Filmkritik: The Black Dahlia

_black_dahlia_poster_3.jpgInhalt: L.A. in den Vierzigern: Die beiden Cops Bucky Bleichert (Josh Hartnett) (Buckys Papa ist Deutscher) und Lee Blanchard (Aaron Eckhart) sind eigentlich nur auf die Beschattung eines Verdächtigen angesetzt, als sie in einen spektakulären Mordfall hineinstolpern: Das Starlet Elizabeth Short (Mia Kirshner) wurde fein säuberlich in der Mitte durchgetrennt, sämtliche Organe entfernt und das Gesicht von einem Ohr zum anderen aufgeschlitzt (und, ja, man sieht das. Ist ziemlich eklig…). Der Mord wird von der Presse hochgejubelt und das Starlet als „Schwarze Dahlie“ posthum bekannt. Bleichert und Blanchard nehmen sich vor, den Mörder der „Black Dahlia“ zu fassen und stolpern dabei in sehr komplexe Beziehungsgeflechte. Ziemlich verdächtig ist z.B. die gelangweilte Millionärstochter Madeleine Linscott (Hilary Swank), die der Verstorbenen ähnlich sah und mit ihr Kontakt aufgenommen hatte. Außerdem wird das Kumpelverhältnis zwischen den Cops dadurch gestört, daß Bucky sich zu Lees attraktiver Freundin Kay Lake (Scarlett Johansson) hingezogen fühlt. Die wiederum ist der Grund dafür, warum Lee auch noch eine Rechnung mit dem Gangster Bobby DeWitt offen hat, der aus den Gefängnis entlassen wird. Nach und nach kommt ans Licht, daß fast alle Beteiligten dunkle Geheimnisse verbergen.

Kritik: Stellen wir uns mal kurz vor, wir wären eine schöne Frau in den Vierzigern. Wir liegen mit einem jungen Mann im Bett. Man ist offensichtlich erschöpft von dem vorangegangenen Geschehen. Der junge Mann zündet sich eine Zigarette an (wir sind in den Vierzigern, heute wäre es natürlich rauchfrei), greift neben das Bett – und setzt sich seinen Hut auf. Nicht, daß er dann aufsteht und geht, er setzt sich einfach nur seinen Hut auf. Also, was soll das? Humphrey Bogart für Arme? Waren das die Vierziger? Hut auf im Bett? Das ist so eine dieser Szenen an diesem seeehr stylishem Thriller, bei dem man deutlich fühlt, daß etwas übertrieben wurde. Die Ausstattung an sich ist dabei eigentlich perfekt – die Kostüme, die Wohnungen, die Autos, die tollen Frisuren und die sehr schöne Fotographie, die den ganzen Film in ein sepia-farbenes, leicht vergilbtes, aber doch irgendwie glamouröses Licht taucht. Natürlich verbindet man mit Hollywood in den Vierzigern verruchte Starlets und verwegene, saucoole Cops, aber hier wurde irgendwie bei allem ein bißchen übertrieben. Aaron Eckhart ist ziemlich gut in seiner Rolle, Josh Hartnett eigentlich auch, doch wirkt sein Kommentar aus dem Off zuweilen doch sehr pathetisch. Quasi als Erzähler der Geschichte scheint er ein Anker in dem verkommenen Sündenpfuhl von L.A. zu sein. Wobei er sich dafür eigentlich ein paar mal zu oft ekstatisch die Kleider vom Leid reißt und Frauen auf Küchentische wirft. Scarlett Johansson ist mal wieder wirklich gut, obwohl ich der Meinung bin, daß sie eine ziemlich schlechte Haut und einen anscheinend nicht ganz fähigen personal-Make-Up-Artist hat. Hilary Swank trägt ein wirklich umwerfendes Kleid, aber sie sieht in aufreizenden Abendkleidern nun mal leider immer wie ein Transvestit aus. Außerdem sieht sie Mia Kirshner überhaupt nicht ähnlich, obwohl dies durchgehend behauptet wird. Ihre ziemlich verkorkste Familie trägt zu einigen recht gut gelungenen Momenten im Film bei, aber auch hier wurde die Grenze zur Parodie mehr als einmal überschritten. Was jedoch vor allem stört, sind die vielen verschiedenen Handlungsstränge, die nicht immer überzeugend geführt werden. So liegen einige von ihnen längere Zeit brach, um dann plötzlich aufgelöst zu werden. Das ist natürlich zuviel für mich, deswegen gibt es auf Klick ein paar Fragen, die ja vielleicht beantwortet werden können. Also besser nur drauf klicken, wenn man den Film schon kennt. Obwohl ich ernsthaft der Meinung bin, man muß den Film nicht kennen. Wie gesagt, Top-Ausstattung, sicherlich auch ein paar schöne Regieeinfälle hier und da, aber wer dazu auch noch einen spannenden Thriller will, ist mir „L.A. Confidential“ sicherlich besser bedient. Herr De Palma, Sie haben auch schon mal bessere Filme gemacht!


Also, jetzt zu den Fragen:

  • Die Geschichte mit der Kohle unter der Fliese hab ich überhaupt nicht verstanden. Es war das Geld aus dem Banküberfall, das Kay und Lee dringend brauchten, weil sie von jemandem erpreßt wurden (?). Aber wie kam Lee daran? Er hatte doch den Bankräuber Dos Santos verhaftet, wieso hat der ihn dann nicht verraten?
  • Wieso kommt Bucky sofort auf die Idee, daß Madeleine etwas mit dem Fall zu tun hat? Oder ist er einfach nur scharf auf sie?
  • Der gesamte Mordfall wird doch total unbefriedigend aufgelöst. Es ist einfach die Tat eines fies entstellten Psychopathen und einer Drogenabhängigen. Wobei ich mich frage, wieso Madeleines Mutter Betty erschlägt. Aus Eifersucht? Um die Perversion von Georgie zu verbergen? Und wieso schneiden sie sie in der Mitte durch und entnehmen ihr die Eingeweide? Und entstellen ihr Gesicht? Nur so?
  • Als Georgie Lee ermorden will, wieso mischt Madeleine sich da überhaupt ein? Um Georgie und Lee auf einmal zu beseitigen?
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4 Antworten zu Filmkritik: The Black Dahlia

  1. Miss Sophie schreibt:

    Toll, jetzt hat es endlich geklappt mit dem Weiterlesen-Link. Hoffentlich habe ich jetzt nicht jemanden aus Versehen gespoilert.

  2. Sascha schreibt:

    Hmm, das klingt wirklich nicht sehr überragend. Das Buch fand ich eigentlich ganz spannend, aber DePalma scheint mit seinen neuen Filmen nicht an seinen alten Klassiker ranzukommen. Meines Erachtens nach ist Body Double sein bester Film.
    Und Josh Hartnett als sauharter Bulle ? Grundgütiger, wer war denn für das Casting verantworlich ? Stevie Wonder ?
    Josh Hartnett ist sowas von einem Luschenschauspieler, am besten noch er, Owen Wilson und Sean William Scott in einem Film. *insert unartikulierte laute*

  3. Miss Sophie schreibt:

    An sich ist das auch genau meine Einstellung zu Mr. Hartnett. Ist für mich auch ein typischer Teenie-Darsteller, bei dem ich zuerst immer an „Pearl Harbour“ denken muß. Auch so ein ganz mieser Film. Und dann immer dieser Dackelblick… Aber er war jetzt gar nicht sooo schlecht, seine Rolle war auch eher die etwas nachdenklichere von den beiden Cops. Aber als er sich diesen Hut aufgesetzt hat, tzz, tzz, tzz.

    Das Buch ist bestimmt spannend, aber ich hab das Gefühl, daß wirklich alle Handlungsstränge aus dem Buch irgendwie mit rein in den Film sollten. Dadurch geht es aber ziemlich holterdipolter ab und zu.

    Ein Blick auf die ImdB zeigt, daß ich längst nicht alle Filme von De Palma kenne. Ich finde „Die Unbestechlichen“ aber einen echten Klassiker. Da ist die Ausstattung auch wunderbar, aber zusätzlich eine schöne Story.

  4. pinkbuddha schreibt:

    Ich werde ihn mir dann wohl mal irgendwann auf DVD ansehen. Dafür lohnt sich der Kinobesuch ja scheinbar nicht… Aber ich mag Scarlett Johansson, deshalb werde ich mir den Film doch ansehen. Schön, dass sie wenigstens schlechte Haut hat. 😉

    Josh Hartnett – da bin ich auch kein Freund von. Aber in „Lucky Number Slevin“, da war er wirklich gut.

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