Nie wieder Stufentreffen

Ich neige zu systematischen Fehlern. Das heißt, daß ich gerne den gleichen Fehler immer wieder mache. Wie schon ein schöner Aphorismus sagt, ist das dumm, denn es gibt genügend Fehler, da braucht man keinen zwei Mal zu machen.

Neulich kam also mal wieder eine Mail ins Postfach geflattert, die mit „Stufengrillen“ betitelt war. Ein Grillen am heutigen Tag wurde in Nähe des Alsterufers mit dem gesamten Abijahrgang vorgeschlagen. Wie jedes Mal war ich zunächst überzeugt, nicht hinzugehen. Wie jedes Mal überzeugte mich irgendjemand, eine momente positive Grundstimmung von mir ausnutzend, doch hinzugehen. Wie immer führte das zum dritten Akt unseres klassischen Dramas, in dem unsere Heldin also tatsächlich zu diesem Stufentreffen hingeht. Ich bin also pünktlich natürlich als einzige am verabredeten Ort, sehe nach zehn Minuten ein paar bekannte Gesichter, die mir sogleich einen Sack Grillkohle in die Hand drücken. Dann vergehen quälende Minuten, denn eines fällt auf: Es gibt keinerlei Grund oder auch nur Veranlassung, um die, die man vor fünf Jahren beim Vorüberschlurfen auf den Schulfluren nicht grüßte, plötzlich herzlich zu umarmen. Mir wurde mal wieder bewußt, daß ich irgendwie nicht dazugehörte, zu diesen Cliquen. Ich sprach dann insgesamt mit drei Leuten aus meinem Jahrgang und das ganze wäre ein unglaublich beschissener Abend geworden, wenn nicht zufällig zwei ganz liebe Freunde von mir (beide an der Uni gefunden) auch da waren und ich mich zu ihne verkrümeln konnte. Später kam dann noch eine Getreue aus Schulzeiten hinzu und es war ein sehr schöner Abend, auch wenn ich wie immer nicht zum Überwechseln in eine Anschlußlocation überredet werden konnte ;-).

Die Moral von der Geschicht‘? Was nützt einem ein Haufen von 20 Leuten, mit denen einen vielleicht 9 Jahre gemeinsame Schulzeit verbinden, wenn diese nicht mehr von einem wissen als den Vornamen, den Nachnamen (wenn’s hoch kommt) und daß man Mathe-LK hatte? Wenn das nächste Mal eine derartige Einladung ankommt, sollte es mich höchstens ermuntern, mal wieder etwas nettes mit den Leuten zu unternehmen, die ich gern habe und die das erwidern.

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6 Antworten zu Nie wieder Stufentreffen

  1. Ratilius schreibt:

    anfang august steht mein fünfjähriges Treffen an, das diesmal eine remake unserer notenbekantgabeparty werden soll, die damals aufgrund eines gewitters im schlamm versunken ist…
    in den jahren davor hatte ich das treffen organisiert und alle leute in eine pizzeria eingeladen (ohne ihre Kosten für Speisen und Getränke zu übernehmen 🙂

    ich freue mich schon wieder darauf zu sehen, wie sich die leute entwickelt haben. mit den meisten leuten habe ich eine eher lose bindung, so dass meine erwartungen nicht zu hoch gesteckt sind, aber ich freue mich trotzdem darauf.
    so ein bisschen gespannt bin ich schon wer alles kinder hat oder andere erfolge vorzuweisen hat.
    (ist immer so ein bisschen die „mein haus, meine frau, mein auto…“ situation)

  2. Miss Sophie schreibt:

    Normalerweise soll das wohl auch so sein. Ich hab mich wohl einfach nie so toll mit den Leuten in meiner Stufe verstanden und fand das auch eigentlich nie so schlimm. Wenn man die dann aber alle wiedersieht, fällt einem das nur auf und macht einen irgendwie unglücklich.

    Auf den ersten Blick konnte ich auch keine großartigen Entwicklungen feststellen. Aber dazu hätte ich natürlich mit ihnen reden müssen. Nach so zwanzig Jahren stelle ich es mir auch spannend vor, aber in fünf Jahren scheint nicht groß was zu passieren.

  3. Sophie schreibt:

    Mein Jahrgang trifft sich jedes Jahr zu Weihnachten, dieses Jahr trafen wir uns – wir im Sinne von: einige aus dem Jahrgang ohne mich – zum Abiball. Ich gehe zu so was nicht mehr hin (am Anfang habe ich das schon noch getan), weil ich mit den Leuten, die ich mochten, eh noch Kontakt haben kann und habe und weil ich schon zu Schulzeiten zu arrogant war, mich mit den Leuten, die ich nicht mochte, zu unterhalten. Und da die das auch noch wissen, haben die auch nicht das Bedürfnis, sich mit mir zu unterhalten. Weiterer wichtiger Punkt: Unterschwellige Angst, dass die größten Nieten plötzlich irgendwas ganz Tolles sind oder machen oder vorhaben. Das würde ich ehrlich gesagt nicht so gut verkraften. Also vermeide ich sowas aus purem Selbstschutz.

  4. Miss Sophie schreibt:

    Dann sind wir uns da ja ziemlich einig. „Was Tolles“ ist ja auch Definitionssache. Von dem, was ich mitbekommen hab, war nicht so viel Beeindruckendes dabei. Man hat halt seinen Abschluß und einen Job. Ich mußte noch nicht neidisch werden.

  5. Sophie schreibt:

    Noch schlimmer als „was Tolles“ ist eigentlich, wenn ich den Eindruck bekomme, dass es Leute gibt, die das sind, was man gemeinhin als glücklich und zufrieden bezeichnet. Das gehört verboten. Man sollte immer mit sich selbst und seinem Lebensweg ein bisschen hadern. 😉

  6. Miss Sophie schreibt:

    Ein bißchen Selbstkritik sollte im Leben nie fehlen. Aber bei einem Stufentreffen stellen sowieso die wenigstens sowas zur Schau. Dann müßte man wirklich mehr mit denen reden.
    Im Nachhinein ist mir aufgefallen, daß aber auch echt nur ziemlich wenig da waren.

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