Verdammte Niedersachsen

Natürlich bin ich mittlerweile auch Niedersächsin. Aber ja immer noch Hamburger at Heart. Und ich komme sogar aus einem Teil Hamburgs, wo man auf Niedersachsen nicht gut zu sprechen ist. Ich residiere hier in Hamburg ja direkt an der guten alten Elbe, d.h. die Niedersachsen sind stets in Sichtweite. Dort, wo ich herkomme, nennt man die übrigens „Putenbieter“, d.h. „Putenbeißer“. Keine Ahnung, wieso. Genau gegenüber von uns ist Drage, und mir haben die Drager bis heute noch nie was getan. Bis heute.

Heute morgen beim Frühstück, das ohnehin verdorben war, da die gestern erworbene Plunderbrezel unauffindbar und offensichtlich von meinen Eltern absichtlich versteckt worden war, die Altvorderen aber telefonisch nicht erreichbar waren, dröhnte auf einmal Gewummere an mein Ohr. Ich hielt das sofort für eine jugendliche Leichtsinnstat der Idioten, die drei Häuser weiter wohnen, und mit denen ich seit Kindesbeinen innige Feindschaft pflege. Ich baute darauf, daß das vorbeigehen würde. Ging es nicht. Es wummerte immer weiter, blöde Disse-Musik, und das am Sonntagmorgen. Irgendwann warf ich mich also in Hut und Mantel und wollte dem ganzen auf den Grund gehen. Just da taperte auch unser Nachbar aus der Tür und klärte mich auf: Die Musik kam von der anderen Seite der Elbe.

Man muß wissen, daß die Elbe hier schon sowas wie ein Strom ist, kein Flüßchen mehr oder so. Durch die spiegelglatte Wasseroberfläche schien sich der Krach aber noch zu potenzieren und waberte von den Dragern zu uns friedfertigen Hamburgern hinüber. Und warum der ganze Blödsinn? Weil sich die Niedersachsen an für Norddeutsche absolut unwürdigem Treiben beteiligen – sie feiern Karneval! Oder Faslam. Und selbst, wenn das ein niederdeutscher Brauch ist, sehe ich nicht ein, warum man ihn mittels Einsatz von 1000-Watt-Boxen modernisieren mußt.

Mittlerweile ist der Krach zwar vorbei – das ist ja immerhin der Vorteil an einem Umzug, das er irgendwann umzieht. Aber ist es nicht furchtbar, daß man dem Karneval wirklich nirgends entfliehen kann?

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16 Antworten zu Verdammte Niedersachsen

  1. bullion schreibt:

    Ich bin auch ein Faschingsmuffel – wie man bei uns sagt. Glücklicherweise gibt es hier auch nicht so viele Berührungspunkte. Da müsste ich mich schon aufmachen und mich gewollt ins Getümmel stürzen. Gut wenn man die Wahl hat.

  2. pinkbuddha schreibt:

    Also, zuerst mal: Vorsich mit dem Verdammen von Niedersachsen. Niedersachsen sind grundsätzlich leidenschaftliche Faschings-Gegner, das weiß ich als geborene Niedersächsin zufällig ganz genau. Die sind also auf keine Fall repräsentativ, die Krachmacher von über der Elbe.

  3. Miss Sophie schreibt:

    Hihi, ich weiß doch, daß ich niedersächsische Leser habe 😉 In Göttingen wäre ich wahrscheinlich auch sicher gewesen. Scheint nur eine winzige Enklave zu sein, die karnevalsgeil ist. Und ausgerechnet bei mir um die Ecke 😦

  4. pinkbuddha schreibt:

    Die könnten den Fasching dann wenigstens still und leise und mit schamhaft gesenktem Haupt feiern. Die sind bestimmt alle zugezogen!

  5. Arthur schreibt:

    Soeben mit der werten Herzdame aus einem 2-tägigen Hamburg „Urlaub“ (wobei 2 Tage für eine Stadt, die ein derartiges Ausmaß hat, natürlich zu wenig sind 😉 ) wiedergekommen, es ist wirklich eine wundertolle Stadt.

    Mir hat’s sehr gefallen, allerdings zu schmutzig, für meinen Geschmack. 😉

  6. Arthur schreibt:

    Ach: Und keine Spur von Karneval (nicht mal eine ganz winzige) in Hamburg City. =/

  7. annkari schreibt:

    Als eine mit einem gebürtigen Kölner verheiratete Niedersächsin möchte ich mich hier mal ganz herzlich … nein, nicht für andere Niedersachsen entschuldigen, sondern mit aufregen über die blöden Drager. Mir geht das ganze Karnevalsgetue nämlich auch am Arsch vorbei. Gottseidank wagt es in meiner Nähe niemand, solch einen Radau zu veranstalten. Das nähme kein gutes Ende …

  8. Sascha schreibt:

    Grrrrr, gut zu wissen, das es noch mehr Faschingshasser gibt. Bessofene auf den Strassen, grölende Kinder an der Ampel, die um Faschingszoll betteln. Hmpf, Na ja, wenigstens gab es heute ein paar leckere Kreppel 😉

  9. Miss Sophie schreibt:

    Kreppel = Krapfen = Berliner?

    Faschingszoll? An der Ampel? Wenn die wenigstens noch von Haus zu Haus rennen würden.

  10. kreuzberger schreibt:

    Kreppel = Krapfen = Berliner? Tststs, die heißen natürlich Pfannkuchen. Behaupten zumindest die gebürtigen Berliner. 😉

    Ich fürchte, ich muss mich outen – ich finde Karneval ziemlich lustig, seit ich vor einigen Jahren zum ersten mal in Köln dabei war. Hingefahren bin ich mit sehr großen Bedenken, zurückgekommen bin ich als Karnevalsfan. Die ganze Stadt ist da einfach für ein paar Tage eine riesige Party, ganz ohne die widerwärtige, aus dem TV bekannte zwanghafte Lustigkeit. Aber ich kann trotzdem nach wie vor jeden verstehen, der mit Karneval nix anfangen kann.

  11. Miss Sophie schreibt:

    Ich finde es wirklich ulkig, daß für so ein unbedeutendes Gebäck mindestens vier verschiedene Namen in Deutschland kursieren.

    Hier in Hamburg kennen wir auch Pfannkuchen, aber das ist dann etwas anderes. Nämlich das, was „Palatschinken“ in Österreich ist. Wie heißen Pfannkuchen denn in Berlin?

  12. Sascha schreibt:

    Junge, junge, bei uns heissen Sie ganz einfach Kreppel, jawohl. Aber die verschiedenen Namen hatten wir auch in der Mittagspause, was durchaus für Erheiterung sorgte, da alle der 4 Anwesenden unterschiedliche Namen für einen Kreppel hatten *gg*
    Palatschinken wären jetzt übrigens auch nicht schlecht, so als Nachtisch zum Amarena- und dem Schoko-Kreppel. Was ? Hat da wer Zuckerschock gesagt ? Bin ich deswegen so Hyperaktiv ? Stimmen ? Was sind das für Stimmen…

  13. kreuzberger schreibt:

    Pfannkuchen aka Palatschinken heißen in Berlin Eierkuchen. Früher habe ich als gebürtiges Nordlicht Berliner gegessen, heute bin ich selber einer. Da soll noch einer durchsteigen… 😉

  14. Sascha schreibt:

    Eierkuchen heissen Kreppel in Berlin ? Junge, junge, Eierkuchen sind bei mir eigentlich eher Eierpfannkuchen. Jetzt wird´s verwirrend 😉

  15. Kreuzberger schreibt:

    @Sascha: Nenene, Kreppel heißen in Berlin Pfannkuchen und Pfannkuchen heißen in Berlin Eierkuchen. Soweit, so simpel. 😉

  16. Pingback: Jedes Jahr das Gleiche… « Miss Sophies Blog

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