Queen of the Nutzlosigkeit

Löwenzahn hat mir ein Stöckchen zugeworfen: Zehn Dinge, die ich äußerst gut kann, die bei Lichte betrachtet aber eigentlich nutzlos sind. Nutzlosigkeit ist eigentlich ziemlich subjektiv, ist das schon mal wem aufgefallen? Es geht los:

  1. Handarbeitliches Gefrickele. Da man sich Pullis ja auch im Geschäft kaufen kann und so kleine Püppis sowieso in der Vitrine enden, ist das nicht wirklich nützlich im Sinne von produktiv. Allerdings ist es sicher gut für meinen Blutdruck. Wenn er denn zu hoch wäre. Stattdessen stellt er sich zu den wenigen Gelegenheiten, wo er mal gemessen wird, ziemlich scheintot. Aber ganz sicher gut für meine Nerven.
  2. Kluge Ratschläge geben. Manchmal bin ich geschockt, bei was für Dingen ich um Rat gefragt werde. Meine Mutter, seit 60 Jahren bewandert im Kochen, fragt mich z.B. immer wieder gerne, wie klein sie die Wurzeln schnippeln soll. Oder ob an die Soße noch was ran muß. Und über sowas habe ich noch nicht mal ein Buch gelesen. Trotzdem fällt mir meisten etwas Weises ein.
  3. Eine Augenbraue hochziehen. Gab mal eine Zeit, da habe ich das stundenlang vorm Spiegel geübt. Ich muß mich aber immer so doll dabei konzentrieren, daß ich es nur selten spontan hinkriege.
  4. Knoten auseinanderpulen. Als meine Eltern früher noch zum Wochenmarkt gefahren sind, war es eine meiner Lieblingsbeschäftigungen, die Bänder der halbtrocken geschleuderten Schürzen wieder zu entwirren.
  5. Ich kann ein klein wenig Plattdeutsch reden und alles verstehen, auch schwierige Wörter und Ausdrücke. Na gut, nicht alle, aber „beeten scheev hat Gott leev“ und sowas paßt immer.
  6. Ich kann mir gut Sachen merken, die ich irgendwo gelesen habe, vor allem Fachliches. Nein, nicht die Sachen selbst, aber daß ich sie mal gelesen habe. Auf mathematische Fragen antworte ich gerne mit: „Keinen Plan, kommt mir aber bekannt vor. Hat mal wer den Billingsley?“
  7. Ich habe ein ziemlich umfangreiches theoretisches Wissen über Pferde, bedingt dadurch, daß mein Vater schon seit Jahrzehnten Hannoveraner züchtet. Allerdings habe ich in meinem Leben erst einmal auf einem Pferd gesessen.
  8. Ich kann relativ gut Sudokus und andere Logik-Rätsel lösen.
  9. Ich bin überhaupt der weltbeste Vorleser. Leider finde ich nie geeignetes Publikum. Meine Eltern lesen angeblich lieber selbst. Ich werde mich aber irgendwann mit einer eigenen Hörbuchreihe selbstständig machen: „Klassiker der Weltliteratur – gelesen im schönsten Hamburgisch und mit rollendem R“.
  10. Ich verstehe Leute leicht falsch, woraufhin ich vollkommen dämliche Sachen sage und mich ziemlich zum Horst mache. Die Probleme liegen da einerseits in der Akustik, zum anderen aber auch in meiner total verquasten Logik darüber, was als nächstes von meinem Gesprächspartner zu erwarten ist.

Zur Belohnung für all die, die mir bis hierhin gefolgt sind, ein aktuelles Beispiel für spezielle Fähigkeit Numero 10. Gestern in einer Buchhandlung. Ich hatte ein Buch bestellt und wollte es abholen. Ich also zum Abholbereich und dort zur Verläuferin: „Ich habe ein Buch bestellt. Auf den Namen <mein Nachname> “ Verkäuferin sucht, ich seh das Buch allerdings schon. Verkäuferin: „Die Straße?“ Ich so: „Ne, die geheime Geschichte.“ Ich werde mir merken, daß in Göttingen tatsächlich jeder zweite so heißt wie ich und nächstes Mal am besten gleich Name und Adresse angebe.

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20 Antworten zu Queen of the Nutzlosigkeit

  1. loewenzahn schreibt:

    😀 Das mit dem falsch verstehen kenn ich sehr gut. Nicht selten kommen dabei vollkommen sinnbefreite Gespräche raus, die unter Umständen ne Weile dauern können. Nämlich dann, wenn beide Beteiligten nicht merken, dass man total aneinander vorbei redet…
    Und ich finde, du solltest mal eine Geschichte aufnehmen und zum runterladen anbieten! Ich wäre gespannt auf eine Geschichte im schicksten Hamburgisch 😉

  2. bullion schreibt:

    Würde ich mir auch anhören! 🙂

    Zum falsch verstehen: Kenne ich sehr, sehr, sehr gut. Besoders da die Menschen in meinem Umfeld alle ca. einen Kopf kleiner sind als ich und sich dementsprechend unterhalten. Ich muss mich dann entweder immer irgendwie runterbeugen oder versteh nur die Hälfte. Besonders für in den wilden Discotagen war das wunderbar. Alle haben sich immer einigermaßen verständigen können, nur ich hatte entweder einen steifen Nacken vom runterbeugen oder nix verstanden. Glücklicherweise bin ich jetzt zu alt für den Scheiss… 😀

  3. loewenzahn schreibt:

    *lol* Wie groß bist du denn??
    Und warum zu alt? Weil man im Alter eh einen krummen Rücken bekommt und somit der Größenunterschied nicht mehr so gravierend ist? 😉

  4. bullion schreibt:

    Nicht so groß, wie es im Beitrag drüber klingen mag. Bei der letzten Messung waren es 192 cm – gewachsen bin ich seitdem wohl nicht mehr. Wenn allerdings der Freundeskreis zwischen 165 und 175 cm stehengeblieben ist, ist das Verständnis in manchen Situationen wirklich schwieriger als man sich vorstellen mag. 😉

    Zu alt, weil ich für mich eigentlich schon immer befunden hab, dass mir Discos keinen Spaß machen. Damals ist man halt mitgegangen, weil halt auch, aber heute bin ich froh, dass diese Zeit vorbei ist. Ab und zu in einen Indiepop/-rock Schuppen und gut ist.

  5. pinkbuddha schreibt:

    Das Buch habe ich auch, ich fand es ziemlich schrottig… Vielleicht erfährt man ja deine Meinung darüber später.

    Plattdeutsch variiert ja auch noch stark innerhalb Deutschlands. Da meine Oma aus Pommern stammt, bin ich eher in der Lage Pommersch zu spreken (nicht schnacken). Diese Platt-Redewendungen sind aber wirklich in jeder Lebenslage praktisch… Die hören sich auch nicht so fies an, selbst wenn sie Fieses aussagen.

    Die Augenbraue kann ich auch hochziehen, aber das ist ganz und gar nicht nutzlos. Es nützt zur Verunsicherung von Gesprächsparntern. Es symbolisiert Zweifel, die man nicht mal aussprechen muss und daher auch (verbal) leugnen kann. Es lässt den Gesprächspartner im Ungewissen darüber, ob man das Gesagte ironisch gemeint hat oder nicht. Es ist sehr nützlich.

  6. Miss Sophie schreibt:

    Oh Mann, so viele Kommentare während ich bei IKEA war 🙂

    Also, das Buch wollte ich verschenken. Ich fand es auch ziemlich gut, habe es vor einiger Zeit mal selbst gelesen. Ich fand, die Charaktere waren ziemlich gut beschrieben und wie die Freundschaften an dem gemeinsam begangenen Verbrechen zugrunde gehen. Aber ist sicherlich Geschmackssache.

    Platt ist sogar innerhalb von Hamburg sehr unterschiedlich. Ich spreche natürlich Vierländer Platt.

    Das mit der Augenbraue wäre praktisch, wenn man es aus dem Stand hinbekommen könnte. Aber ich muß immer erst überlegen und brauche ein paar Probeläufe. Das sieht schnell komisch aus. Ich hätte einfach noch länger üben sollen, damals.

    Das mit dem Geschichten-Download überlege ich mir mal. Ich bräuchte dann aber eine Copyright-freie Kurzgeschichte. Vielleicht finde ich ja im Netz irgendwo was Passendes.

    Vielleicht verstehe ich so viel falsch, weil ich kleiner bin als der Durchschnitt. Aber häufig ist es eben auch so, daß es schon akustisch bei mir ankommt und ich einfach den Sinn vollkommen mißinterpretiere wie in der Buchhandlung.

  7. pinkbuddha schreibt:

    Hehe, rate mal, wo ich war… 😉 Aber vermutlich warst du nicht in Schnelsen.

    Das mit der Augenbraue beherrsche ich im Schlaf. Aber nur mit der linken. Neulich ertappte ich allerdings mich bei einem kritischen Blick im Spiegel, wie ich die „falsche“ Braue hochhob. Das ist offenbar nicht künstlich herbeizuführen, sondern nur wenn echtes Grauen gesehen wird….

  8. Miss Sophie schreibt:

    Ne, ich war in Moorfleet. War es in Schnelsen auch so blödsinnig voll?

  9. pinkbuddha schreibt:

    Ja, weil sich die schlauen Leute von Ikea was Tolles ausgedacht haben: Ab 18 Uhr oder so gibt es zur Feier der neuen Öffnungszeiten (bis 21 Uhr) Cocktails for free und for everyone. Ich hab mir die obere Etage gespart und nur gezielt die Sachen gekauft, die ich kaufen wollte. Highlight war kurz vor den Kassen: Ein Vater mit zwei Kindern und einem vollem Einkaufswagen guckt sich noch irgendwas an, und das eine Kind sagt: „Papa, ich muss aber JETZT auf Klo!“ Hehe.

  10. Miss Sophie schreibt:

    Hat Schnelsen nur bis 21 Uhr auf? Moorfleet am Fr und Sa jetzt bis 22 Uhr. Von evtl. Feierlichkeiten habe ich nichts mitbekommen, aber ich war auch nur nachmittags da.

  11. Pingback: Countess of the Nutzlosigkeit* « Paranoia rules

  12. loewenzahn schreibt:

    Ich will auch mal wieder zu IKEA 😦 Ich hab Klimbim-Kaufentzug…

  13. bullion schreibt:

    Was bin ich als Bayer bzw. Franke neidisch auf eure Öffnungszeiten. Könnt ihr euch gar ned vorstellen… 😉

  14. Ratilius schreibt:

    Das Augenbrauen hochziehen habe ich inzwischen auch gemeistert.
    Die nächste Herausforderung ist ein psychopathisches Zucken unter dem Auge damit kann man die Verhandlungsposition ebenfalls stärken oder Gegenspieler beim Poker täuschen 🙂

    Wenn du keinen Kurzgeschichte findest kannst du ja eine Autorinnenlesung aus Deinen gesammelten Werken machen.

  15. Inishmore schreibt:

    Bei der nutzlosen Fähigkeit #10 bin ich auch mit Herz und Seele dabei. Die Menschen dieses Jahrhunderts reden einfach viel zu leise und zu unlogisch. Bilde ich mir jedenfalls ein.

  16. Sascha schreibt:

    Also das mit dem falsch Verstehene kenn ich. Manchmal schon ziemlich peinlich……….
    Tja, und nu warte ich mal auf dein Hörbuch *MP3-PlayerBereitLeg*

  17. Ratilius schreibt:

    @Billingsley
    Kenn ich nicht, würdest Du es weiterempfehlen?
    Bei Amazon hat jemand geschrieben, es sei „lesbar“, was ich als höchstmögliches Qualitätsmerkmal ansehen würde.

  18. Miss Sophie schreibt:

    „Lesbar“ ist schon ziemlich diskutierbar. So zum „von-vorne-bis-hinten-Durchlesen“ würd ich ihn nicht unbedingt empfehlen. Als Nachschlagewerk für Wahrscheinlichkeitdtheorie mit einer wirklich durchdachten und konsequenten Berücksichtigung der Maßtheorie ist er meine erste Wahl bei Fragen in dieser Richtung. Da wird nicht rumgemuschelt wie in anderen Büchern. Vergleichbar ist er wohl mit dem Bauer, mit dem ich aber nie warm werden konnte, da wirklich vollkommen unlesbar.

  19. Martin schreibt:

    WWM-ICQ-Chat anyone? 😉

  20. pinkbuddha schreibt:

    Ja, Schnelsen hat „nur“ bis 21 Uhr auf. Ich find es auch katastrophal. 😦 Würde so gern mal um neun Uhr abends locker durch Ikea schlendern, ganz ohne Smaland-Ansagen… 😉

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