Filmkritik: Der letzte Kuss

Der letzte KussInhalt: Als Michael (Zach Braff) sich mit 12 Jahren vorgestellt hat, wie es wohl wäre, 30 zu sein, sah das ungefähr so aus: Immer noch mit den Jungs von früher rumhängen, ein cooler Job und eine tolle hübsche Freundin, die man heiratet und mit der man Kinder kriegt. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zur magischen Dreißig und alles schien genau so gelaufen zu sein, wie es sollte. Oder sollte es dann lieber doch nicht?

Gerade hat ihm seine Freundin Jenna (Jacinda Barrett) verkündet, daß sie schwanger ist und Hauskauf und Heirat rücken in greifbare und bedrohliche Nähe. Da macht sich auf einer Hochzeit die sehr junge und sehr attraktive Kim (Rachel Bilson) an ihn heran. Sie ist hartnäckig und sehr an ihm interessiert. Michael muß natürlich wissen, wohin das ganze führt, läßt sich aber zu Treffen mit der quirligen Studentin überreden. Natürlich kann die Sache nicht gutgehen. Aber Michael ist nicht der einzige, der Beziehungsprobleme hat. Seinen drei Kumpeln geht es nicht besser: Sie suchen entweder nur One-Night-Stands, kommen nicht darüber hinweg, daß ihre letzte Freundin mit ihnen Schluß gemacht hat, oder kriegen das Familienleben mit Frau und Baby einfach nicht auf die Reihe. Und sogar bei Jennas Eltern, die seit dreißig Jahren verheiratet sind, kriselt es auf einmal.

Kritik: Tja, Kinowochen im Hause Miss Sophie. Am Freitag erst in Scoop und Samstag schon wieder im Kino. Dabei befürchte ich, daß hier in Göttingen das Leben etwas an mir vorbeizieht. Vom Kinostart dieses Films hatte ich überhaupt nichts mitbekommen. Erst heute sah ich zufällig einen Trailer im Fernsehen und man kann nur hoffen, daß genüged Zuschauer den Weg in diesen schönen kleinen Film finden.

„Der letzte Kuss“ ist ein Remake eines italienischen gleichnamigen (nur eben italienisch-namigen) Films, den aber wohl niemand gesehen hat. Ich zumindestens nicht, also verkneifen wir uns mal den üblichen Europäischer-Film-und-Amerikanisches-Remake-kann-sowieso-nicht-gutgehen-Spruch. Der Film ist bei weitem kein Hollywood-Kino, eher ein kleiner Ensemblefilm mit tollen Darstellern. Zach Braff dürfte entweder aus „Scrubs“ oder „Garden State“ bekannt sein, wobei ich weder Serie noch Film wirklich kenne, aber spontan beschlossen habe, dies bei Gelegenheit nachzuholen.

Er und seine Freunde sind typische (vielleicht auch stereotypische) Vertreter der Generation Um-die-Dreißig, die natürlich eigentlich schon längst erwachsen ist, dies aber noch nicht wirklich wahrhaben will. In gewisser Hinsicht ist es ein Coming-of-Age-Film, nur eben ein bißchen verspätet. Zwei der vier Jungs versuchen dann auch, mit einem Wohnmobil abzuhauen, während die anderen beiden schon in einer ziemlich erwachsenen Beziehung stecken, aber nicht so recht wissen, was sie wollen. Entscheidungen müssen getroffen werden, aber damit haben die Jungs ganz gewaltige Probleme.

Dabei werden alle Figuren mit ihren Motivationen sehr gut dargestellt, insbesondere durch den Hauptdarsteller, aber auch vor allem durch Blythe Danner (übrigens Mutter von Gwyneth Paltrow) und Tom Wilkinson, die Jennas Eltern darstellen und sehr glaubhaft zeigen, daß man auch nach 30 Jahren Ehe ganz ähnliche Probleme haben kann wie in einer dreijährigen Beziehung. Obwohl es ganz kräftig um Beziehungsprobleme geht, herrscht den ganzen Film über ein heiterer Grundton, der auch anstrengendere Einstellungen erträglich macht. So kann sich der Zuschauer mit Michael identifizieren, der zwar natürlich das falsche macht, aber dies später immerhin einsieht. Sicherlich gibt es ernsthaftere und problemorientiertere Filme zu Beziehungskisten, aber wenige, die so viel Spaß machen und dabei gleichzeitig sehr schöne und auch sehr wahre Dialoge enthalten.

Nebenbei bemerkt auch eine sehr gute Empfehlung, wenn man in einer etwas größeren Gruppe ins Kino geht, da bei Verlassen des Kinosaals reichlich Diskussionspotenzial vorhanden sein dürfte („Sind Männer wirklich so?“). Wer nun noch zweifelt, ob der Kinokartenkauf lohnt, dürfte übrigens spätestens durch den sensationell guten Soundtrack (sehr Richtung Snow Patrol und Coldplay gehend) überzeugt sein.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Filmkritik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Antworten zu Filmkritik: Der letzte Kuss

  1. Ratilius schreibt:

    Bist in der Tat eine fleissige Kinogängerin!

    Der Titel erinnert mich an ein starkes Lied von den Toten Hosen.

  2. Miss Sophie schreibt:

    Wenn man in einer kleineren Stadt wohnt und noch dazu in Gehweite zum Cinemaxx (ca. 15 Minuten Fußweg, mit dem Rad natürlich noch schneller), wirkt sich das schon positiv aus. Außerdem komme ich als Immer-noch-Studentin ja sogar ins Cinemaxx recht presiwert rein. Früher mußte ich bis zum nächsten Kino 20 Minuten mit dem Auto fahren, bis zum nächsten Cinemaxx sogar 45. Da überlegt man es sich natürlich zwei Mal, ob man loseiert.

  3. thomas schreibt:

    „Wenn man in einer kleineren Stadt wohnt und noch dazu in Gehweite zum Cinemaxx …“, so was kann wohl nur eine Hamburgerin sagen. Als jemand der in einer Klein-Kleinstadt aufgewachsen und in einer kleineren Stadt studiert hat, kann ich dir versichern, dort gibt es kein Cinemaxx. Aber immerhin ein Kino, wenn auch mit recht eingeschränktem Angebot, so dass ich in gut einer Stunde deinen letzten Filmtipp mal aufnehmen werde und mir „Scoop“ ansehe.

  4. Miss Sophie schreibt:

    In gewisser Hinsicht sehe ich mich tatsächlich als Großstädterin, obwohl ich eben eigentlich eine Dorf-Deern bin (weil Hamburger Randbezirk). Ich mußte mir auch recht mühsam abgewöhnen, Göttingen als „Kleinstadt“ zu bezeichnen, was wohl rein definitorisch nicht der Fall ist. Ich verstehe unter „Stadt“ bloß etwas anderes. Das soll natürlich keine Beleidigung sein.

    Viel Spaß bei Scoop, ich freu mich schon auf Deine Kritik!

  5. pinkbuddha schreibt:

    Scoop hat bei mir auch allererste Priorität, weil ich mich eigentlich auf den neuen Zach-Braff-Film gefreut hatte, jetzt aber durch deine Kritik realisiert habe, dass ich eigentlich genug Leute kenne, die langsam auf die dreißig zugehen und das beängstigend finden und darüber jammern… Sagt mir inhaltlich irgendwie nicht ganz so zu. Ist aber bestimmt ein guter Film…. Ich werd mal sehen, vielleicht ergibt sich was, ansonsten werde ich ihn wohl eher auf DVD ansehen.

  6. Miss Sophie schreibt:

    Das ist in der Tat ein Argument gegen den Film. Das sind natürlich alles so Problemchen, wo man sich auch echt sagen kann: „Wenn man sonst keine Sorgen hat…“ Ansonsten ist der Film aber wirklich witzig gemacht und man schließt Michael und seine Kumpel schon irgendwie ins Herz. Aber es ist auch kein Film, den man jetzt auf der großen Leinwand gesehen haben muß. Das gilt für Scoop allerdings auch nicht so unbedingt.

  7. pinkbuddha schreibt:

    Aber die Sorgen, die man eigentlich nicht haben muss, sind ja auch die, denen man auf eine verschrobene Art noch etwas abgewinnen kann. Man ist deprimiert und weiß währenddessen, dass es Luxus ist, wegen solcher Sachen deprimiert zu sein. Dekadenz.

    Es gibt ja so klassische Filme, die man „auf der großen Leinwand“ gesehen haben muss, vor allem wenn es um visuelle Besonderheiten geht. Bei „Brokeback Mountain“ z. B. habe ich das auch so gedacht. Aber ich finde, einen Kinobesuch macht noch mehr aus als nur die „große Leinwand“. Deshalb möchte ich manche Filme im Kino sehen, obwohl man sie natürlich genauso gut auf DVD sehen kann. Z. B. Scoop. 🙂

  8. Miss Sophie schreibt:

    Jepp, einige Filme brauchen eben einen angemessenen Rahmen. Ich würde übrigens supergerne mal „Lawrence von Arabien“ im Kino sehen, aber habe den nie bei „Play it again“ im Abaton gesehen und hier in Göttingen gibt es leider kein Kino, das regelmäßig ältere Filme spielt. Finde ich schade.

  9. bullion schreibt:

    Gestern auch endlich gesehen. Hat mir auch wirklich gut gefallen. Die angesprochenen Problemchen der Leute die auf die 30 zugehen, kann ich sogar ziemlich gut nachvollziehen. Zumindest die Gedanken, nicht die Konsequenzen, die sich im Film daraus ergeben.

    Meine Kritik kommt später, muss mich jetzt leider raus in das Schmuddelwetter begeben.

  10. Martin schreibt:

    Ich bin auch sehr gespannt ob der Film hält was er mir zu versprechen scheint. Mit meinen 27 bin ich jedenfalls mal wieder Zielgruppe. Das ist ein bisschen erfrischend :=)

    Mal sehen wann ich die Zeit finde. So enttäuschend kann ein Film mit Zach Braff einfach nicht sein … hoffentlich.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s