Immer wieder ein Erlebnis: IKEA

So, heute war IKEA-Tag. Eine Herausforderung für zwischenmenschliche Beziehungen. Wie viele Freundschaften, Liebschaften und Ehen sind wohl schon zwischen Billy und Klippan in die Brüche gegangen? Man kennt die Dunkelziffer einfach nicht. Mit meinen Eltern ist das sowieso eine Geschichte für sich, denn erfahrungsgemäß sinkt mit zunehmendem Lebensalter die Genervtheitsschwelle in Möbelhäusern deutlich. Immerhin hatte ich mich schon per Internet darüber informiert, daß ich dieses Bett und diesen Schrank haben will. Noresund und Aspenlund (das reimt sich!) mußten also nur noch in ihrem natürlichen Lebensraum aufgespürt und die Regalnummern notiert werden. Diese stimmten dann natürlich nicht mit den tatsächlichen Standorten überein, da das Lager gerade etwas umgeräumt wurde. Ob ich nun alle Teile beisammen habe, weiß niemand. Und da es in der Nähe von Göttingen erst in Kassel wieder einen IKEA gibt, denke ich lieber nicht darüber nach, was passiert, wenn beim Aufbauen plötzlich festgestellt wird, daß zweimal das Paket 1 von Aspenlund eingekauft wurde.

Bei IKEA gibt es immer lustige Durchsagen. Die sind überhaupt das Beste. Natürlich gibt es immer Kinder, die von ihren Eltern aus dem Smaland abgeholt werden wollen (mich hätten meine Eltern da gar nicht erst reingekriegt. Ich war sehr anhänglich und hätte geheult, wenn sie außer Sichtweite gewesen wären. Außerdem gibt es da sehr viele andere Kinder. Es wäre für mich die Hölle mit bunten Plastikbällen gewesen.). Und Eltern, denen ihre Kinder abhanden gekommen sind. Heute wurde zusätzlich ein Einkaufswagen verwechselt („In dem gesuchten Einkaufswagen befinden sich Kissenbezüge und Aufbewahrungskartons“). Immer wieder schön.

Spacken gibt es auch überall und z.B. auf dem IKEA-Parkplatz. Da mein Bruder Pferdesportfreund ist, durften wir uns seinen Pferdeanhänger leihen, um das Zeug zu transportieren. Nun darf man damit aber nur Zossen durch die Gegend kutschieren, eigentlich. Wenn so ein Ding auf dem IKEA-Parkplatz steht, ist das natürlich verdächtig, denn die wenigsten werden mit ihrem vierbeinigen Freund eine kleine Runde um den Parkplatz drehen wollen. Aber, ganz im Ernst, wen sollte das bitte jucken? Natürlich einen Herrn aus Soltau (wohl nur neidisch, auf unseren IKEA, was?) mit VW-Bus, einem Dutzend Gören, Anhänger und Kanu auf dem Dach des Anhängers. Der bleibt neben uns stehen, kurbelt die Fensterscheibe runter und fragt, ob wir denn wüßten, daß das verboten sei, schließlich seien Pferdeanhänger steuerbefreit. Steuerbefreit! Als Argument! Ich meine, wenn er nu auf der Autobahn hinter uns gewesen wär und Angst hätte, plötzlich ein Bett in der Windschutzscheibe zu haben (wobei Betten sich weniger bewegen als Pferde, ergo ungefährlicher zu sein scheinen), hätte ich das ja noch verstehen können, aber das? Das sind sicherlich die Spätfolgen eines IKEA-BEsuches, kurzfristige hormonelle Unausgeglichenheiten.

Ich freu mich jedenfalls über Bett und Schrank. Und falls noch jemand wissen will, was gelebter Optimismus ist: Wenn man sich als Single ein 1,40m-Bett kauft. Finde ich jedenfalls.

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19 Antworten zu Immer wieder ein Erlebnis: IKEA

  1. loewenzahn schreibt:

    Wieso Optimismus? Ich finde, das ist purer und nicht zu unterschätzender Luxus 😀
    Ich besitze schon ein Bett in der Größe, seit ich 15 bin und ich möchte den Platz nicht mehr missen. Um ehrlich zu sein, wüßte ich gar nicht, ob ich da wirklich Platz machen wollen würde für einen Fremdling. Mein Platz! *gg*

    Hast du eigentlich Vollidiot von Tommy Jaud gelesen? Bei deiner Regalnummergeschichte musste ich da eben dran denken.

    Ich gratuliere auf jeden Fall herzlich zum neuen selbstbewußt-egoistischem Schlafkomfort 😉

  2. die doktorin schreibt:

    Hehe. Sehr schön formuliert, das mit dem 1,40m-Bett. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich von meiner Familie immer etwas mitleidige Blicke ernte, wenn ich ihnen mein neues Bett zeige…

    Zum Thema Soltau: Also, der Landkreis Celle grenzt ja an den Landkreis Soltau-Fallingbostel, und bereits in frühester Kindheit lernt man bei uns die Bedeutung des Autokennzeichens SFA kennen: Säufer, Fixer, Alkoholiker. Wobei natürlich blöderweise Säufer und Alkoholiker im Prinzip dasselbe sind, aber das weiß man ja im frühesten Kindesalter noch nicht. Wenn man im autofahrfähigen Alter ist, macht man die Erfahrung, vor allem falls man gezwungen ist, den Landkreis SFA für den Familienbesuch zu durchqueren, dass die Autofahrer dort entweder grundsätzlich ca. 20 bis 50 km/h unter der zulässigen Geschwindigkeit fahren – grundlos, versteht sich. Oder aber sie kommen im getunten und tiefergelegten Golf/Astra daher und nötigen ihre Mitteilnehmer am Straßenverkehr. Ganz große Sch***e, SFA.

    Ikea-Besuche sind tatsächlich extrem stressig, ich merke aber, dass ich mit zunehmendem Alter immer zielstrebiger werde. Ich muss mir weder die beknackten Pseude-Wohnungen angucken noch die zehn verschiedenen Trinkgläser oder Kissenbezüge. Ich nehm mir genau das, was ich will, und geh wieder raus. Das Lager schafft mich nicht (ich kenn mich aus mit Chaos) und ich hab seeeeehr viel Geduld, wenn es darum geht, Ikea-Mitarbeiter dazu zu bringen, genau zu erklären/zeigen, was ich will. Übung macht eben den Meister! 😉

  3. die doktorin schreibt:

    P.S.: Dem SFA-ler hättest du doch sagen können, dass seine Kinder doch auch steuerbefreit sind und ihm auch noch Steuervergünstigungen einbringen, obwohl sie allen auf die Nerven gehen. Ob er sich darüber schon mal Gedanken gemacht hat?

  4. kreuzberger schreibt:

    Ich bin ja langsam durch mit Ikea. Nachdem meine ersten beiden Wohungen fast vollkommen durchikeasiert waren, hol ich da mittlerweile fast nur noch Aufbewahrungswunder und anderen Kleinkram. Und natürlich Billybücherregale. Aber für das Geld, das man da für einige Möbelimitate ausgibt, die spätestens den zweiten Umzug nicht überleben, kann man sich oft schöne Stücke aus richtigem Holz – statt aus Presspappe – holen. Wobei ich zugeben muss, dass Du Dir schöne Stücke ausgesucht hast. Also Glückwunsch zu 1,40m – es kommt eben doch auf die [hier bitte beliebten Vulgärscherz einsetzen].

  5. Miss Sophie schreibt:

    Ich kann jetzt nur hoffen, daß das Bett überhaupt gut in mein Schlafzimmer paßt. Bett ist nämlich 2.10 lang und Schlafzimmer 2.13. Hoffentlich hat sich da niemand vermessen. Ich sehe IKEA auch nicht so als Lebensgefühl an. Wenn ich mal groß und reich bin, wird man mich da nicht so oft sehen. Zudem hege ich tief in mir versteckt einen Wunsch nach schweren englischen Landhaus-Möbeln. Insbesondere die großen dunklen Schreibtische mit gedrechselten Füßen und Ledereinlage auf der Schreibfläche haben es mir angetan. Die hab ich bei IKEA bislang noch nicht gefunden 😉

    Das sind ja interessante Einsichten in die Psyche der SFA-Fahrer. Dann werde ich mich in Zukunft vor denen in Acht nehmen. Nächstes Mal bin ich bestimmt schlagfertiger, wenn es um Steuerargumentationen geht…

    „Vollidiot“ kenne ich nicht. Aber man kommt sich bei IKEA auf jeden Fall schnell wie einer vor. Ich hab die beiden Schrankpakete auch an einer Stelle schon ein bißchen aufgerissen, um zu luschern, ob das da drin wenigstens halbwegs nach Schrank aussieht. Könnte aber hinkommen. Nachttisch und Bett heißen ja auch gleich Aspenlund…

  6. kreuzberger schreibt:

    Einen schönen alten Schreibtisch, an dem man sich wie ein Generaldirektor fühlt, und ein massives Sideboard habe ich schon günstig bei eBay geschossen. Beides nur einen Hauch teurer als bei den Schweden.

    „luschern“ – das hab ich ja noch nie gehört. 🙂

  7. Ratilius schreibt:

    Also so ein breites Bett hätte ich auch gerne!

    In meiner Studentenbude steht nur eine klapprige Karikatur eines Bettes, die den Makel hat, dass sich die Latten bei der geringsten Punktlast Latten lautstark aus dem Rost verabschieden.

    Sehr lustig bei IKEA sind auch die Gesichtsausdrücke der Miteinkäufer – so muss es wohl damals in Kalifornien während des Goldrauschs gewesen sein.
    Oder Leute, die zwei Wagen vor sich herschieben vor denen ein dritter Wagen vor sich her bugsiert wird.

    Die katastrophale Fahrweise von Autos mit Nummernschilder der Nachbarlandkreise scheint ein deutschlandweites Problem zu sein. Der Phänomenologie könnte ich noch die beiden Schreckgespenster: „älterer Herr mit Hut“ und „Dame mit Kinn über dem Steuer“ hinzufügen.

  8. die doktorin schreibt:

    An den Nachbarschaftskennzeichen ist was dran. Aus Hamburger Sicht würde ich mich jetzt über die Wilden Landwirte oder auch die Provinz-Idioten aufregen, wobei letztere die Schlimmeren sind, aber nicht zuletzt deswegen, weil ich persönlich welche kenne.

    Ich hab auch nur ein kleines feines Bettchen, weil mein Einzimmerappartement nichts anderes erlaubt, wenn ich auch noch drin stehen können will… Die Latten muss man übrigens, das mach ich jetzt so, nachdem ich nachts oft genug hochgeschreckt bin, einfach unterm Bett liegen lassen. An den punktlastigen Stellen sind die nämlich doppelt. Ich brauch da keine zwei Latten, eine reicht aus. 🙂

  9. Ratilius schreibt:

    Die Strategie das Lattenproblem zu ignorieren bin ich auch eine weile gefahren. Der Haken an der Sache ist, dass die Wahrscheinlichkeit des (n+1)ten Ausfalls unter der Bedingung, dass schon n Latten fehlen bereits ab n=1 durch die Decke schießt (

  10. die doktorin schreibt:

    Das ist im Prinzip schon richtig, aber du musst, zumindest bei meinem Lattenrost, auch bedenken, dass die Latten, die zuerst abfallen, und die, die eben dann noch dran bleiben, anders befestigt sind. Daher hat es weniger Einfluss auf die noch vorhandene Latte, ob die darunter liegende schon abgefallen ist oder nicht, als wenn beide gleich wacklig befestigt wären.

  11. ro schreibt:

    „Der bleibt neben uns stehen, kurbelt die Fensterscheibe runter und fragt, ob wir denn wüßten, daß das verboten sei, schließlich seien Pferdeanhänger steuerbefreit.“

    Das kann es nur in Deutschland geben.

    Obendrein schlafe ich auch in einem IKEA-Bett, die amerikanischen sind viel zu weich. Leider gibt es hier keine langen und gleichzeitig harten IKEA-Betten, so dass ich nicht mehr viel mehr wachsen darf. Eigentlich gar nicht. Aber das passiert ja auch nicht mehr.

  12. Miss Sophie schreibt:

    Meinst du jetzt das Bett oder die Matratze? Ich habe meine Matratze auch gleich bei IKEA gekauft, aber die scheinen alle ziemlich weich zu sein. Ich schlafe gerne auf sehr festen Matratzen, obwohl 45 Kilo so ein Ding natürlich gar nicht richtig eindellen können. Wenn das durch den Lattenrost wieder etwas ausgeglichen wird, soll’s mir nur recht sein. Oh, ich bin ja schon so gespannt auf das Aufbauen übermorgen!

  13. pinkbuddha schreibt:

    Ich will ja keine doofen Fragen stellen, aber wieso baust du das Bett denn schon übermorgen auf? Ich dachte, du ziehst zum 1.10. ein. Oder willst du es sicherheitshalber schon mal hier aufbauen?

    Ich hab noch niemanden gefunden, der mein neues Bett transportieren will. Ich will es nämlich jetzt schon kaufen, damit ich es noch erst antikweiß lackieren kann. Als ich meine Schwester dezent auf ihren Van ansprach, sagte sie etwas wie „Ich hab doch schon deine Waschmaschine geholt.“ Wenn man mir so was entgegnet, frag ich ja nie wieder. Da bin ich stur. Muss ich wohl ne rote Fahne besorgen… Ich mach die Dinge sowieso lieber selber.

  14. Miss Sophie schreibt:

    Die Frage ist nicht doof. Also, folgendes: Da ich hier sowieso in Hamburg alles nötige behalte, d.h. Bett, Sofa etc. mittlerweile doppelt habe, ist es eigentlich nicht schlimm, den größten Krempel verfrüht nach Göttingen zu schleppen. Mein Bruder hat gerade noch Urlaub, sonst hätte er erst wieder ab Anfang Oktober helfen können, an den nächsten Wochenenden hat er nämlich auch keine Zeit. Nur mein Fernseher wandert auch schon rüber, aber da meine Eltern zwei haben, darf ich mir hier in Hamburg wahrscheinlich einen schnorren.

    Wenn Du auch Noresund willst, würd ich mir überlegen, ob Du nicht wen fragen kannst, weil Kopf- und Fußteil in einem sehr großen Karton sind. Ich denke fast, der wäre auch zu breit für einen Kleinwagen (vielleicht wenn man es diagonal in die Heckklappe wirft, aber auch das erscheint mir fragwürdig). Ich glaub, die Paketmaße stehen auch auf der Homepage, sonst kann ich auch noch mal bei mir nachmessen. Und die sind auch wirklich sehr schwer. Ich würd mir beim Schleppen helfen lassen und dann alleine lackieren, damit das keiner vermurkst. Und beim Lackieren könnte ein Problem werden, daß diese Knubbel oben an den Bettpfosten aus Plastik sind. Und da hält Farbe manchmal nicht gut drauf. Aber wem sage ich das, Du hast bestimmt schon mehr lackiert als ich, ich hab das nämlich noch nie gemacht 😉

  15. pinkbuddha schreibt:

    Du kannst schon jetzt deine Sachen in deine neue Wohnung bringen? Was für ein Luxus!! *Neid*

    Guter Tipp, das mit der Plastikkappe. Vielleicht sieht es auch dekorativ aus, wenn ich die schwarz lasse! Wer weiß….

  16. Miss Sophie schreibt:

    Die Wohnung ist aber auch schon ab 1.9. gemietet. Also nicht so ganz der Luxus. Der besteht, wenn überhaupt, schon eher darin, daß ich aus meiner aktuellen Wohnung nicht sofort rausgeschmissen werde.

  17. ro schreibt:

    Mein IKEA-Bett ist eine Art Kompaktdingens, so ein Kasten mit eingebautem Lattenrost und so. Selbsttragend, keine Matratze, die man irgendwo reinlegen kann. War das härteste, was es dort gab. Natürlich in keiner anderen Größe zu haben.

  18. Pingback: das schnäppchen « Paranoia rules

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