Deutschlands klügste Fantribüne

Als solche würde ich das Audimax nicht unbedingt bezeichnen, doch die Uni-Hamburg-Marketing AG hat sich das ausgedacht. Es kommt natürlich immer drauf an, wie viele BWLer dabei sind. Es wird mir irgendwie fehlen, meine Lieblingsstudis zu bashen, wenn ich mein Diplom hab. Andererseits könnte ich damit natürlich auch einfach weitermachen. Schön.

Also, heute wurde amtlich Fußball geguckt im Audimax der Uni Hamburg. Aufgrund des großen Andrangs wurde die Trennwand zum Audi II runtergelassen, so dass jeder ein gemütliches Sitzplätzchen finden konnte. Freilich hielt es einen dort nicht lange, denn schon nach 4 Minuten war aufspringen, Ärmchen hochreißen, rumhüpfen und jubeln angesagt. Ein sehr gelungener Auftakt von „Uns‘ Miro“. Dann passierte erstmal nicht so viel, doch die Stimmung blieb gut. So manch archaische Melodei tönte durch den Saal, begleitet von Textzeilen, die erstaunlich oft die Silbe „lö“ enthielten. Oder auch ausschließlich. Man lernt viel neues, wenn man mal ein Spiel in so einer Atmosphäre sieht. Wenn einer z.B. plötzlich laut anfängt zu zählen, muß man warten, bis der bei 1 angekommen ist, dann startet irgendwo eine La-Ola-Welle. Im Audimax ist es jedoch zum Teil kniffelig zu entscheiden, ob sich diese horizontal oder eher vertikal durch den Raum bewegt. Oder diagonal. Zudem habe ich ein paar neue Spieler kennengelernt. Hat dieser Huth eigentlich schon immer bei uns gespielt??? Nach dem zweiten Tor von Miro hat dann auch noch Poldi ein Törchen geschossen. Natürlich juckt es mich in den Fingern, etwas gemeines zu schreiben, z.B. Poldi, unsere Lieblings-Hohlbratze, oder so. Aber man hat ja gehört, daß der Poldi sehr unglücklich ist mit seinem Image, und Selbstzweifel sind durchaus ein Indiz für eine vergleichsweise hochstehende Lebensform. Außerdem muß ich zugeben, daß ich so ein Törchen wahrscheinlich nicht ganz so gut hinbekommen würde. Also halte ich mich lieber zurück. Nachdem die Ecuadorianer dann ziemlich sang- und klanglos verloren haben, gab es noch einmal allerlei Gejubel. Das Ergebnis wurde noch einmal von allen mitgesprochen, damit es auf dem Heimweg auch ja keiner vergißt. Im übrigen war das ein Tor zu viel, ihr Heinis, ich hatte doch nur auf 0 : 2 getippt. Ach ja.

Auf dem Weg zurück nach Hause fragte ich mich plötzlich, wieso ich eigentlich für Deutschland gejubelt hatte. Für eine Deutsche liegt das natürlich irgendwie nahe, aber andererseits braucht man nur 5 Minuten auf dem Hauptbahnhof zu stehen, um zu erkennen, daß die Deutschen es einfach nicht blicken, daß man aus einer einfahrenden S-Bahn Leute sinnvollerweise erst aussteigen läßt, bevor man selber den Waggon entert. Dazu ist es im übrigen günstig, an der Tür eine kleine Gasse zu lassen. Der Engländer ist uns dort himmelhoch überlegen, freut er sich doch, wenn er eine Schlange bilden kann. Dafür hat er natürlich häufig ein ernsthaftes Alkoholproblem. Vielleicht doch für Schweden sein? Schönes Land, aber alles ist so teuer! Dann kann man auch gleich für Deutschland sein. Man könnte mich nun also als Patrioten bezeichnen – aus Mangel an Alternativen.

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3 Antworten zu Deutschlands klügste Fantribüne

  1. Sophie schreibt:

    Sei doch für Portugal – die sind vom Selbstzweifel-Potenzial und früherer Großmacht her Deutschland ganz ähnlich, aber da ist immer schönes Wetter und die Menschen sehen besser aus. Und es fühlt sich gut an, langsam aber sicher die portugiesische Hymne mitsingen zu können! 🙂

    Ich wage fast zu behaupten, dass es einfach immer eine tolle Atmosphäre ist, ein solches Spiel was das gestrige Deutschland-Spiel irgendwo mit vielen Menschen zu sehen (und nein, Robert Huth hat bei dieser WM noch nicht gespielt, aber davor schon manchmal 😉 ), egal wo. Diese La-Ola-Mechanismen im Stadion blicke ich auch noch nicht, finde ich aber auch sowieso zu anstrengend. Wozu haben die Leute bitte einen Sitzplatz?!

    Außerdem habe ich den Eindruck, ALLE Nationen haben schönere Fußballlieder als „wir“. Ich hasse dieses Lölölöööö. Und „Oh wie ist das schön“. Dann lieber „Finale-oh-oh“, aber das ist mir zu riskant. Und „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ ist irgendwie schwachsinnig – die Mannschaft wohnt da schließlich, also werden sie da auch ein paar Mal hinfahren…

    So, nu ist erst mal Luis Figo angesagt… Jippie!

  2. Miss Sophie schreibt:

    Ich denke, ich bin einfach für Deutschland UND Portugal, zumindestens solange, bis sie aufeinandertreffen, danach werfe ich eine Münze. Dem Zufall eine Chance, sag ich immer.
    Ansonsten wäre es mir in Portugal aber viel zu heiß, um das dort länger aushalten zu können. Wettertechnisch würde es mich am meisten nach Skandinavien ziehen. Aber da wir die Schweden als nächstes weghauen, wäre das wenig zielführend, jetzt auf einmal für die zu sein.

  3. Sophie schreibt:

    Das ist alles sehr wahr. Ich bin auch für beide. Heute habe ich meine Extension auch wieder auf Portugal-Design geändert, bis gestern war Deutschland angesagt. Samstag spätestens wird das auch wieder geändert.

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