihm ist sicherlich bekannt, dass seine Dossiers Secrets Fälschungen sind.
    Seine Interpretation des Abendmahls ist einfach witzig.
    Die Illuminati fand ich zwar spannend, die Grundgeschichte ist aber einfach absurd. Imho ist das Thema nach dem Buch von Robert Shea und Robert Wilson auch nicht mehr für Romane über Verschwörungen geeignet.

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