Filmkritik: „Little Miss Sunshine“

littlemisssunshineposterger.jpgInhalt: Als die siebenjährige Olive Hoover (Abigail Breslin) erfährt, daß sie in Kalifornien am „Little Miss Sunshine“-Schönheitswettbewerb teilnehmen darf, kommt sie für Minuten aus dem Quietschen nicht mehr raus. Man weiß nicht so recht, was sich die Juroren dabei gedacht haben, denn Olive mag vieles sein, niedlich und schlau, aber nicht unbedingt eine Mini-Beauty-Queen. Aber um Olive ihren Traum zu erfüllen fährt ihre gesamte Familie in einem extrem klapprigen knallgelben VW-Bus den weiten Weg von Albuquerque bis nach Kalifornien. Nach dem Motto „Niemanden zurücklassen!“ sind nicht nur Olives bemühte, aber etwas überforderte Mutter (Toni Collette) und Ihr Papa (Greg Kinnear), der Motivationstrainer ist und schlaue Phrasen wie „refuse to lose“ von sich gibt, mit von der Partie, sondern auch ihr koksender Opa (Alan Arkin), ihr großer Bruder (Paul Dano), der seit einigen Monaten nicht mehr redet, und ihr Onkel Frank (Steve Carell), der gerade einen Selbstmordversuch hinter sich hat, dabei. Wer weiß schließlich, was passieren würde, wenn man die unbeaufsichtigt ließe? Aber auch wenn jeder auf jeden aufpaßt, wird die Fahrt noch turbulent genug.

Kritik: Wenn Filme angepriesen werden als „Der Publikumsliebling auf dem xxx-Filmfestival“ ist das normalerweise ein Anlaß skeptisch zu werden. Nicht selten ist der Grund für die uneingeschränkte Zuneigung des Publikums ja eine weichgespülte „Das Leben ist schön“-Message oder es handelt sich zumindestens für meinen Geschmack um viel zu schrille und überzogene Figuren, die sich durch eine klapprige Handlung schummeln.

Na gut, die Handlung ist auch bei „Little Miss Sunshine“ klapprig. Aber dafür werden die beiden anderen Kritikpunkte sorgsam umschifft. Die Figuren würde man zwar vielleicht nicht in jeder Familie finden, aber sie wirken authentisch, was auch an den tollen Darstellern liegt. Besonders gut besetzt sind meiner Meinung nach Greg Kinnear als Looser-phobischer Motivationsonkel, der in seinem Job leider selber total versagt, und vor allem Steve Carrell als liebeskummergeplagter schwuler Literaturprofessor. Und dann natürlich die Darstellerin der kleinen Olive, die auf nicht-nervige Art süß ist.

Eine kaputte Gangschaltung, eine Leiche im Kofferraum und die grotesk aufgebrezelten Püppchen bei der Miss-Wahl tun dann ihr Übriges, um die 101 Minuten wie im Flug vergehen zu lassen. Trotz der recht hohen Gagdichte gibt es aber auch immer wieder Platz für ein paar ruhigere Momente, in denen klar wird, daß eine Familie, und sei sie noch so verkorkst, doch etwas ist, für das man kämpfen sollte. Auch wenn wahrscheinlich nur wenige so spaßig sind wie die Hoovers.

Übrigens ist diese Filmkritik natürlich etwas unaktuell. Hier in Göttingen hat jetzt zum Semesterbeginn aber gerade das Uni-Kino wieder angefangen (was heißt hier eigentlich das Kino? Es gibt hier vier konkurrierende „Film-Unternehmen“, so daß man von Montag bis Donnerstag jeden Abend für 2 Euro gemütlich und bei akzeptabler Qualität nicht mehr ganz so aktuelle Filme schauen kann), also sehe ich das hier jetzt mal als DVD-Kolumne.

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10 Antworten zu Filmkritik: „Little Miss Sunshine“

  1. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Erst mal: *Neid* fürs ständige günstige Kino. Die Abigail Breslin hat ja letzte Woche auch bei Grey’s Anatomy mitgespielt, und ich musste total lange überlegen, bis ich darauf kam, woher ich sie kenne. Liegt vermutlich daran, dass ich „Little Miss Sunshine“ noch nicht gesehen habe. Aber nach deiner Kritik werde ich das auf jeden Fall nachholen. Wenn auch in meinem „Heim-Kino“.

    „Refuse to lose“ muss ich in meinen aktiven Wortschatz einfließen lassen, der ist cool!

  2. Miss Sophie schreibt:

    Ach, immer vertütele ich das mit den Os bei „to lose“… Der lief sogar OmU, da hätte ich mir das doch echt mal merken können.

    Natürlich sind nicht alle Filme so vielversprechend. Und viele hat man eben auch gerade erst im Kino gesehen. Aber an sich ist das wirklich nett. In LMS trägt Abigail Breslin übrigens einen Fat-Suit. Hat mich auch echt gewundert, wie man so komisches Bauchfett haben kann.

  3. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Dabei sollte man doch denken, dass es genügend echt dicke Kinder gibt, auch ohne Fat-Suit… Abgesehen davon stelle ich mir diese Frage auch oft beim Blick auf meinen eigenen Bauch. 😉

  4. Ratilius schreibt:

    Zwei Euronen ist schon beneidenswert günstig. Hier gab es mal einen vier Euro Kinodienstag (+Loge + Überlängenzuschlag), aber inzwischen ist das auch teurer geworden.

  5. monsieur fischer schreibt:

    wenigstens läuft der film bei euch überhaupt… ich wohn in der schweiz und in unserer stadt hat es der kinobetreiber (immerhin 8 kinos) nicht für nötig befunden „little miss sunshine“ ins programm zu nehmen… lieber 15 wochen irgendwelche grossproduktionen aus hollywood. und die dann erst noch auf deutsch…

    in diesem sinne, danke für deine kritik. da freu ich mich auf die DVD!

  6. bullion schreibt:

    2 € ist ja wirklich spottbillig. Hier ist man selbst am Kinotag mit fast 6 € dabei. Nur unser Kleinstadtkino unterbietet das. Dafür hat man dann auch mit einer leiernden Tonsour zu leben.

    Die Kritik klingt auf jeden Fall gut und ich würde einmal sagen, dass ist ein klarer Fall für die DVD. Werd ich nun im Hinterkopf behalten, den Film. 🙂

  7. Holger schreibt:

    Ich begreife wirklich nicht, was quasi alle an LMS so gut finden. Ich habe den Film vor einiger Zeit angefangen zu sehen und bin quasi eingeschlafen. Gags? Wo waren da Gags??

    Ich muss den Film unbedingt nochmals ansehen… Vielleicht war mein Hirn an dem Tag einfach Gag-taub oder was auch immer! 😉

  8. Miss Sophie schreibt:

    Die Uni-Kino-Atmosphäre war dem Film sicher sehr zuträglich, aber ich fand wirklich einige Stellen irre komisch. Als am Anfang alle zusammen essen und Frank erzählen soll, warum er sich umbringen wollte („and that’s why you tried to kill yourself?“ „no,…“) und der Knaller war ja wohl „where’s your grandpa now?“ (bzw. die Antwort) vom Moderator der Schönheitsshow.

  9. fernseherin schreibt:

    Ich war ja nicht sooo begeistert von dem Film, weil er mir zu gewollt war. Aber die Darsteller reißen es wirklich raus und Greg Kinnear liebe ich ja sowieso, ob als Bösewicht oder Nettie. 🙂

  10. Pingback: Film-Stöckchen « Miss Sophies Blog

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