Hitze – und technische Herausforderungen

„Willkommen im angenehm kühlen Metronom“ schallte es heute durch die Bordlautsprecher in meinem Lieblingszug. Tatsächlich, die Klimaanlage in der blaugelben Bahn funktionierte heute, daß es eine Wonne war. Davon abgesehen scheint der Klimawandel aber nicht nur Herausforderungen für Landwirtschaft und Co bereitzuhalten. Bei zunehmender Temperatur gibt ja so manche Gerätschaft gerne ihren Geist auf. Heute z.B. die Lok vom Metronom kurz vor Hannover Messe/Laatzen. Toll. Die 20 Minuten Verspätung hätten eigentlich locker in Uelzen wieder aufgeholt werden können, wo man ja 15 Minuten auf den Anschlußmetronom nach Hamburg warten muß. Normalerweise. Ausgerechnet heute führten natürlich Gleisbauarbeiten zu einem Schienenersatzverkehr zwischen Uelzen und Bad Bevensen. Wie schon letzte Woche. Und wie schon damals wurde auch dieses Mal der Bus komplett von einer Horde Hamburgtouristen beschallt, die abwechselnd „La viva Espana“, „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ und „Ein Hoch auf den Busfahrer“ anstimmten. Natürlich ohne Klimaanlage.

Dank des unglaublichen Fahrvermögens des Metronomlokführers konnte die Verspätung dann tatsächlich auf 10 Minuten reduziert werden und ich schaffte es noch genau rechtzeitig in meinen Anschlußbus – mit ein bißchen Gerenne. In diesem funktionierte die Klimaanlage natürlich nicht. Außerdem so einiges andere auch nicht, was der Busfahrer wiederholt auf die halbgeöffnete Vordertür schob, zwischenzeitlich aber auch erklärte „wohl zu viel Wasser getrunken, kleiner Schaden“, wobei unklar bliebt, ob sich das auf ihn selbst oder sein Arbeitsgerät bezog. Aber irgendwie schafften wir es dann doch noch bis zur Haustür.

Heute mußte ich ja leider auf meine persönliche Abholung von der Bahn durch die besten Eltern der Welt verzichten. Die juckeln nämlich gerade durch Polen. Genauer: Masuren. Soll ja seeeehr schön sein. Um Kosten zu sparen, wollte ich mit günstiger Vorwahl mal im Hotel der alten Herrschaften anrufen und mich dort aufs Zimmer durchstellen lassen. Denn natürlich muß täglich die aktuelle Wetterlage, der Zustand der Zimmerpflanzen und das Immer-noch-Vorhandensein unserer beiden Pferde durchgegeben werden. Verlauf des Gesprächs: Ich so: „Hello, my name is Miss Sophie. I’d like to talk to room no. 419“. Pole so: „Ah ja. Abendessen in zwei Minuten. Danach“ Ich so: „Wie jetzt?“ Pole so: „Abendessen. Zehn Minuten.“ Ich so: „Ich kann nur zehn Minuten telefonieren?“ Pole so: „Ja ja. *lach*“ Ich so: „Stellen Sie mich durch?“ Pole so: „Ja ja *lach*“. Fünf Sekunden später ist die Leitung tot. Und überhaupt, wieso textet der mich mit meinem irren akzentfreien Englisch einfach auf Deutsch zu? Redet man nicht polnisch in Polen? Mal ganz zu schweigen von diesem Abendbrotskult, in den ich da anscheinend reingeplatzt bin. Muß noch geklärt werden…

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11 Antworten zu Hitze – und technische Herausforderungen

  1. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Das Telefonat ist ja ganz großes Kino. Es ist ja aber wirklich ein bisschen unhöflich, während des Abendessens anzurufen… 😉 Vermutlich haben die in dem Hotel nur deutsche Reisegruppen da, deshalb haben die vorsorglich deutsch mit dir gesprochen.

    Schienenersatzverkehr ist ja das grässlichste der Welt… *schüttel* Zwischen Uelzen und Bad Bevensen? Da fährt man doch sicher eine ganze Weile mit so’nem Schrottbus, oder? Jetzt hast du es ja immerhin geschafft! 🙂

  2. Miss Sophie schreibt:

    Ja, Abendbrot hat in unseren Nachbarländern wohl noch einen höheren Stellenwert als bei uns. Meine Eltern hatten jedenfalls schon gegessen… Ich denk auch, da hängen viele Deutsche rum, meine Eltern fahren ja auch mit dem Reisering *augenverdreh*. Ich hab sie schon gewarnt, sie sollen die Gesinnung von ihren Mitreisenden im Auge behalten. Mit Ostpreußen und so ist das schließlich immer so eine Sache…

    Von Uelzen nach Bad Bevensen sind das so 15 km, denke ich. Der Bus war echt schrottig, aber „ein Hoch auf den Busfahrer“, sach ich immer. Auch wenn der nicht durch den Burger King wollte, was mehrfach vorgeschlagen wurde. Diese Reisegruppen trifft man jeden Freitag, die sind immer schon total zu, bis die in Hamburg ankommen. Viel mitkriegen können die eigentlich nicht mehr von der Stadt. Und dann haben die immer so grausliche Dialekte… Neulich kamen welche aus Aachen. Wenn man dann noch sternhagelvoll ist, gibt das einen ganz fiesen Dialekt.

  3. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Reisering? Muss mir das was sagen, wurde der noch von Hitler persönlich gegründet? Meine Mutter fährt ja gern mal mit den Landfrauen weg, das toppt keiner…

    Ist „ein Hoch auf den Busfahrer“ tatsächlich ein Lied? Da fällt mir doch glatt ein, dass Roberto Blanco gestern 70 geworden ist…

    Mir graust in punkto Dialekt ja schon ein bisschen vor meiner München-Reise. Nach einer gewissen Anzahl von Grüß Gotts werde ich unterschwellig aggressiv…

  4. Miss Sophie schreibt:

    Der ging direkt aus „Kraft durch Freude“ hervor… Ich glaube, die hängen mit dem HVV zusammen. Jedenfalls hingen früher immer im Bergedorfer ZOB die Plakate für die Reisen und die hatten da so ein Büro. Es scheint in Deutschland auch verschiedene Reiseringe zu geben. Ah, hier ist die Seite. Die Reise lautet „Die masurischen Seen“. Wenn ich mir die Seite bookmarke, könnte ich meinen Eltern immer am Telefon sagen, in welcher Stadt sie sind. Sie selber können sich das nämlich nicht merken…

    Der Busfahrer-Song geht auf die Melodie von „Go West“, so ähnlich wie „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid“ etc. Ich weiß nicht, ob das wirklich ein Song ist, aber sowohl diese als auch letzte Woche wurde das im Bus gesungen. Und das war nicht die gleiche Reisegruppe…

    Bayerischer Dialekt ist nicht jedermanns Sache…

  5. bullion schreibt:

    In Hannover Messe/Laatzen bin ich auch schon einmal ausgestiegen… das nur als wichtige Information am Rande… 😉

  6. Miss Sophie schreibt:

    Für die, die da aussteigen wollten, muß es hart gewesen sein. Der Metronom ist ca. 20 Meter vor dem Bahnsteig verreckt. Aber natürlich dürfen die Fahrgäste nicht einfach auf den Gleisen rumturnen.

  7. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Der Reisering hat echt gute Sachen im Angebot… Mein Traum wäre es ja sowieso, in einer Seniorenresidenz zu wohnen (Notarzt immer zu Hand! Keine steilen Treppen und sowas!), da würden mir solche Reisen sicherlich auch gefallen.

    In Hannover Messe/Laatzen bin ich auch schon mal ausgestiegen. 😉 Den Busfahrer-Song kannte ich so noch nicht, stell ich mir aber sehr stimmungsfördernd vor, so von einer Reisegruppe gegröhlt.

  8. Inishmore schreibt:

    Das hätte mich jetzt aber auch geärgert, wenn ich mein schönstes internationales Englisch ausgepackt hätte und dann auf Deutsch zurechtgestutzt worden wäre. Dem Hotel scheint das internationale Flair abzugehen.

    Bayerischer Dialekt gemischt mit „Steht auf, wenn ihr Schalker seid“ ist aber immer eine reizvolle Sache 😉

  9. Ratilius schreibt:

    Bei solchen Stimmungsliedern muss man schon in Stimmung sein, sonst schlägt es auf die Stimmung. Menschen in fortgeschrittenem Alter machen das doch nur wenn sie betrunken sind.

  10. Miss Sophie schreibt:

    @ Dr.T.Le Vision: Dann einfach mal was buchen beim Reisering und drüber berichten! 😉

    Besonders stimmungsfördernd ist der Song, wenn nach der dritten Wiederholung des Refrains einer dazwischenbrüllt „schon passiert“ (get the gag?)

  11. Ratilius schreibt:

    Witze, die man erklären musss sind zwar arm, aber ich checke es ohne Erklärung wohl nicht…
    Mag daran liegen, dass ich auch nicht ganz textsicher bin.

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