Göttingen ist nicht Hamburg

Na gut, das ist noch keine besonders tolle Einsicht nach drei Tagen intensiver Forschung. Irgendwie hatte man es auch schon ein bißchen geahnt. Eigentlich kann ich bislang auch nur die Unis vergleichen. Da geht schon mal ein dicker Punkt an die Verwaltung der Uni Göttingen. Was ich hier in zwei Tagen geschafft habe (Schlüssel kriegen, Postfach kriegen, Account kriegen, Email-Adresse kriegen, Vertrag kriegen usw.) – dafür hätte ich in Hamburg ca. zwei Wochen gebraucht. Und dann wäre irgendwo ein Fehler aufgetaucht und es hätte noch mal eine Woche länger gedauert. Also schon mal ganz dickes Plus. Vor allem freue ich mich über meine Uni-Adresse. Wirkt irgendwie so professionell, hi, hi. Fast schon professoral eigentlich.
Nun möchte ich aber alle Hamburger Studenten, die dies hier vielleicht lesen, deutlich ermuntern. Zuerst mal bin ich immer noch eine von Euch. Zum anderen: Laßt Euch nix erzählen, von so Leuten, die meinen, sie wären ja an einer sooo geilen Uni, die was weiß ich wie alt wäre und haste nich gesehen was sonst noch. Die Uni Göttingen ist genau so eine Massen-Uni wie Hamburg auch. Wer’s nicht glaubt, begebe sich bitte 12 Uhr mittags in die Zentral-Mensa. Dagegen ist unsere Schweine-Mensa ausgestorben. Außerdem habe wir es in Hamburg immer noch mit Menschen zu tun. Das ist zwar oft genug ein Ärgernis, entspricht aber weitestgehend unseren natürlich Bedürfnissen. In Göttingen ist der einzige Mensch, mit dem man mensamäßig zu tun hat, die Frau, die einem die Essensmärkchen verkauft. Man bezahlt nämlich nicht mit dem Tablett in der Hand, sondern schon vorher. Dann begibt man sich zu der Ausgabestelle des Essens seiner Wahl, wo dieses auf einem Laufband mit beachtlicher Geschwindigkeit herangespurtet kommt. Während man noch überlegt, wie man eine Resonanzkatastrophe von flüssigen Bestandteilen beim Abgreifen des Tablettes verhindern könnte, wird einem die Essensmarke aus der Hand gerupft. Richtige Tabletts sind es dieweil nicht, die dort durch die Gegend flitzen. Vielmehr befinden sich die Vertiefungen schon in den Tabletts selber. Im günstigsten Fall erinnert einen dies an die Teller, die man Sylvester für das Fondue hatte – im schlimmsten an US-Gefängnisse. Getränke kann man extra erwerben, sogar bar bezahlen, doch dieses System scheint sich nicht weiter durchgesetzt zu haben. Hat man fertig gegessen, begibt man sich zum Abräumlaufband. Über dem Laufband befinden sich sehr viele sehr große Zeichnungen davon, wie genau das Tablett zu platzieren ist, Besteckmulde nach oben z.B., Besteck in derselben angeordnet. Z.T. ist es erforderlich, den Teller selbst von Überresten zu befreien. Sogar Mathematik-Professoren können daran scheitern, ob Hähnchenknochen nun als Restmüll (richtig) oder wie Besteck-Teile (falsch) zu handhaben sind. Alles nicht so einfach eben.

Insofern: In Hamburg wird jedenfalls noch geredet. Auch mit Nichtakademikern, die niedere Arbeiten verrichten. Ich denke, soft-skill-mäßig sind wir Elite-Studenten haushoch überlegen.

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10 Antworten zu Göttingen ist nicht Hamburg

  1. Ratilius schreibt:

    In Erlangen gibt es das Essen auf Porzellantellern bevor man in einem lichtdurchfluteten Saal mit Stuckdecke speist 🙂

  2. Jörg schreibt:

    Hallo Miss Sophie,

    ihre Ausführungen regen mich heute zum Widerspruch an. Die Universität Göttingen ist eine Massenuniversität wie vermutlich Hamburg auch. Im Gegensatz zu Hamburg muss man aber leider sagen, „der Lack ist ab“. Alte wehmütige Zeiten ersetzen heute nicht mehr den Blick nach vorne zu neuen Ufern und Herausforderungen. Man war sehr provinziell arrogant und ist nun beleidigt das sich die Welt ausserhalb von Göttingen weitergedreht hat. „Die Zeit“ umschrieb es in einem Artikel so schön mit der Überschrift: „Alles ausser Elite“ und bedachte die Universität Göttingen mit amüsierten Kommentar.

    nächtliche Grüße

  3. pinkbuddha schreibt:

    Ich finde ja jede Vermeidung von potenziell Ärgernis erregenden Menschen durchaus positiv. Aber natürlich sind komplizierte 3D-Zeichnungen, wie das Tablett/der Teller aufs Laufband zu stellen ist, auch Ärgernis erregend. Das klassische Dilemma.

    Ansonsten stelle ich es mir aber gut vor, einfach mal was anderes zu sehen. Das ist auf jeden Fall und immer gut! Glaub ich.

  4. thomas schreibt:

    Ich weiß nicht, wenn ich sowas lese und mich an meine zwei Jahre verschwendeten BWL-Studiums in Würzburg erinnere, weiß ich eine kleine Provinz-FH wie in Ansbach doch zu schätzen. Obwohl es auch gewisse Nachteile haben kann, wenn einem Profs z.B. nicht nur vom sehen kennen. Aber immerhin hat man dafür gesorgt, dass wir in der Mensa auch das Gefühl eine Großuni haben, man hat sie einfach nur noch kleiner gemacht. 😉

  5. Miss Sophie schreibt:

    @ Jörg: Widerspruch sehe ich da eigentlich noch nicht 😉 Du hast es nur etwas schärfer formuliert, das traue ich mich natürlich nach drei Tagen hier noch nicht – und mein Eindruck kann auch einfach noch ziemlich falsch sein. Die „provinzielle Arroganz“ – das muß ich mir merken. Ich glaube fast, ich werde merken, daß es den Nagel ein wenig auf den Kopf trifft. In Hamburg an der Uni ist man eigentlich nicht arrogant (auch wenn es dem Hamburger an sich natürlich gerne und immer wieder vorwirft). Meine Erfahrungen mit Professoren sind da ziemlich positiv. Da ruht sich keiner auf seinen Lorbeeren aus.

    @ pinkbuddha: Ja, eigentlich ist es toll, wenn man was am Computer erledigen kann. Z.B. konnte ich mein Wägelchen online zum TÜV anmelden. Kein doofes Telefonat – das war gut. Aber die Leute sind ja nicht ganz weg, sie sind eben nur noch dazu da, um einem Märkchen aus der Hand zu nehmen oder einen darauf hinzuweisen, daß die Hähnchenknochen falsch sortiert sind. Das ist irgendwie komisch.

  6. Klaus schreibt:

    Ohmeingott, Essensmarken? Für die man womöglich auch noch Schlange stehen muss? sowas gibts an der Super-Duper-Elite-Uni Mannheim seit Jahren nicht mehr… aber dass die Hamburger Uni verwaltungstechnisch Entwicklungsland ist, das kann ich definitiv bestätigen!

  7. Njus schreibt:

    Nö die „Elite-Uni“ Mannheim ist auch keine Elite-Uni die haben zwar keine Essensmarken dafür aber auch keine Sitzplätze in den Vordiploms-Vorlesungen. Aber die Karlsruher (echte Elite-Uni) Mensa soll auch nicht der Bringer sein, allerdings war die Ausstattung und Verwaltung der Mensen meines Wissens nach auch kein Entscheidungskriterium.

  8. Lama schreibt:

    So ein dummes Gelaber.

  9. Kathleen schreibt:

    Hallo, ich stieß zufällig auf diesen kleinen Bericht auf der Suche nach Informationen zu Elite-Unis und konnte nicht widerstehen, ihn zu lesen. Entschuldige bitte, wenn ich hier jetzt mal einiges richtig stellen muss, aber in Göttingen gibt es selbstverständlich nicht nur die Zentralmensa (wie du aber wohl selbst weißt, da es der Name ja schon verrät). Die Zentralmensa ist lediglich die größe und meistbesuchte Mensa Göttingens, da sie so (na?) zentral ist. Aufgrund des großen Ansturms war es eine, wie ich finde, gute und vernünftige Idee die Essensmarken einzurichten. Das hat vielerlei Vorteile: 1. Leute rennen nicht wie die Ameisen quer durch die Mensa, um ihr Essen nach dem äußeren Erscheinen auszuwählen. 2. Es ist unglaublich platzsparend. Dabei geht es weniger um das Verhältnis der Studenten zu den Mensaangestellten (und mal ehrlich – wieviel mehr wird schon geredet, wenn du mit deinem Tablett an der Kasse stehst als wenn du dir eine Essensmarke in Göttingen aussuchst?), sondern auch um die Zahl der Angestellten. 4 Kassen gleichzeitig offen zu haben ist unten kein Problem. Aber stell dir das Gedrängle oben in den Speisesälen vor. Zu Stoßzeiten ist es schon schwer genug, einen freien Tisch zu finden. 3. Knüpft gleich an den vorigen Punkt an: es ist unglaublich zeitsparend. Zugegeben, dieses Fließbandessen ist nicht besonders chic, aber wenn man auf ein edles Ambiente wertlegt, sollte man zum Italiener gehen und dort etwa das 10-fache ausgeben (dickes Plus: Göttingens Mensa-Essen ist sehr billig). 4. Es gibt ja nicht nur eine Mensa in Göttingen. Andere Mensen wie etwa die Mensa Italia, die Mensa am Turm oder die Mensa am Wilhemsplatz greifen nach wie vor auf das altbewährte System der Kassen hinter der Essensausgabe zurück.
    So. Das wollte ich jetzt nur mal loswerden, damit hier kein falscher Eindruck von meiner lieben Uni aufkommt. 🙂
    Übrigens habe ich durchaus Erfahrungen an anderen Unis gemacht, um Vergleiche ziehen zu können: ich war mehrere Semester in Braunschweig an der Kunsthochschule wie auch zeitgleich an der Technischen Universität eingeschrieben und ich war für einige Tage in Hamburg zwecks Exkursion. Ich muss sagen, die Göttinger Mensen (mit Ausnahme der Italia vielleicht) schneiden in meiner persönlichen Wertung was Qualität, aber auch Quantität betrifft, entschieden am besten ab.

  10. Miss Sophie schreibt:

    Wow, ich wußte gar nicht, daß hier Herr von Figura mitliest. 😉

    Nein, natürlich hast Du recht, Kathleen, es gibt auch noch andere schöne Mensen. Mein Favorit ist da die Turmmensa, da ist das „Ambiente“ einfach am besten. Und die Aktionen dort sind häufig zu empfehlen. Und das stimmt schon, das Essen ist wirklich günstig.

    Natürlich ist die Göttinger Uni toll! 🙂

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