Hochzeit – Nachberichterstattung

Wieso ist heute eigentlich strahlender Sonnenschein, obwohl der für gestern auch angekündigt war? Stattdessen war es ziemlich trübe und während alle Gäste brav vor der Kirche Spalier standen, fürchteten wir ernstlich, noch naß zu werden.

Insgesamt läßt sich sagen, daß das wirklich eine sehr nette Hochzeit war. Ziemlich heimatverbunden, in der heimatlichen Kirche, die Predigt enthielt auch ein bißchen Plattdeutsch und auf der Feier wurde natürlich „Wir sind Vierländer Kinder“ gesungen, so eine Art Nationalhymne der Vierländer. Die Braut hatte ein wunderschönes Brautkleid an, eigentlich ganz schlicht, aber mit ein paar Straßsteinen bestickt, die so Ornamente bildeten. Dazu kamen Handschuhe und passender Schleier. Leider hatte der Bräutigam keinen Cut an, was mein Lieblings-Bräutigams-Outfit darstellt. Ich hatte die Ehre, am Kopf der Tafel zu sitzen, was dadurch zu Stande kam, daß mein Cousin, also der Bruder der Braut, ebenso unverpartnert ist wie ich, aber das ganze mit Tischdame symmetrischer aussah. Mir war das sehr recht, denn wir streiten uns zwar sehr gerne, aber eigentlich immer nur freundschaftlich, sind praktisch gleich alt und kommen eigentlich sehr gut miteinander aus. Leider dachten alle in die Familienverhältnisse weniger eingeweihten, daß wir zusammen wären… Dies führte auch zu Unmut unter den Freundinnen der Braut bzgl. meines Fernbleibens vom Brautstraußgefange, daß von mir aber eiskalt durchgezogen wurde. Schon der übliche Scherz „Und nun bitte alle Jungfrauen auf die Tanzfläche. Na, alle Unverheirateten tun’s auch.“ bekräftigte mich in diesem Entschluß. Gefangen wurde er dann von einer verheirateten Dame, die vielleicht hoffte, einen anderen abzukriegen? Die Wahl war perfekt, denn ausgerechnet sie und ihr Gatte hatten offensichtlichst vor kurzem einen Tanzkurs absolviert. Man erkennt das daran, daß solche Pärchen stets komplizierteste Schrittkombinationen vollführen, während andere entweder Wiener Walzer oder Disco-Fox (in meiner Gegend auch „Vierländer Einheitschritt“ genannt) produzieren. Wenn man von sehr schnellen Tänzen wir Rock’n’Roll, wo die Schubs-die-Frau-weg-Figuren manchmal witzig sind, oder sehr lateinamerikanischen Tänzen mal absieht, ziehe ich das Understatement besagter Einheitsschritte aber eigentlich vor. Ich stellte fest, daß mein Papa toll tanzen kann, weil energisch führen. Männer von heute können schlecht führen, leider. Das führt dazu, daß ich führen will, was die Sache nicht besser macht. Frau Herrmann, es scheint tatsächlich Dinge zu geben, die am besten gehen, wenn der Mann den Ton angibt! Ich habe nun aber an beiden Füßen blaue Flecke und am linken Hautabschürfungen, weil mein Papa mir auch seine Lieblingsschrittkombination eher auf die harte Tour beigebracht hat. Aber dafür kann ich sie jetzt.

Wie gesagt, war nett, irgendwie sind Hochzeiten ja doch immer wieder schön. Und Essen war auch total lecker!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Der Mensch freut sich, Provinznotizen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Hochzeit – Nachberichterstattung

  1. pinkbuddha schreibt:

    Vierländer hab ich ja noch nie gehört…

    Dass Dorf-Bräute (fast hätte ich Brauten geschrieben… wie komm ich da bloß drauf?) hübsche Hochzeitskleider – und dann noch schlichte – anhaben, kommt recht selten vor. Da war die Hochzeit wohl ein Glücksgriff.

  2. Miss Sophie schreibt:

    Vierländer heißen die Bewohner von Kirchwerder, Neuengamme (traurig berühmt durch das Konzentrationslager), Altengamme und Curslack. Sind alles Örtchen in Bergedorf im Südosten von Hamburg. Guckst Du auch Wikipedia:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Vierlande

    Falls nun despektierliche Kommentare zum Thema doofe Gemüsebauern auf der Zunge liegen: Die prallen an mir ab, ich bin nämlich sehr überzeugte Vierländerin. 😉 Ist’n cooles Volk.

    Die Dorf-Braute war ja auch meine Cousine, und ich hab die, nebenbei bemerkt, auch sehr gern. Da muß sie natürlich einen guten Geschmack haben. Aber es gibt auch wirklich soooo schreckliche Brautkleider.

  3. pinkbuddha schreibt:

    Ja, dann muss sie natürlich Geschmack haben! Geht ja gar nicht anders…

  4. Ratilius schreibt:

    Hab meine Geografiekenntnisse ebenfalls um die Vierlande erweitert.

  5. kreuzberger schreibt:

    Für einen Mann, der tanzen und führen kann, ist es die Hölle, wenn die Partnerin gegen ihn kämpft. Habe bisher glücklicherweise immer gewonnen. 🙂

    Das Werfen von Brautsträußen sollte außerdem gesetzlich verboten werden.

  6. Miss Sophie schreibt:

    Wenn ich erkannt habe, daß ein Mann gut tanzen und führen kann, versuche ich, mich möglichst kampflos zu ergeben. Eine gewisse Widerborstigkeit, die sowieso tief in meiner Natur verankert ist, läßt sich aber nicht hundertporzentig abschalten. Als letztes Mittel hilft nur noch: „Mir wird schlecht. Können wir uns weniger drehen?“

  7. kreuzberger schreibt:

    Es soll ja Männer geben, die die Frauen in die Besinnungs- und/oder Wehrlosigkeit drehen wollen. Zu denen gehöre ich nur gelegentlich.

  8. Klaus schreibt:

    jaja, die Sitzordnung! kann schon mal zu Verwirrung führen, aber wenn gut durchdacht kann sie auch die Hochzeit retten. Meine Schwester hat vor ein paar Monaten geheiratet, so richtig aufm Dorf, und wenn sie mich nicht neben die Trauzeugin gesetzt hätte (selbes Alter, selbe Uni) wäre ich entweder vor langeweile gestorben oder hätte mich unter den Tisch gesoffen… so wird mir die Feier als alles in allem wirklich nett in Erinnerung bleiben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s