Einmal in einem Assi-Stadtteil, und schon passiert was

Das Tolle am Bloggen ist, daß es einen über großen Mist hinwegtröstet. Wenn man den erlebt, kann man immerhin was Interessantes bloggen….

Also, gestern war ich auf einer Einweihungsparty in Dulsberg, womit wir schon den titelgebenden Assi-Stadtteil beim Wickel hätten. Dulsberg ist ein Teil von Wandsbek, aber eben nicht der beste. Die Gastgeber waren natürlich keine Assis, also wurden ca. 4 Stunden – von 20 bis 24 Uhr – in der neuen Wohnung verbracht. Wieder auf der Straße, wurde mein kleines Wägelchen gesucht, das vorschriftmäßig halb auf dem Bürgersteig, halb auf der Straße geparkt war. "Seht Ihr mein Auto schon?", fragte ich noch meine Freunde, die ich nach Hause bringen wollte. "Wenn es das mit dem kaputten Spiegel ist…" Es stellte sich heraus, daß es das mit dem kaputten Spiegel war. Nein, das mit dem kaputten blutbespritzten Spiegel. Es war schon dunkel und erst nachdem ich die Freunde in Eilbek (guter Teil von Wandsbek) abgesetzt hatte und wir den Spiegel mit Paketklebeband sichern wollten, stellte sich heraus, daß es sogar das mit dem kaputten blutbespritzten Spiegel und der vollkommen eingedellten Beifahrertür war. Phantastisch.

Auf Anraten des nach Hause gebrachten Freundes fuhr ich zum Polizeirevier in meinem Heimatstadtteil. Nachts um 1 in Bergedorf auf der Polizeiwache zu sitzen, gehört irgendwie zu den surrealeren Erlebnissen, die man so macht im Leben. Ich taperte dort also rein, doch nichts geschah. Nirgends waren andere Leute. Doch, vielleicht da, hinter der Glasscheibe? Da bewegte sich doch was, oder? Da bewegte sich was, aber bis es sich mal zum Tresen bewegte, dauerte es noch etwas. Ich erklärte meinem Freund und Helfer also, daß ich eine Anzeige erstatten wollte und was passiert wäre, nämlich daß mein Wagen in meiner Abwesenheit beschädigt wurde. "Das gucken wir uns mal an. Ob das kein Verkehrsunfall war." Ähm, wäre es auch ein Verkehrsunfall, wenn ein Fahrrad da einfach reingekracht wäre? Während ich stand? Wohl kaum. Ich kam mir blöd vor. An meinem verbeulten Wägelchen angekommen, war der Polizist immerhin milde beeindruckt. "Das sieht aus, als hätten sie ein Reh mitgenommen." Bitte? ICH HABE DEN WAGEN ÜBERHAUPT NICHT BEWEGT. Es gibt auch keine verdammten Rehe im verdammten Dulsberg. "Haben Sie ihren Fahrzeugschein dabei?". Ich kam mir langsam wie in einem David-Lynch-Film vor, denn den hatte ich natürlich nicht, und nun würden wir wahrscheinlich zurücklatschen und er würde Anzeige gegen mich erstatten, weil ich meine Fahrzeugpapiere nicht mit mir rumschleppe. Es kam nicht ganz so schlimm, denn als nächstes wollte er wissen, ob ich mein Kennzeichen auswendig kenne. Ja, denk mal an, du Hüter des Gesetzes, das und meine Telefonnummer sogar auch. Ich kam mir wie im falschen Film und blöd vor.

Also zurück zur Wache, auf dem Weg dahin "Ich ruf mal die Kollegen in Dulsberg an, nicht, daß sie jemanden angefahren haben" ICH HABE MEIN VERDAMMTES AUTO ÜBERHAUPT NICHT BEWEGT, DU VERDAMMTER VOLLIDIOT!!!!! Hab ich aber nicht gesagt. Ich hab nämlich lieber ein bißchen vor mich hingezittert. Also, er ruft an, das dauert ziemlich lange, irgendwann kennt er meinen Namen, die in Dulsberg kennen mein Kennzeichen, langsam komme ich mir wieder vor wie im falschen Film. Dann legt er endlich mal auf und fängt ca. 10 Minuten zu spät an, nett zu sein. Da haben sich also zwei Assis in Dulsberg gekloppt, ziemlich heftig wohl, und die, die dann verloren hatten, waren zwar wohl sauer auf den Gegner, aber mein Auto schien dichter und wehrloser, also haben sie da mal den Spiegel abgebaut und gegengetreten. Dafür gab es eine Zeugin, die Polizei war vor Ort, ich hab auch die Namen dieser beiden Vollidioten bekommen, doch helfen wird es mir wenig, da beide keinen festen Wohnsitz in Deutschland haben. Beim Rausgehen aus der Wache merkte der Polizist an, daß ihm das mit meinem Auto leidtue, aber ihm sollte was ganz anderes leid tun: Nämlich, daß kleine, nette und ordentlich angezogene Mädchen, die verstört in eine Wache um ein Uhr nachts reintapern, wie Schwerverbrecherinnen behandelt werden.

Den ganzen Kram wird am Ende wohl die Vollkasko bezahlen, aber ich habe mich gestern trotzdem ein bißchen in den Schlaf geweint, weil die Welt ja wohl so ungerecht ist, und das war sie auch schon vorher, aber wenn man es mal selbst mitbekommt, ist es noch ein wenig schlimmer. Und ich muß mein kleines Wägelchen saubermachen, das immer noch aussieht wie ein Requisit in einem Horrorfilm und überhaupt würde ich sehr gerne denjenigen einfach ganz doll wehtun, die das gemacht haben. Da könnte ich auch richtig gemein werden. Könnte man solche Racheakte nicht vielleicht bis zu einem gewissen Grad ins Rechtssystem aufnehmen?

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10 Antworten zu Einmal in einem Assi-Stadtteil, und schon passiert was

  1. Ratilius schreibt:

    Harte Geschichte.

    Vermutlich sind kleine, nette Mädchen zu dieser Uhrzeit eine Minderheit auf einer Polizeiwache und die Alternativen Fahrerflüchtig oder Wilddieb
    wirkten wahrscheinlicher.

  2. Miss Sophie schreibt:

    Aber auch als Minderheit hat man ja gewisse Rechte. Gerade wie ein Wilddieb sehe ich nicht unbedingt aus. Außerdem wäre es auch relativ unsinnig, ein Reh umzunieten und dann zur Polizei zu fahren und das als Vandalismus hinzustellen, da Wildunfälle von der Teilkasko, Vandalismus aber nur von der Vollkasko (die ich immerhin habe) bezahlt wird. Aber immerhin habe ich ja keinen umgenietet, also keine Schuld gehabt und eine unverschuldete Beule ist immerhin noch besser als eine selbstverschuldete Beule, bei der auch noch andere zu Schaden gekommen wären.

  3. Sophie schreibt:

    Besonders Minderheiten haben Rechte!

    Schreckliche Sache, mein tiefstes Mitgefühl. Dem Auto wehtzutun… das ist… das ist einfach nur schrecklich, grausam und unmenschlich. (Das ist natürlich was anderes, wenn man selbst dem Auto wehtut, aus Versehen.) Dass mit dem unfreundlichen Polizisten hätte ich prophzeien können! Von wegen Freund und Helfer. Ich verstehe ja, dass die wahrscheinlich viele Sachen sehen, die einem die Laune verderben, aber das ist halt deren Job und dafür kann man doch nix, wenn man da hinkommt und eine Straftat melden will, die DIE nicht verhindert haben! Bei meiner geklauten Tasche war das genauso.

    Mein Auto hat mal jemand angefahren, aber weil es jemand beobachtet hatte und es Fahrerflucht war und die Polizei da war, klebte an meinem Scheibenwischer eine Visitenkarte eines Polizisten, den ich bitte anrufen soll und eine kurze Schilderung. Das hätten sie bei dir doch auch machen können, wenn sie es schon gesehen haben! Idioten. Ganz zu schweigen von den Idioten, die sich da geprügelt haben!

    Ich bin erschüttert.

    Deine Einleitung finde ich aber super. Das Gefühl kenne ich. Es passiert irgendwas total Beknacktes und man denkt: Das muss ich bloggen. 🙂

  4. Miss Sophie schreibt:

    Eine Visitenkarte haben die wohl schon hinterlassen, stand auch in dem Polizeibericht, aber der Polizist auf der Wache meinte, die würde häufig entfernt werden, entweder von den Tätern nachträglich oder von anderen Leuten. Ist natürlich auch eine sehr sinnvolle Tätigkeit.

    Daß die meinem Auto wehgetan haben, hat mich eigentlich auch am meisten an der ganzen Sache gestört. Das ist mein kleiner Polo, in den ich zwar auch schon selbstverschuldet ein paar Dellen reingegurkt habe, aber er gehört eben mir und ich fühle mich dem Wägelchen irgendwie verbunden. Gerade zu seinem ersten Auto hat man ja nun mal eine etwas innigere Beziehung. Auch wenn er ein bißchen komisch klingt oder der Motor rumhustet, bin ich gleich ganz besorgt. Auch wenn Zorn und Schock jetzt etwas verraucht sind, würde ich diesen Assis immer noch seeehr gerne in die E*** tr****. So, das mußte mal gesagt werden.

  5. Ratilius schreibt:

    „…in die reiE netert“
    Aber aber, Gewalt ist doch keine Lösung – es sei denn man ist der Stärkere 🙂

  6. Miss Sophie schreibt:

    Die Stärkere wäre ich wohl in den wenigsten Kloppereien. Aber vielleicht könnte sie ja jemand für mich festhalten. Außerdem habe ich im Zweifelsfall die Schuhe mit den höheren und spitzeren Absätzen an.

  7. Ratilius schreibt:

    Eine sehr schöne Auslegung der sprichwörtlichen „Waffen einer Frau“.

  8. Dulsberger schreibt:

    Das mit dem Auto tut mir leid.
    Meinst du nicht auch, dass dir das in jedem anderen Stadtteil hätte passieren können?
    Es ist nicht fair, einen ganzen Stadtteil zu verunglimpfen.
    Der Polizist könnte mir fast symphatisch sein, sein Verhalten ist dann wohl die ausgleichende Gerechtigkeit für deine Pauschalurteile.

    Trotzdem Gruß aus Dulsberg.
    Dulsberger

  9. Miss Sophie schreibt:

    Es gibt in Hamburg definitiv Stadtteile, in denen so etwas häufiger vorkommt als in anderen. Natürlich ist die Bezeichnung „Assi-Stadtteil“ da überspitzt.
    Wenn Du noch ein paar mehr Artikel in meinem Blog lesen würdest, würde Dir sicher auffallen, daß man das meiste, was ich schreibe, nicht so ernst nehmen muß. Ansonsten finde ich es einfach immer wieder überwältigend, wie sehr sich Hamburger mit ihrem Stadtteil identifizieren können.

    Viele Grüße aus Bergedorf,
    Miss Sophie

  10. Peka Kuchof schreibt:

    An sich ein cooler Beitrag, aber könnt ihr beim nächsten Mal nicht ein wenig ausführlicher schreiben? Das wäre in der Tat genial

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