Warum ich Neujahr sogar noch blöder finde als Sylvester und meine Eltern langsam durchdrehen

Zuerst: Sylvester schreibt man nicht mit „y“. Aber es ist mir mittlerweile zur liebenswerten Unart geworden, also bitte ich den geneigten Leser, mir meine Privat-Orthographie zu verzeihen. Fernab jeglicher Parties habe ich gestern einen netten Abend verbracht, unglaublich viel Raclette gefuttert, ein paar Knallerbsen geworfen (total unterschätzt, die Knallerbse an sich) und bin auch wieder heil nach Hause gekommen. Man kann aus Sylvester also durchaus was machen.

Aus Neujahr nicht. Wo bitte ist denn der Sinn, das Jahr mit einem blöden Feiertag beginnen zu lassen? Natürlich ist die halbe Welt verkatert, aber dann soll sie eben weniger trinken, oder man könnte wenigstens nur den Vormittag zum Feiertag machen. Feiervormittag sozusagen. All die tollen Vorsätze, die man hat, kann man so schließlich viel schlechter umsetzen. Man möchte fleißiger bei der Arbeit sein, weniger Emails schreiben und surfen? Wie denn, wenn man gar nicht arbeiten kann. Mit dem Rauchen aufhören? Die Nicorette-Pflaster hat man sich hoffentlich schon vorher besorgt. Sich mehr Zeit zum Lesen nehmen? Braucht man Buch, also Buchhandlung. Natürlich könnte man sich das alles schon im alten Jahr überlegen, aber ich bleibe dabei: Neujahr ist ein blöder Feiertag.

Zweitens, warum meine Eltern langsam durchdrehen. Wie man sich vielleicht erinnert, erhielt ich ja von meiner Schwester zu Weihnachten ein Foto meiner Nichte, fertig gerahmt, zum Aufstellen. Nun ja, es blieb erstmal in der „guten Stube“ meiner Eltern, in der Weihnachten gefeiert wurde, stehen. Und natürlich waren meine Eltern gleich furchtbar neidisch und wollten genau das gleiche Bild. Schon eine Woche später hielten sie einen normalen und einen vollkommen überdimensionierten Abzug der Aufnahme in den Händen. Ich nahm das mal als Anlaß, um eine kurze Inventur (passend zum Datum) bei meinen Altvorderen zu machen. Es finden sich

  • in der Küche: Ein Fotoaufsteller mit Bildern von Enkel und Enkelin + Fotos von Enkelin davor drapiert + 2 Fotokalender (warum haben sie einen neuen bekommen, wenn sie den alten eh weiterbenutzen?)
  • in der „guten Stube“: das Riesenbild, auf dem Tisch aufgestellt + das mir geschenkte Bild
  • im Flur oben: ein Foto auf einer Kommode
  • in der „Alltags-Stube“ oben: Ein Fotoaufsteller mit Bildern von Enkel und Enkelin + Danksagungskarte von der Geburt des Enkels + ein Bild von der Enkelin + ein Foto angelehnt
  • Schlafzimmer: 2 gerahmte Fotos
  • Badezimmer: (es macht nirgends halt…) Ein Bild an die Dusche geklebt.

Als fotofreie Räume ergeben sich damit nur Flur (unten), Gästeklo (erstaunlich), Abstellraum und ein weiteres Zimmer, das ebenfalls eher Abstellfunktion hat.

Kann mir einer sagen, ob das noch normal ist?

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20 Antworten zu Warum ich Neujahr sogar noch blöder finde als Sylvester und meine Eltern langsam durchdrehen

  1. pinkbuddha schreibt:

    Das mit den Fotos ist ganz normal. Außer in der Dusche. Falls es mir zusteht, Normalität beurteilen zu dürfen…

    Vorsätze an sich sind aber total bescheuert. Warum sollte man ausgerechnet jetzt einen Vorsatz nehmen (oder treffen? Was macht man mit einem Vorsatz?)? Ist doch Mist. Kann man auch am 3. März oder am 15. Oktober machen. Änderungen kann man, wenn man denn will, doch immer umsetzen. Was sind denn deine guten Vorsätze? Die kannst du sogar mit einem Tag versehen! 😉

    Ich habe leider ja auch einen Kater, und bin dankbar, dass ich rumgammeln kann. Aber ich bin eigentlich meistens dankbar, wenn ich rumgammeln kann.

  2. Miss Sophie schreibt:

    Ne, ich hab auch keine guten Vorsätze. Die finde ich ja genau so blöd wie Neujahr. Ich wollte nur möglichst viele Argumente finden.

    Ich gammele ab und zu auch ganz gerne rum, aber bitte mit der Option, aufstehen zu können, und irgendwas zu machen. Insbesondere Shopping.

  3. Miss Sophie schreibt:

    Ich dachte mir schon, daß die Dusche grenzwertig ist.

  4. pinkbuddha schreibt:

    Sehr schön, unzutreffende Argumente zur Untermauerung von schlechter Laune sind unschlagbar. Das ist besonders hohe Kunst in Sachen Rhetorik…

  5. Miss Sophie schreibt:

    Meine Laune konnte durch eine heiße Schokolade und zwei Kinder PINGUI etwas gebessert werden. Leider hat sie nun einen kleinen Dämpfer erfahren, da ich mich schon den ganzen Tag auf den „Der Doktor und das liebe Vieh“-Film gefreut habe und nun sehen muß, daß es nicht die gleichen Schauspieler wie in der Serie sind. Doof.

  6. pinkbuddha schreibt:

    Die Serie fand ich auch immer cool, habe sie aber nie konsequent verfolgt. Es war alles so schön englisch! Der Doktor und die Leute und die Klamotten und der Tee! 🙂

  7. Miss Sophie schreibt:

    Ich kenne wahrscheinlich auch nicht alle Folgen, und eigentlich sind auch nur die allerersten wirklich gut. Irgendwann gab es eine neue Helen (die Freundin / Frau vom jungen Tierarzt) und mit der bin ich nie richtig warm geworden.
    Aber jetzt ist auf einmal Anthony Hopkins Siegfried und die anderen Schauspieler kenne ich gar nicht. Aber der Film ist trotzdem ganz nett anzuschauen.

  8. pinkbuddha schreibt:

    Anthony Hopkins? Hm…

    Mit Fernseher ist der Film sicherlich hervorragend anzusehen…

  9. Miss Sophie schreibt:

    Ja, man verpaßt aber auch nicht wirklich was 😉

  10. Inishmore schreibt:

    Was ich noch schlimmer finde, ist ja dieses penetrante „Prost Neujahr“, das einem die nächsten Tagen nachgerufen werden wird. Ich sag dann immer zwanghaft fröhlich „dir auch“ und denke mir „du mich auch“.
    Ich muss nur aufpassen, dass ich das nicht eines Tages verwechsele.

  11. Miss Sophie schreibt:

    Meine Mutter hat das heute morgen auch gleich geflötet. Ich habe ja nichts gegen ein normal gewünschtes „Frohes neues Jahr“ in den ersten paar Januartagen, aber sämtliche Verballhornungen wie insbesondere „Frohes neues!“ (also ohne „Jahr“) ändern diese Einstellung sofort.

  12. Frau awa schreibt:

    Zu der Zeit, als mir noch gar keine Bilder irgendwelcher Art an die Wand kamen, fand ich solche Galerien auch immer sehr spießig … und dann kam das erste Kind, es begann, künstlerisch wertvoll zu werkeln, die Produkte landete zur Stärkung seines Selbstbewusstseins an der der Wand und daneben Vergrößerungen von Fotos, die mir gelungen erschienen … von diesen gelangten mehr und mehr an die Wand und heute möchte ich sie nicht mehr missen … genauso wie die Freude, die eben jenes Kind zeigt, wenn zum Jahreswechsel geknallt werden darf … es sit die Sichtweise, die ein Ereignis schön macht … finde ich … 😉

  13. henriette schreibt:

    Das mit den Fotos IST normal, aber weird. Bei meinen Eltern finden sich auf Fotos auch nur noch meine Schwestern mit ihrem offspring auf dem Arm, Enkel allein, Enkel auf Dreirad, Enkel auf Hocker, Enkel lachend, schlafend……. und darüberhinaus wird das Haus so langsam zu einem einzigen Spielplatz 🙂 Ich wurde enteignet, d. h. eine meiner Puppen gehört jetzt Enkelin 1 (thank you for at least telling me…) Im Garten wurde jüngst eine Riesendoppelschaukel installiert, es gibt einen Kinderpool etc, etc. Die Garage füllt sich mit Rollern und Fahrrädern (und da kann man dann gleich wieder neue Fotos machen – Enkel auf Fahrrad) Und die lieben Kleinen wohnen noch nicht mal in derselben Stadt! Da müssen wir durch! 🙂

  14. henriette schreibt:

    Ach so – und Neujahr finde ich absolut unnötig! Utterly boooooring indeed.

  15. Miss Sophie schreibt:

    Oh Mann, da bin ich aber wirklich beruhigt. Bei meinen Eltern sieht es in der Tat auch ziemlich nach Spielwarenladen aus. Überall Legosteinchen, Bällchen und bei mir parkt normalerweise das Bobby-Car. Und Opa arbeitet bereits an den Plänen für eine selbstgebastelte Schaukel.

  16. pinkbuddha schreibt:

    Man wird nicht nur enteignet, sondern die lieben Kleinen zerstören auch das Spielzeug, das man selbst früher geliebt hat. Meine Benetton-Barbie zum Beispiel (Benetton-Barbies waren DER Knaller in meiner Kindheit, obwohl, so klein war ich da nicht mehr, weil ich sehr spät Barbies gut fand und daher nur zwei davon habe, aber egal): Kopf haben sie abgerissen – und das war mein harmloser Neffe. Der etwas rabiatere hat meine Bonbonière runtergeschmissen, die ich zur Konfirmation bekommen habe. Und von den ganzen kleinen Playmobil-Teilen von Zäunen über Sättel bis Pferdebeine wollen wir gar nicht erst reden! Blöderweise kann man von den eigenen Geschwistern keinen Schadenersatz verlangen…

  17. Miss Sophie schreibt:

    Wenn Spielzeug einen neuen Besitzer findet, finde ich das ja irgendwie schön. Ich muß dann an „Toy Story 2“ denken und abgelegtes Spielzeug macht mich irgendwie traurig. Aber kaputtes Spielzeug macht mich irgendwie noch trauriger.

    Ja, ich habe auch eine empfindsame Seite…

  18. pinkbuddha schreibt:

    Ich will, dass meins meins bleibt. 😉 Und das die Kinder mal lernen, das Eigentum anderer zu respektieren. Das lernen die sonst nämlich nicht.

    Die mit Fahrzeugen zugeparkte Garage kenne ich auch. Früher konnte ich die zweite Garagenseite nutzen… Man ist so was von schnell abserviert… 😉

  19. Miss Sophie schreibt:

    Und heute mußte ich meiner Nichte sabbriges, glibbriges Gelee von der Backe wischen und wieder in den Mund befördern. Auf Befehl von Oma. Bin ich die einzige, die Kindersabber irgendwie doch ein bißchen eklig findet?

  20. pinkbuddha schreibt:

    Nein. Ich musste denen auch schon mal die Nase putzen… Bäh. Und von Klogängen wollen wir gar nicht erst anfangen… Ich bin fast froh, dass sie jetzt schon größer sind, da entfallen die meisten ekligen Sachen. Dafür beherrschen sie eben andere Fiesheiten wie ironische Kommentare oder Nachäffen.

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