Live aus dem Katastrophengebiet

Da bin ich also, im Auge des Hurrikans. Vielleicht nicht ganz so windig wie auf dem Brocken, aber bis dahin ist es ja nicht weit.

Kinder wurden heute früher aus der Schule entlassen und sogar Firmen stellten es ihren Angestellten frei, bereits um 13 Uhr auszustempeln, um heil nach Hause zu kommen (und auch am nächsten Tag wieder munter schaffen zu können). An der Uni, wo man ja eigentlich mehr oder weniger kommen und gehen kann, wann man will, arbeitete man tapfer, wurde aber nach dem Mensaessen auch fast weggepustet. 45 Kilo + Mensahappigewicht mußten wirklich während eine Windböe ganz schön aufpassen, vorwärts statt rückwärts zu laufen. Mein Kollege überlegte, nächstes Mal für solche Fälle eine Leine mitzunehmen, die mir um den Bauch gebunden werden könnte. Guter Plan.

Auf dem Nachhauseweg kam ich auf dem Flur des Instituts an einer jungen Frau vorbei, ca. so groß wie ich, von normaler Statur. Ob ich jetzt mit dem Auto weiterwolle, fragte sie mich. Nö, mit dem Bus. Ja, ob ich da Glück haben würde, wisse sie nicht. Hmm? Sie käme gerade vom Bahnhof der komplett dicht wäre (Nebenbei bemerkt eine Fehlinformation: Nur der Fernverkehr ist eingestellt und laut bahn.de fahren auch alle ICE’s, bloß mit ansehnlichen Verspätungen. Nur ein Zug ist pünktlich: Der Metronom. So ein kleiner tapferer Zug. Ich hab ihn irgendwie gern. Egal.) Ich könnte ja mein Glück versuchen, aber sie hätte wenig Hoffnung. Pah! Papperlapapp! Tinnef! Ich also hinaus in den Sturm. Kein Sturm da. Ich ganz normal zur Bushaltestelle, nach einer Minute kommt ein Bus, zwei weitere Minuten bin ich an der Endbushaltestelle. Außer Regen nichts gewesen.

Insgeheim war ich enttäuscht. Extreme Wetterlagen bringen mich leicht in Hochstimmung. Man kriegt das Gefühl lebendig zu sein! Man selbst im Kampf mit den Naturgewalten! Und man kann seinen Großnichten und -neffen in fünfzig Jahren was erzählen. Und dann nur ein bißchen Regen. Man konnte keinen Schirm aufspannen, immerhin. Stattdessen habe ich ein Hütchen aufgesetzt, das irgendwie süß aussah. Ist sonst aber keinem aufgefallen. Egal.

Ein kleines Highlight gab es dann doch noch auf dem Bürgersteig zwischen Bushaltestelle und Wohnung: Eine Dachpfanne auf dem Gehweg! Toll! Wie im Fernsehen!

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9 Antworten zu Live aus dem Katastrophengebiet

  1. pinkbuddha schreibt:

    Hehe, so ähnlich ging es mir auch. Heute nachmittag um drei war es dunkel wie in der schwärzesten Nacht, dann der obligatorische Regen, wie seit drei Tagen oder so eben, und dann zwei, drei Blitze. Und dann hellte es auf. Als ich mich um halb 6 rauswagte, musste ich nicht im geringsten Angst haben, weggeweht zu werden… Keine Böen, nichts. Leichte Enttäuschung ob des ausgebliebenen Kicks, der ausgebliebenen Auseinandersetzung mit dem eigenen Überleben! Keine bange Frage, ob man es denn heil nach Hause schaffen würde… Meine Freundin meinte: „Vielleicht sind wir gerade im Auge des Sturms…“ Und so konnten wir uns noch eine Weile weitergruseln.

    Jetzt aber weht es ganz ordentlich, muss ich sagen, und wenn es so richtig an der Balkontür rüttelt, erschreckt man sich schon ganz ordentlich. Gott sei Dank bin ich auf Grippostad und totaaal müde….

  2. Miss Sophie schreibt:

    Hier rüttelt es noch nicht mal an der Tür…

    Ich dachte, Du wolltest Dich auf Grippostad-Entzug begeben?

  3. pinkbuddha schreibt:

    Ja, aber nur gestern für Jack. 😉 Ohne geht gar nicht. Entweder kann ich frei atmen und schlafe fast ein oder ich bin wach, aber krieg keine Luft… Heute im Büro hatte ich, glaube ich, Sekundenschlaf. Ich hab mich so erschrocken, als mich der Kollege ansprach…

  4. Miss Sophie schreibt:

    Dann natürlich lieber schlafen und atmen. Das seh ich auch so.

  5. pinkbuddha schreibt:

    Mist, ich wollte den Sturm gerade mit meinem MP3-Player aufzeichnen und hochladen, aber das geht ja gar nicht bei WordPress… Und auf Schnickschnack-Hochgelade hab ich keine Lust und so cool war die Aufnahme auch wieder nicht. Aber es stürmt wirklich beträchtlich. Wenn morgen früh mein Auto das einzige in der Straße wäre, auf das ein Baum gefallen ist, würde mich das nicht weiter erstaunen. Ist man gegen so was versichert oder tun die das mit höhere Gewalt ab?!

    Grippostad schockt eigentlich so gar nicht. Nächstes Mal probier ich was Neues. Wick DayMed oder so. Wenn es DayMed heißt, kann es ja eigentlich nicht so müde machen…

  6. Miss Sophie schreibt:

    Keine Ahnung. Mein Wägelchen steht brav im Carport. Hoffe ich zumindestens.

    Ich nehme immer gerne Aspirin Complex, das wirkt ganz gut. Kann man aber nicht unbedingt „schocken“ nennen.

  7. Inishmore schreibt:

    Hier stürmt es auch ganz nett. Aber nicht so schlimm wie befürchtet, mein Haus wird das überstehen. Mein Bruder hatte schon einen Abend mit Weltkriegsgeschichtenerzählen beim Rumhocken im Keller eingeplant. Bin ich nochmal davongekommen.

  8. Thomas W. schreibt:

    Einen Plural-Apostoph gibt es weder im Englischen noch im Deutschen. Daher bitte, bitte keine ICE’s. Ich hasse Apostrophe – am Besten die Taste überkleben, benötigt man im Deutschen sowieso fast nicht (außer bei „Thomas‘ Ratschläge“)!

  9. Miss Sophie schreibt:

    „Thomas‘ Ratschläge“ brauche ich aber nicht.

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