Hochzeit – Vorberichterstattung

Gleich geht es los zu einer Hochzeit – der Hochzeit des Jahres sozusagen, nachdem seit nunmehr drei Jahren jährlich genau eine Hochzeitseinladung in meinen Briefkasten flattert. Diese wird sicherlich besonders gut, da ich das erste Mal komplett unbeteiligt bin. Bei der ersten schwang ich als Schwester der Braut eine Rede, bei der zweiten organisierten alle Freunde der Braut ein Spielchen und bei dieser bin ich nur die unbeteiligte Cousine. Herrlich! Und eine schöne Gelegenheit, um mal wieder ein hübsches Kleidchen anzuziehen.

In Anbetracht des etwas durchwachsenen Wetters ist mir wieder mal klargeworden, daß ich, falls das mal der Fall sein sollte, im Winter heiraten will. Es muß meterhoch Schnee liegen, ich würde in einem Pferdeschlitten heranpreschen und über meinem elfenbeinfarbenen Kleid eine cremeweiße Pelzstola tragen. Leider müßte man dafür brünett sein, sonst sähe das doof aus. Also wird das nix. Von der Schneesicherheit in Norddeutschland mal ganz abgesehen, denn natürlich würde ich nur in meiner angetrauten Dorfkirche heiraten. Ok, lassen wir das und konzentrieren uns auf heute nachmittag. Die Haare sind schon fertig hochgesteckt, wozu so eine Art Luffa-Schwamm als Steckmasse verwendet wurde. Sieht aus, als hätte ich drei Tonnen Haare, aber ganz hübsch.

Das wird so eine richtige Dorfhochzeit, d.h. mit Autokorso vom Brauthaus zur Kirche. Übrigens ist das Brauthaus von wohlmeinenden Freunden üppigst mit von Babykleidung bedeckten Wäscheleinen verziert worden. Dabei ist die Braut überhaupt nicht schwanger! Eine Warnung an meine Freunde: Wer so einen Blödsinn bei mir veranstalten würde, wird sofort wieder ausgeladen! Wo ist denn da bitte der kausale Zusammenhang? Nur weil sich Topf und Deckel finden, muß die Welt doch noch nicht mit kleinen Kochsets überschwemmt werden! Ich steigere mich da gerade so rein, daß ich gar nicht an den schlimmsten Teil der Feier denken mag: Den Brautstraußwurf. Meine Schwester wollte gar nicht werfen, wofür ich ihr noch heute dankbar bin. Letztes Jahr wurde geworfen, das Ding berührte meine Schulter, ich schrie und eine andere fing ihn. Sie durfte dann mit ihrem Freund tanzen, was eine natürlich Fortführung des Rituals zu sein scheint und mir als die eigentliche Tücke erschien. Was nun, wenn der Unterhaltungsonkel sagen würde: „Na, warum hat die hübsche blonde Deern hier denn noch keinen abgekriegt? Will sich nicht einer für einen Ehrentanz erbarmen?“ Aaaaaah!

Und noch was schönes, eben beim Friseur erfahren. Heute scheint Hochzeitsgroßkampftag auf dem Dorf zu sein, neben mir wurde ebenfalls jemand frisiert, aber zu einer anderen Hochzeit geladen. Gestern war dort Polterabend, in dessen Verlauf der Bruder des Bräutigams jenem unentwegt zuprostete, worauf dieser meinte, jedes Mal einen trinken zu müssen. Leider vertrug er den Alkohol recht schlecht, was wiederum die Braut erboste. Der Bruder darf auf der heutigen Feier nicht erscheinen. So ist das auf dem Dorf. Man darf auf die morgige Nachberichterstattung gespannt sein.

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2 Antworten zu Hochzeit – Vorberichterstattung

  1. Ratilius schreibt:

    das mit den hochzeiten scheint heute rumzugehen wie die grippe 🙂
    schon der zweite blog auf dem ich es lese http://www.stanley-goodspeed.de/
    und ein schulfreund von mir war ebenfalls auf einer hochzeit eingeladen.

    Vielleicht liegts ja am Papst?

    Die Unterhaltungsonkel neigen dazu recht schnell mit dummen Kommentaren bei der Hand zu sein – möglicherweise werden sie sogar dafür bezahlt…

  2. pinkbuddha schreibt:

    Ist doch sonnenklar, woran das liegt: Am Datum. Die Schwachhirne von Ehegatten merken sich doch nie den Hochzeitstag, aber wenn man es ihnen leicht macht, so die naive Hoffnung der Bräute, die das Grundproblem – nämlich die Irrelevanz eines Hochzeitstages für Otto Normalehemann – nicht erkannt haben, dann merken sie sich das Datum und beglücken sie immer mit einem Strauß Blumen von ner Tanke. Daher: Heiraten wir doch am 9.9., Schatz!

    Ich erinner mich noch ziemlich gut an den 9.9.99. Da fanden ca. eine Million Hochzeiten statt! Sogar bei uns auf’m Dorf. Die Standesämter mussten Sonderschichten fahren, nur weil Frauen immer dazu neigen, das Sympton statt die Ursache zu bekämpfen… Aber ich werde schon wieder sarkastisch.

    Eigentlich ist es tatsächlich eine schöne Sache, sich mal schick machen zu können und unbeteiligt auf eine Hochzeit zu gehen und zu feiern. Bei mir würde das wahrscheinlich peinlich enden, weil ich ja leider auch keinen Alkohol vertrage… Aber das kennt die Verwandtschaft schon.

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