Mein peinlicher (oder sogar paranormaler) Polo

Wie schon im vorigen Post erwähnt, stand heute ein Besuch bei meiner Nichte und meinem Neffen an. Die wohnen zwar auch in Hamburg, jedoch am komplett anderen Ende, so daß die Fahrt ca. eine Stunde dauert. Mir war etwas mulmig zumute, denn mein Polo ist seit einiger Zeit etwas zickig. Wird er warm, stottert der Motor ein wenig. Oder, laut meinem Papa, „hängt er nicht am Gas“. Jedenfalls ruckelt er bedenklich, wenn man an der Ampel losfahren will oder in den zweiten oder dritten Gang hochschaltet. Nun habe ich wenig Lust, daß mein Wägelchen irgendwo auf der Eiffestraße seinen Geist aufgibt, zudem war mein Handy gerade recht entleert, also wurde sehr kupplungsgedrückt gefahren, d.h. mit viel Brummbrumm beim Anfahren. Immerhin konnte so schlimmeres verhindert werden.

Nachdem mein neuer Neffe begutachtet wurde (echt irre, wie klein diese Babys sind, wenn sie auf die Welt kommen) und mit Nele auf den Spielplatz gegangen wurde (Soundwürfel fand sie übrigens toll, aber ihre Kieselsteinsammlung noch toller), war es langsam Zeit für den Heimweg. Also in den Polo gehüpft, der Motor sprang auch gleich an, also weg vom Bürgersteig und huuuuup. Ups, da war wohl wer auf die Hupe gekommen. Peinlich. Na gut, weiter geht’s. Huuuuup! Hä, also ich war jedenfalls nicht auf diese Hup-Stellen am Lenkrad gekommen. Na, schnell weg hier und schön in die Kurve legen – huuuuuuuuuuup! Aha, mein Polo hupte also, sobald man das Lenkrad etwas kräftiger einschlug. Ob nach links oder rechts war dabei sogar egal und hatte weder Auswirkung auf Lautstärke noch auf Tonhöhe, doch die Sache war nicht gut. Nun benutze ich die Hupe sowieso nie, auch nicht, wenn ich mich aufrege. Ich gestikuliere dann wild und sage gerne schlimme Schimpfwörter, aber ich hupe nie. Das ist mir peinlich. Noch peinlicher ist es natürlich, wenn man vollkommen ohne Grund hupt. Seinen Höhepunkt fand das tragische Schauspiel an der Ecke Baron-Voght-Straße / Elbchaussee, denn dort ist der Barkassenanleger Teufelsbrück, ein paar Cafes, bei strahlendem Sonnenschein (wie heute) halb Hamburg plus Umgebung – und Miss Sophie in ihrem wildgewordenen Polo. Diese Linkskurve werde ich nie wieder vergessen.

Was komisch klingt und auch meinen Vater heute abend stark erheiterte („Was ist mit Deiner Hupe? Gib mal Deinen Wagenschlüssel her!“) war definitiv ein traumatisches Ereignis in meinem Leben. Immerhin muß man meinem Polo lassen, daß er gutes Timing für seine Macken besitzt – letzte Woche habe ich ihn zur Inspektion angemeldet. Am Montag ist er fällig.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Absurditäten, Wahre Geschichten, Widrigkeiten des Lebens veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu Mein peinlicher (oder sogar paranormaler) Polo

  1. Sophie schreibt:

    Ich sag ja immer, so was macht Gegenstände erst wirklich sympathisch, wenn sie eine eigene Macke (so wie man selbst) entwickeln. Ist doch echt witzig, das mit dem Hupen. Schon bei der Vorstellung musste ich laut lachen!

    Mein Auto hat übrigens die Macke, beim Fahren von längeren Strecken zu quietschen. Ich kenne die Ursache (abgeschliffene, aber nicht abgefahrene Bremsbeläge, die aber noch eins a funktionieren) und habe mich deswegen mit Citroen auch schon richtig angelegt während der Garantie-Zeit (Garantie ist toll), wurde auch kurzfristig behoben, quietscht jetzt aber wieder. Ist auch leicht peinlich, dass die Bremsen nicht beim Bremsen, sondern beim Fahren quietschen. Und alle Leute drehen sich angenervt um, weil sie wissen wollen, wo dieses ätzende hohe Quietschen herkommt…

  2. Maria Kersten schreibt:

    Ich amüsier mich immer ganz gern über die Macken anderer Leute Autos. Auch über die Macken der Leute bezüglich ihrer Autos. No offense 🙂
    Aber von einem hupenden Auto bei jeder Lenkbewegung…das hab ich noch nie gehört. Und entsprechend gelacht. Erneut: no offense.
    Na dann drück ich dir die Daumen, daß es beim Hupen bleibt und er nicht noch anfängt zu husten… Aber sag mal…fährst du deinen Polo selbst zur Inspektion?
    Ein bei jeder Gelegenheit auf sich aufmerksam machendes Wägelchen wäre für mich glatt ein Grund, jemanden dafür zu bezahlen.
    Und nachdem ich schon so frech war: Bin zufällig über dein Blog gestolpert. Kompliment. Macht viel Spaß zu lesen. Keep on writing!!!
    Gruß aus Berlin.

  3. Miss Sophie schreibt:

    Mir war klar, daß das echt ziemlich witzig klingen muß. Das hat mich auch mal wieder extrem aufgeheitert, denn während ich so die kurvenlose Elbchaussee entlangkurvte und überlegte, wo wohl die nächste Kurve oder Abzweigung auf mich warten würde, dachte ich schon: „Das kann man cool bloggen, yes!“

    Das mit dem Stottern wäre eine liebenswerte Macke gewesen, aber das mit dem Hupen ist mir etwas zu exaltiert. Ich kann ja mal versuchen, den Werkstattonkel zu überreden, Hausbesuche zu machen. Doch dann wäre der Spaß schnell vorbei. Der wäre nämlich in fünf Sekunden auf das gekommen, wofür ich eine einstündige Internetrecherche bräuchte. Einfach Sicherung für die Hupe ausbauen. Dann ist Ruhe im Karton. Wahrscheinlich liegt es an den Schleifkontakten (was auch immer das ist…), die sind bei Polo und Golf III wohl schnell mal im Arsch. Diese Diagnose teile ich dem Kfz-Onkel aber lieber nicht mit. Der wird dann nämlich das komplette Auto auseinandernehmen und als letztes die Schleifkontakte testen. Weil er ja der einzige Mensch auf der Welt ist, der Ahnung von Autos hat….

    Und: Danke für das Kompliment. Viele Grüße aus Hamburg in die Hauptstadt.

  4. Ratilius schreibt:

    Die Geschichte ist super!

    Als ich mit dem Auto meiner Mutter unterwegs war, ist mal die Feder, die das Gaspedal in die Ausgangsstellung zurückstellt abgebrochen.
    Also bin ich an jeder Ampel wie ein Vollassi mit Vollgas angefahren, bis ich mit dem Schuh wieder unter dem Gaspedal war um es aufzuheben…

  5. Miss Sophie schreibt:

    Ich mußte ja wegen dem Stottern auch eher assig anfahren. Aber durch das Gehupe wurde das Gebrumme natürlich vollkommen übertönt.

  6. henriette schreibt:

    Ich mag Deinen Polo. Erinnert mich irgendwie an meinen guten alten Käfer namens Knut. Bless him. Der lief bei Regen immer voll Wasser. Von unten. Und wenn ich nach drei Stunden irgendwo ankam, dann immer mit nassen Füssen. Wenn ich von meinen Eltern nach Hause fuhr und ein paar liebe Gaben in Form von Weinflaschen geladen hatte, hatten sich die Etiketten derselben bald hartnäckigst um meine Knöchel gewickelt. Ich bin lieber bei trockenem Wetter unterwegs gewesen… Ist halt ein eher lauter Charakter, Dein Polo 🙂

  7. Pingback: Effe blogt » Polo mit Eigenleben

  8. Sophie schreibt:

    Cool. Total toll! Ich bin ein bisschen neidisch. Ich konnte nur mal – kurzzeitig – mich selbst trackbacken.

    Schön, dass du wieder ohne peinliches Gehupe rumfahren kannst!

  9. August Macke schreibt:

    Wer eine Macke oder gleich mehrere Macken hat braucht meinen Nachnamen!! 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s