Flunkern für den Weltfrieden

Heute habe ich mal wieder festgestellt, daß es manchmal einfacher ist, seine Mitmenschen ein bißchen zu beflunkern. Vor allem meine Mama.

Letztes Wochenende gab es zu Ostern nicht nur den üblichen Süßkrams sondern auch ein Buch. Das ist erstmal ein löbliche Entwicklung bei meiner Mama, die sich eigentlich nicht merken kann, daß sich ihre jüngste Tochter nichts aus Schokolade macht. Übrigens ist sie wirklich süß, weil sie meinte: „Du hast Dir ja gestern selbst ein Buch in der Stadt gekauft, bestimmt hast Du es jetzt doppelt…“ Nun, es gibt ja ziemlich viele verschiedene Bücher eigentlich. Und ihre Wahl mit „Dschungelkind“ traf meinen Geschmack nicht ganz so gut wie mein eigener Einkauf. Schließlich stehe ich ja nicht so auf Buschgeschichten. Und wenn Leute ein Buch erst zur Selbsthilfe schreiben und das dann ein Bestseller wird, bin ich sowieso skeptisch.

Andererseits macht es mich immer ziemlich traurig, wenn mir Leute Bücher schenken, die mir nicht gefallen. Bei anderen Objekten kann man ja noch ausreden finden („Ne, diese Stehlampe ist einfach zu groß für meine Wohnung, verstehst Du?“), aber bei einem Buch heißt es eben immer, daß man den Geschmack des Beschenkten nicht getroffen hat, und das ist irgendwie recht persönlich. Einziger Ausweg ist da, zu sagen, man hätte das Buch schon, aber so schnell habe ich nicht geschaltet. Meine Mama lieferte eine Steilvorlage („Du kannst es umtauschen, ich hab den Bon noch“), aber das machte es eigentlich nicht besser.

Wo ist jetzt das Flunkern? Nun, eben, im Schutz der Dunkelheit, habe ich mich an das Portemonnaie meiner Mama geschlichen und heimlich den Bon rausgefummelt. Nun brauche ich nur noch eine Gelegenheit, um morgen alleine in die Buchhandlung zu gehen (schließlich kommt Mama auf Shoppingtrips ja gerne mit) und dann sind alle glücklich.

Manchmal ist so ein bißchen Flunkerei nicht schlimm, finde ich.

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11 Antworten zu Flunkern für den Weltfrieden

  1. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Hui, was aus dem Portemonnaie der Eltern klauen, ist aber schon ganz schön dolles Flunkern… Aber solange es nur der Umtausch-Bon ist, und dann auch noch mit guten Absichten, ist dagegen nichts einzuwenden. Das Schöne ist: Das ist so abgedreht, selbst wenn deine Mutter sich wundert, wo der Bon geblieben ist, wird sie niemals glauben, dass du ihn heimlich „geklaut“ hast… Genial. Das perfekte Verbrechen. 😀

  2. Miss Sophie schreibt:

    Natürlich hab ich sonst alle Scheinchen drin gelassen 😉 Meine Mama checkt das ganz bestimmt nicht. Sie wird sich auch gar nicht wundern, daß das Buch plötzlich nicht mehr auf dem Stubentisch liegt und erst recht nich nachfragen, wie es mir gefallen hat. Und falls sie stutzig wird, sag ich einfach es liegt in Göttingen und war ganz toll. 🙂

  3. TheKaiser schreibt:

    Hoffentlich liest Deine Mutter nie Dein Blog… 😉

  4. Thomas schreibt:

    Ich würde eher sagen deine Mutter flunkert zurück, wenn sie merkt das der Kassen-Bon fehlt. Und weil sie dann auch mitbekommt das alle Scheinchen noch da sind, glaubt sie mit ihrer Erziehung erfolgreich gewesen zu sein und nimmt die die Flunkerei erst recht nicht übel.

  5. Ela schreibt:

    Ich glaube schon, dass deine Mutter das merkt. Mütter wissen einfach alles. Vielleicht fragt sie später mit einem Schmuzeln mal nach, wie dir das Buch gefallen hat. Aber bei der nächsten Gelegenheit wird sie dann wohl doch einen Gutschein für die Buchhandlung vorziehen. 😉

    Eine unbekannte Gleichgesinnte…

  6. Miss Sophie schreibt:

    Die kleine Aktion hat übrigens super hingehauen. Und was meinte die Verkäuferin, als ich sagte: „Den Bon hab ich – hier!“? Sie sagt: „Den brauchen wir gar nicht…“ Jetzt habe ich das Buch eingetauscht gegen „Fleisch ist mein Gemüse“ und noch 5 Cent wiederbekommen. Das Buch liest sich auch ganz witzig an, vor allem, wenn man Harburg, Lüneburg und Moorwerder kennt.

  7. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Das stimmt, Mütter wissen einfach alles, auch wenn ihnen das gar nicht zutraut… „Fleisch ist mein Gemüse“ wird gern und oft im Freundeskreis zitiert, daher wollte ich das auch schon immer mal lesen. Wenn du’s durchhast, kommt ja bestimmt ein Bericht… 😉

  8. Miss Sophie schreibt:

    Ich hab jetzt schon auf den ersten Seiten ein paar Mal herzhaft gelacht. Vor allem wenn die eingängigen Schlager zitiert werden, die ich selbst viel zu oft auf Familienfeiern hören mußte. Und insbesondere auf meiner eigenen Konfirmation. An anderen Stellen ist das Buch aber auch ein bißchen traurig, weil er so ein armer Bursche ist. Ich glaube, das ist eine sehr gelungene Mischung.

    Und meine Mama wird das wirklich nicht merken. Wenn ich sie jetzt fragen würde, welches Buch sie mir geschenkt hat, dann hätte sie den Titel schon wieder vergessen. Bücher sind einfach nicht ihr Ding…

  9. Thomas schreibt:

    Ja, aber vielleicht sind Kassen-Bons ja ihr Ding. Hast du den neuen Kassenbon ihr wieder zugesteckt. Dann könnte es vielleicht wirklich funktionieren.

  10. Miss Sophie schreibt:

    Oh Mann, daran hab ich nicht gedacht. Den hab ich natürlich in der Buchhandlung gelassen. Sicherheitshalber hab ich aber auch meinen Papa eingeweiht. Wenn sie sich dann irgendwann wundert, kann er es immerhin aufklären.

  11. Pingback: reden ist silber, schweigen ist gold « Paranoia rules

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