Abnabelungsprozeß

Heute war mein letzter offizieller Tag an meiner ehemaligen alma mater. Meinen geneigten altphilologisch gebildeten Lesern muß ich natürlich nicht sagen, daß das „nährende Mutter“ heißt und sich in meinem Fall auf die Uni Hamburg bezieht. Wahrscheinlich ist aber weniger das Mensahappi, mit dem ich fünf Jahre lang beglückt wurde, gemeint, sondern das Wissen, mit dem ich genährt wurde. Aber, wie das so ist, irgendwann sollte man den Absprung schaffen – und sei es nur der zu einer anderen Uni. Letztendlich entschloß sich meine Ersatzmama sogar selbst, den ersten Schritt zu tun, und warf mich letzte Woche einfach so raus. Aus dem banalen Grund, daß ich dieses Semester nicht mehr immatrikuliert sein wollte und einfach nicht gezahlt hatte. Daß dies dann aber als offizieller Grund der Beendigung unserer Beziehung angegeben wurde, gefiel mir irgendwie nicht so gut. Schließlich hatte ich in der Zwischenzeit, mit dem Wissen meiner alma mater bis zum Rand befüllt, mein Studium erfolgreich beendet. Also ging es ein letztes Mal zum Zentrum für Studierende, um mir dort ein sogenanntes „Exmatrikel“ abzuholen. Ein hingekritzelter handschriftlicher Vermerk reichte dann, um eine fünfjährige Beziehung zu beenden. Für eine wischartige Bestätigung derselben mußten dann noch mal 10 Euro bezahlt werden! Hmm, ist das Eifersucht auf meine neue Mama in Göttingen, die diesen Wisch gerne haben möchte, bevor sie mich an ihre Brust drücken will?

Da dieser Behördengang schneller erledigt werden konnte als gedacht, blieb noch etwas Zeit bis die Bahn fuhr, um in stillem Gedenken Abschied zu nehmen und kurz zur Stabi zu töffeln. Als mir dort tatsächlich zum ca. fünfhundertsten Mal der Irre mit den langen Haaren und der knallgelben Regenjacke (Hamburger Wiwis werden ihn kennen) und kurze Zeit später ein noch verwirrterer Zeitgenosse über den Weg liefen, sah ich ein, daß zu langes Verweilen an Unis wohl doch Gefahren birgt. Aber wieso gibt es in Hamburg im Cafe in der Stabi einen „Chai-Tee-Automaten“? Den habe ich an meiner neuen Provinz-Uni noch nicht erblicken können…

Und mal was ganz anderes: Wieso fahren in den Göttinger Bussen eigentlich immer mindestens drei Busfahrer? Also einer, der wirklich hinter dem Steuer sitzt und lenkt und so, und ein bis zwei andere, die einfach neben dem Busfahrer ganz vorne stehen und meistens den Weg zu ihm versperren, wenn man sich eine Karte kaufen möchte. Langweilen die sich sonst zu Hause? Passen die auf, daß keiner randaliert? Oder hat das am Ende einfach keinen Sinn?

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6 Antworten zu Abnabelungsprozeß

  1. kreuzberger schreibt:

    Das Ende eines Studiums ist wohl nur an ganz wenigen deutschen Unis besonders feierlich. Ich hab mein Diplom und die Exmatrikulation per Post bekommen – Du hattest immerhin noch menschlichen Kontakt. 😉

    Die anderen Busfahrer wollen bestimmt nur zur Arbeit fahren oder wieder zurück nach Hause. Und da sich in kleinen Städten eben alle kennen, wird das gleich mit einem kleinen Kollegen-Klönschnack verbunden.

  2. Miss Sophie schreibt:

    Vielleicht führt ja die Linie, die ich meistens nehme, ausgerechnet zum zentralen Bus-Depot oder so. Und ich fahre immer gerade zum Schichtwechsel. Und es gibt sowieso irre viele Busfahrer in Göttingen. Aber in Hamburg, wo es doch viel mehr Busfahrer gibt, ist mir das noch nie aufgefallen…
    Immerhin gibt es im Februar noch eine Absolventenfeier, bei der ich meine Urkunde feierlich überreicht kriege 🙂

  3. kreuzberger schreibt:

    In Großstädten ziehen die Busfahrer ihre Uniform wahrscheinlich nur am Steuer an, damit sie in der Öffentlichkeit nicht erkannt und angepöbelt werden. Zumindest hab ich am Sonntag einen entsprechenden Artikel über Berlin gelesen. 😦

    Absolventenfeier wurde an meiner Berliner Uni mittlerweile auch eingeführt, glaube ich zumindest. Aber immerhin bekomme ich noch regelmäßig die Alumni-Post. 🙂

  4. pinkbuddha schreibt:

    Absolventenfeier, das ist doch toll!

    Da ist wohl doch noch ein bisschen Wehmut aufgekommen, was? Tja… Melancholie ist doch eines der schönsten Gefühle, sofern man ein wenig selbstquälerische Tendenzen hat so wie es das ja bei manchen Menschen geben soll…

    Busfahren hasse ich übrigens. Das mach ich nicht. Da weiß man nie, wo der anhält. Und wann der fährt. Ich neige dazu, Öffis in die falsche Richtung o.ä. zu nehmen, deshalb sind Busse das allerschlimmste für mich. Nicht mal ordentliche Fahrpläne hängen da aus, oder aber ich bin zu doof, die zu lesen. Bahnfahren ist ja schon eine Zumutung!

  5. Miss Sophie schreibt:

    Ja, ein bißchen neige ich durchaus zur Melancholie und finde das eigentlich auch ein ganz nettes kleines Gefühl.

    In die falsche Richtung zu fahren ist wirklich schneller passiert als man denkt. Und da es in Göttingen so viele Einbahnstraßen gibt, verschärft sich das Problem noch, weil die Busse in die eine Richtung ganz andere Haltestellen anfahren als die gleiche Linie in die andere Richtung. Man muß also beim Plan immer darauf achten, daß man auch auf die richtige Richtung guckt. An den Haltestellen selber hängen dann nur so totale Mist-Pläne, wo man erstmal ewig suchen muß, eh man seine eigene Haltestelle, also die, an der man gerade steht, gefunden hat. Echt nicht toll.

    Ich bin beharrlich, selbst wenn die Busfahrer in Hamburg keine Dienstklamotten anhaben – sie scheinen dann auch nicht mit den anderen Fahrern zu quatschen, denn man sieht da einfach weitaus seltener vorne Leutchen rumhängen. Aber vielleicht ist auch das nur Teil der Tarnung auf dem Weg zum Busdepot. Und Hamburg ist ja auch größer, da kennt man sich nicht so…

  6. thomas schreibt:

    Das ist wohl wieder einer der Momente, in denen ich mich frage, ob es wirklich so schlecht ist in einem Dorf wie Ansbach zu studieren. Immerhin gibt es hier eine Absolventenfeier und man hat auch menschlichen Kontakt und einen feuchten Händedruck, wenn man sein Diplom im Studentenamt abholt. Allerdings habe ich so das Gefühl, die wollen sich einfach nur das Porto sparen und lassen lieber die Studenten aus ganz Deutschland noch mal anreisen. Aber warum auch nicht, so kann man der Alma mater eben noch Mal ganz persönlich Adieu sagen.

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