Filmkritik: Casino Royale – Bond 21

james.jpgInhalt: Kaum Doppelnullstatus und schon untendurch bei der Chefin: Mit dem Hochjagen einer Botschaft in Afrika und der Tötung eines Bombenlegers auf Botschaftsgelände ist James Bond (Daniel Craig) nicht gerade ein guter Einstand gelungen. Aber der Bombenleger führt James auf die Spur des international arbeitenden Untergrund-Privat-Bankiers Le Chiffre (Mads Mikkelsen), der insbesondere beste Kontakte zu terroristischen Kreisen besitzt. Durch von ihm inszenierte Anschläge manipuliert er die Börse zu seinen Gunsten. Als sein letzter Coup mißlingt und ihm seine „Anleger“ im Nacken sitzen, versucht er, durch ein Pokerturnier wieder zu Barem zu kommen. Eine perfekte Gelegenheit für James, um ihm das Handwerk zu legen.

Kritik: Der gute Daniel Craig hatte es wirklich nicht leicht, seitdem herauskam, daß er der Nachfolger von Pierce Brosnan in der Rolle des berühmtesten Agenten der Filmgeschichte sein würde. Kann 007 blond sein? Aber die Kritiker verstummten nahezu einhellig, bislang konnte ich ausnahmslos nur Positives lesen und „Rotten tomatoes“ verzeichnet außergewöhnliche „94% fresh“. Aber zunächst zum Film an sich. „Casino Royale“ ist der erste Roman von Ian Fleming, der ja weitestegehend die Grundlagen zu allen Bondfilmen lieferte. Während die Filme mit „James Bond jagt Dr. No“ starteten, in dem 007 mehr oder weniger der Spion, der aus dem Nichts kam, ist, wird in Casino Royale auch ein wenig Information über die Geschehnisse gegeben, die James Bond zu dem machten, was er ist. Ein kompletter Neustart also, nachdem man nach den eher schwachen letzten Bonds wohl festgestellt hatte, daß man irgendwie in einer Sackgasse angekommen war.

So wurde auf einige Details verzichtet, die nur noch formelhaft zu den Bonds gehörten, z.B. die technikverliebten Auftritte von Q. Auch an den (ja immer hart an der Altersfreigabegrenze bleibenden) Sexszenen wurde kräftig gespart, stattdessen mehr Wert auf „handgemachte“ Action und etwas mehr Charakter beim aktuellen Bond-Girl Vesper Lynd (gespielt von Eva Green) gelegt. Bond zeigt erstaunlich viele Gefühle und kurz vor Schluß wird der treue Bond-Fan vielleicht etwas verstimmt, weil alles ziemlich in Blümchenkaffee umzukippen scheint. Es sei versichert: Keine Sorge, das Ende ist alles andere als enttäuschend. Vielmehr wurde hier wirklich ein Grundstein gelegt, der schon sehr gespannt auf den weiteren Verlauf der Serie macht.

Und nun noch einmal zu Daniel Craig. Ein kurzer Griff in meine Bibliothek, die zufällig ca. 5 Biographien über Sean Connery umfaßt, förderte zu Tage, was dem Ur-James damals seine Rolle bescherte. Beim Vorsprechen war er gar nicht so überzeugend, doch die Produzenten Saltzman und Broccoli beobachteten Connery, wie er nach dem Casting das Gebäude verließ und die Straße überquerte: „Broccoli meinte, es sei wahr, er bewege sich sehr gut, wie ein Panther. Später benutzte er einen anderen Vergleich und sagte, der Unterschied zwischen Connery und anderen Schauspielern sei wie der zwischen einem Foto und einem Film.“ Nicht nur in diesem Sinne ist Craig ein absolut würdiger Nachfolger von Connery. Wie dieser spielt er wirklich mit dem ganzen Körper und besitzt eine Ausstrahlung, in der sich Wachheit, Gefährlichkeit und Sex-Appeal mischen.

Insgesamt ein überzeugendes, schnörkelloses und spannendes Debut, das Lust auf mehr macht. Die einzige negative Anmerkung von mir würde darin liegen, daß der Film mit 144 Minuten vielleicht etwas länglich geraten ist. Trotzdem: Anschauen!

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11 Antworten zu Filmkritik: Casino Royale – Bond 21

  1. pinkbuddha schreibt:

    Hm, ich belasse es erst einmal dabei, nur das Fazit zu lesen… Gebe heute abend meinen „qualifizierten“ Kommentar ab. 😉

  2. Miss Sophie schreibt:

    Dann viel Spaß beim Film, wird Dir bestimmt gefallen!

  3. Annkari schreibt:

    Als Kind habe ich die Bond-Filme immer sehr gerne mit meinem Vater zusammen im Fernsehen geguckt. Später bin ich dann dafür ins Kino gegangen, in den letzten Jahren allerdings nicht mehr, weil mir die Geschichten einfach zu plump wurden.

    Deine Filmkritik motiviert mich jetzt aber doch, dem aktuellen Bond noch eine Chance zu geben. Vielleicht nehme ich sogar meinen Papa mit ins Kino.

  4. Miss Sophie schreibt:

    Genau so war es bei mir auch, mein Papa ist ein vorzüglicher Bond-Mitseher.

    Die Geschichte ist bei „Casino Royale“ zum einen etwas verständlicher (bei diesen ganzen Waffenschieber-Geschichten bin ich immer ziemlich in dn Tütel gekommen und die Drehbuchschreiber bestimmt auch ab und zu) und legt zum anderen mehr Wert auf den Charakter von James Bond und Vesper Lynd – also eine deutliche Verbesserung. Gefällt bestimmt auch Deinem Papa, 😉

  5. bullion schreibt:

    Bin seit Brosnan leider überhaupt kein Bond-Freund mehr. Dafür hege ich auch Erinnerungen an schöne kindliche Fernsehabende mit der Doppelnull. Vielleicht sollte ich Craig ja doch einmal eine Chance geben…

  6. Miss Sophie schreibt:

    Im Vergleich zu Brosnan gefällt mir Craig deutlich besser. Brosnan war mir immer einen Tick zu glatt. Craig hat etwas Ungeschliffenes an sich, ist irgendwie animalischer. Ich bin ja nicht die einzige, die meint, er hält dem Vergleich mit Connery stand, also solltest Du ihm wirklich eine Chance geben.

    Das ist echt ulkig, daß wir alle so Kindheitserinnerungen an 007 haben. Paßte zeitlich ja auch ganz gut mit den Moore-Bonds, die sowieso eher in den Bereich Familienunterhaltung einzusortieren sind, meiner Meinung nach.

  7. pinkbuddha schreibt:

    Ja, das hat mal richtig Spaß gemacht. Und mir kam er auch gar nicht zu lang vor. Allerdings hat mich Daniel Craig als James Bond noch nicht so hundert Prozent überzeugt…

  8. Christian schreibt:

    Das war kein Bond, sondern eine Katastrophe. Eine hanebüchene Story mit höchst mittelmäßigen Schauspielern an seltsamen Orten lieblos abgefilmt – da hat das ZDF schon spannendere Rosamunde-Pilcher-Filmchen produziert. Daniel Craig ist eine glatte Fehlbesetzung, gegen den selbst Timothy Dalton wie eine Inkarnation des echten James Bond wirkt. Schade um die Zeit!

  9. Hermann Marck schreibt:

    Also ernsthaft, dieser Film ist einfach übel, schlecht, schwach – was auch immer, aber ein echter Fehlstart. Am besten hats bisher der Menze zusammengefasst:

    „Ein bemerkenswerter Landschaftsfilm, wunderbare 70er Jahre Super8 Ästhethik. Aber leider ist die Handlung genauso verworren und abgehackt, als ob ein betrunkener Dramaturg einen Zusammenschnitt von Lieschen Müllers Urlaubsvideos „Venedig 79″ versucht hätte. Einfach grottig.“

    (Andreas Menze in: „Eidgenossen im Bilde“ #4, 2006)

    Noch fragen?

  10. Miss Sophie schreibt:

    Langsam glaube ich, daß verschiedene Kopien von dem Film im Umlauf sind. Abgesehen davon, daß ich mir Bond-Filme nicht unbedingt wegen einer superschlüssigen Story ansehe, fand ich die aktuelle überdurchschnittlich gut nachvollziehbar. Da war man von den letzten Filmen mit Brosnan doch wirklich verwirrendere Plots gewöhnt.

    Vielleicht ist bei den Eidgenossen nur eine geschnittene Version angekommen ;-)?

  11. Pingback: Filmkritik: “Ein Quantum Trost” « Miss Sophies Blog

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