Besuch beim Onkel Tierdoktor

Mein Hamster Floppy ist eigentlich immer munter und vergnügt, es sei denn man weckt ihn tagsüber. Dann kann er sehr muffelig werden. Gestern war er auch munter und vergnügt, bloß kriegte er dabei sein rechtes Auge nicht so richtig auf. Bei der näheren Besichtigung fiel mir außerdem auf, daß Haut und Fell im Nacken komisch aussahen, irgendwie schuppig.

Also ging es heute zum Onkel Doktor. Ich mußte mir sogar richtig einen Termin holen, alles ganz offiziell. Ich war sicherlich viel aufgeregter als Floppy, weil ich noch nie in einer Tierarztpraxis war. Als ich klein war, wollte ich unbedingt Tierärztin werden. So die ganze Grundschule über. Dann kamen verschiedene Dinge dazwischen. Erstens wurde mir klar, daß man Tierchen manchmal nicht helfen kann und sie einschläfern muß. Das wollte ich nicht. Zweitens entwickelte ich Ängste gegenüber allen Tieren, die ungefähr größer als ein Hamster waren. Zumindestens wurde mir klar, daß selbst das puscheligste Viech von Mama Natur mit irgendwas ausgestattet war, mit dem es sich wehren konnte. Das war blöd. Und drittens zeichnete sich ab, daß meine körperliche Statur wenig geeignet dazu schien, um in Kühen rumzuwühlen, und eingeklemmte Kälber rauszuziehen. Also ließ ich die Sache bleiben, sah jedoch jede Folge von „Der Doktor und das liebe Vieh“, las alle der zugrundeliegenden Bücher von James Herriot und sehe auch heute noch gerne diese Tierratgeber im Fernsehen. Wie gesagt, ich war aufgeregter als mein Hamster.

Der Tierarzt war wie im Fernsehen, total nett. Auch die Assistentin, die gleich eine Kartei für mich und Floppy angelegt hat. Die erste Frage war dann aber, wie alt Floppy wäre. „Zwei Jahre“ Hmm, etwas betretenes Schweigen. „Ist ja wahrscheinlich nicht ihr erster Hamster“. Ist es zwar, aber ich weiß natürlich, daß Floppy schon ein Hamster-Opa ist. „Kann man denn nix mehr machen?“ Toll, das lief im Fernsehen ja wohl bedeutend besser als in echt… Aber der Onkel Doktor war dann ganz angetan von Floppys Munterkeit und untersuchte ihn eingehend. Er stellt fest, daß Floppy einen fiesen Hautpilz hat und nun ein Medikament bekommen muß. Für die Festlegung der Dosierung wurde er noch kurz auf eine Küchenwaage gelegt : 47 Gramm. Die Assistentin fluchte leise, denn die Dosierung war in Milliliter pro Kilo Lebendgewicht angegeben. Das gab also allerlei Rechnerei und am Ende bekam ich 2 Milliliter Zeugs in einer Spritze mit. Diese winzige Menge Flüssigkeit bekommt er nun auf die nächsten Wochen verteilt. Jeden Tag 0,05 Milliliter! Tropfen für die Augen gab’s auch noch.

Da Floppy nicht krankenversichert ist, mußte beim Rausgehen cash bezahlt werden.

Floppy scheint noch nicht zu peilen, daß die Medizin ihm guttut und windet sich nach Kräften bei der Behandlung, aber ich bin mir sicher, daß er es schaffen wird. Und wer einen sehr netten Tierarzt für Hamster im Südosten von Hamburg sucht, dem kann ich Herrn Blanke nur empfehlen. Gibt nämlich auch genügend, die sagen, daß man an den kleinen Viechern eh nichts machen kann…

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13 Antworten zu Besuch beim Onkel Tierdoktor

  1. Sophie schreibt:

    Merkwürdigerweise landete bei mir auch die Suchabfrage „mein name ist floppy hund“. Aber egal. Floppy ist ein ziemlich genialer Name für einen Hamster, finde ich.

    Das mit der langsam größer werdenden Abneigung gegen Tiere kann ich auch sehr gut nachvollziehen. Ich hab auch vor allem Angst. Vor allem vor Tauben. Und vor Hunden. Ich hätte so gern einen Hund, aber ich hab Angst, dass ich Angst vor ihm haben könnte. Und dann hat er mich in der Hand und die Tiernanny muss kommen…

    Ich wünsche Floppy jedenfalls alles Gute. Bestimmt wird er noch wieder gesund! Der ist doch ein zäher Hamster.

  2. Miss Sophie schreibt:

    Es gibt so ein paar Hunde, vor denen habe ich keine Angst. Da müssen sie aber schon ziemlich klein und ziemlich pelzig sein. Rauhhaardackel finde ich z.B. ganz süß. Aber wenn der mich einmal anknurren würde, dann hätte ich Angst. Wir hatten früher auch eine Katze, aber ich hatte immer Angst, sie am Bauch zu streicheln (während sie auf dem Rücken lag), weil sie mich einmal gekratzt hatte. Deswegen hab ich sie nur gestreichelt, wenn alle Pfoten auf der Erde waren. Irgendwie wird so eine Beziehung dann echt schnell gestört. Wenn man erstmal Angst vor den Tierchen hat, dann ist es echt Zeit für die Tiernanny. Das diagnostizieren die doch bei jedem Halter.

    Schon mal an eine Ameisenfarm gedacht?

  3. Sophie schreibt:

    Weißt du eigentlich, wie weh das tut, wenn die einen anpinkeln? Ich hab das als Kind oft genug erlebt, blöde Kindheit auf dem Lande. Meine damalige beste Freundin wurde von einem Schafbock über’n Haufen gerannt, ich bin von blöden Pferden geflogen, von blöden Pferden umgerannt worden, vom Hund gebissen (einmal sogar ins Gesicht, war aber nicht so schlimm, angeblich hat er das aus Versehen gemacht, weil er meinen Kuchen essen wollte, den ich mir an den Mund hielt, ja ja, das sagen se dann), mal ganz von Insektenstichen, Zecken- und Floh(!)befall zu schweigen. Bäh. Hihi, und vom Hahn gehackt wurde meine Freundin damals auch, jetzt fällt mir das wieder ein, das war als Außenstehende eigentlich ganz lustig… Heute hab ich sogar Angst vor Tauben. Meine Freundin sagt immer: „Ach, guckt mal, jetzt mach sie wieder ihr Taubengesicht.“ Sogar über meine Gesichtszüge verliere ich die Kontrolle beim Anblick dieser lebenden Bakterienherde.

  4. Miss Sophie schreibt:

    Na, man muß die natürlich in ihrem Glaskasten lassen, die kleinen Ameisen.

    Ich bin nur mal von einem Hund umgeworen worden, der mit mir spielen wollte. Das war aber so ein riesiger Neufundländer. Wir hatten früher auch keinen Hund. Ich glaube, das ist so eine frühe Prägung, ob man selber als Kind einen Hund hatte oder nicht.

    Ich hab eigentlich nicht so viel gegen Tauben. Aber es gibt auch süße Tiere in freier Wildbahn. Eichhörnchen und so. Und kleine Piepmätze wie Meisen und so sind doch auch ganz niedlich. Und immerhin weißt Du, wo die Milch herkommt und die Wolle und die Eier und so. Gibt doch genügend Kinder, die denken, das würde im Supermarktregal vor sich hinwachsen.

  5. Sophie schreibt:

    Eichhörnchen?!?! Die sind doch gefährlich! Und schlau. Mich haben neulich zwei veräppelt. Ich hatte mein Fenster weit geöffnet morgens und auf meinem Vordach saß ein Eichhörnchen. Ich hatte Angst, dass es zu mir reinhüpft und dann womöglich in Panik gerät und nicht mehr rausfindet und mich zerbeißt und mit Tollwut ansteckt. Also habe ich „Tscht“ gemacht, um es zu verscheuchen. Da springt doch genau unterhalb meines Fensters noch ein zweites Eichhörnchen weg. DAS wollte nämlich zu mir reinkommen. Das zweite war nur ein Ablenkungs-Eichhörnchen. Wenn ich mir das übelege… Ich wär aus der Dusche gekommen und in meinem Bett hätte ein Eichhörnchen gesessen… Das ist ja der Horror. Fiese Tiere, so Eichhörnchen. Und Vögel? Ich dachte, du wärst Hitchcock-Freund 😉

  6. Miss Sophie schreibt:

    Oh mann, fast hätten Dich die Hörnchen gehabt! Ich empfehle „Ab durch die Hecke“, um Paranoia vor organisierten Nagern weiter zu schüren. Ich find Eichhörnchen aber trotzdem süß.

    Die Meisen bei uns am Vogelhäuschen waren bisher recht friedlich. Man weiß natürlich nie, wann die plötzlich ausrasten. Die Natur ist tendenziell gefährlich. Jedenfalls ist sie unberechenbar.

  7. Sophie schreibt:

    Das lässt tief blicken, gefährlich mit unberechenbar gleichzusetzen… Gut, dass ich kein Tiefenpsychologe bin. 😉

  8. Miss Sophie schreibt:

    Da steh ich total zu. Unberechenbarkeit ist brandgefährlich. Berechenbare Bosheit dagegen ist nicht so schlimm. Da kommt jetzt sicher wieder der Mathematiker in mir durch. Aber wenn mal ein Tiefenpsychologe hier vorbeikommt (zum Beispiel durch Googeln) kann er gerne seine Deutung hier hinterlassen.

  9. Ratilius schreibt:

    Neulich im Park habe ich zwei kleine Kinder gesehen, die ein Eichhörnchen mit einem Plastikfußball gejagt haben. Erst wollte ich schimpfen, hab mich dann aber zurückgehalten, weil ich mich daran erinnert habe, dass es als Kind unglaublich viel Spass macht Getier zu jagen. Besser als den ganzen Tag vor der Playstation zu sitzen.

  10. Sophie schreibt:

    Und die Eichhörnchen haben das auch verdient, die hinterhältigen Biester.

  11. Miss Sophie schreibt:

    Tsss, tsss, tsss. Ich werde jetzt mal Selbsthilfekurse für Eichhörnchen an der VHS vorschlagen. Das Leben ist voller Gefahren für die kleinen Nager.

  12. Ratilius schreibt:

    in unserem Stadtpark gibt es sogar noch die richtigen (roten) Eichhörnchen.

  13. Miss Sophie schreibt:

    Daraus könnte man ableiten, daß die andersfarbigen, eingewanderten Eichhörnchen nicht die richtigen sind.
    Schreib bitte zehnmal in die Comments: Ich will keine rassistischen Bemerkungen mehr über Eichhörnchen machen!

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