Mit Schirm, Charme und kleinem Keiler

Einige wissen es vielleicht: Erblich bedingt bin ich Freundin des gepflegten Reitsports. Nein, nein, ich habe nicht behauptet, daß ich reiten könnte. Kann ich nicht. Ich behaupte noch nicht mal, daß ich keine Angst vor Pferden habe. Wenn sie mir zu nahe kommen, habe ich die durchaus. Trotzdem ist Reiten ein toller Sport. Also, wenn ich eine Sportart machen müßte, dann Reiten. Erstmal ist Reiten elitär. Nicht so wie Tennis das mal war, denn für Tennis braucht man eigentlich nur einen Schläger und auf den kann jeder sparen. Fürs Reiten braucht man mindestens einen Gaul, und der frißt einem buchstäblich die Haare vom Kopf. Auch Zubehör wie Sattel & Co kommen nicht billig.

Zweitens hat man einen Freund. Er kann zwar nicht reden und – seien wir ehrlich – Pferde sind nicht besonders schlau, aber er ist einem treu. Besser als die Squash-Kumpel, die sich freuen, wenn deren Bälle wieder haarscharf das eigene Ohr verfehlen. Drittens trägt man schicke Klamotten, insbesondere Stiefel, und viertens, Pferde sind an sich ein gutes Beispiel dafür, daß Mama Natur gelegentlich hübsche Dinge zustande bringt. Gefährliche, aber hübsche.

Mein Papa kennt sich irre mit Pferden aus und ich kann immerhin ziemlich gut schlau daherreden, wenn es Übertragungen von Turnieren im Fernsehen gibt. Aber natürlich ist das in live alles noch viel besser. Seit ewigen Zeiten geht deswegen Familie Miss Sophie jährlich zum Springderby nach Klein-Flottbek. In letzter Zeit allerdings ab und zu leicht entnervt, weil nach dem spannenden Sport eine geschlagene Stunde vergeht, bis die Siegerehrung kommt. In der Zwischenzeit wird der komplette Tchibo-Geschäftsvorstand (Haupt-Sponsor), die zweite Bürgermeisterin und last but not least Veronica Ferres auf den Rasen geschleppt und interviewt. Keiner weiß wieso.

Dieses Jahr bot es sich an, das Burgturnier in Nörten-Hardenberg (ja, der Korn! Schön, daß Ihr mitmacht, liebe Leser!) wahrzunehmen, denn das ist in der Nähe von Göttingen. Konnte gleich mit einem elterlichen Besuch verbunden werden.

Kommen wir nun also zurück zum Titel des Posts: Schirme brauchten wir, weil wir auf den billigen unüberdachten Plätzen saßen, was eigentlich nicht so mein Stil ist. Aber für die guten waren wir einfach zu spät dran. Also kam zwei Mal das Regencape zum Einsatz. Charme hat dieses Turnier auf jeden Fall und man kann es absolut empfehlen. Am Samstagabend gab es drei Springen und ein außerdem recht gutes Showprogramm. Alles wirkte ein wenig umprofessioneller als z.B. in Hamburg, aber wirklich äußerst charmant. So wurde z.B. der Parcours leidenschaftlich von den Göttinger Studentenreitern beharkt. Die harkten echt, was das Zeug hielt und das Auge freute sich. Reiter sehen ja im Schnitt ziemlich gut aus, hab ich das weiter oben eigentlich schon erwähnt?

Von der Teilnehmerliste her gab es ein Widersehen mit alten Bekannten. Neben ihrem guten Aussehen sind viele Reiter ja auch eigentlich recht sympathisch und nicht wenige haben eine richtige „Fan-Base“. Gut, meistens pubertierende Mädchen, aber wenigstens müssen sie nicht singen für ihr Geld. Aber auch bei alten Recken wie Hugo Simon, mittlerweile 65 und gefühlt breiter als hoch, gingen die Leute ab wie Pommes, wie man so schön sagt. Natürlich trug die reichliche Verteilung von Hardenberg-Produkten zur allgemeinen Stimmung bei. Meine Mama bekam sogar eine Freihaus-Lieferung: Ein paar liebestolle Burschen wollten im jugendlichen Überschwang ein paar Mädels mit kleinen Keilern bewerfen – und trafen meine Mama an der Schläfe. Die „hochanständigen jungen Männern“ (wie es später hieß, ich verpaßte diesen Höhepunkt des Abends natürlich in der Pita-Brot-Schlange…) kamen aber sofort an, entschuldigten sich aufs Förmlichste und meine Mama handelte noch einen Extra-Keiler für meinen Papa raus.

Höhepunkt des Abends bildete ein Feuerwerk um Mitternacht, das sich tatsächlich gewaschen hatte. Von der romantisch beleuchteten Burgruine (die man von den teuren Plätzen im Übrigen die ganze Zeit im Auge gehabt hätte) wurde ca. 15 Minuten abgeschossen, was das Gemäuer hielt. Das war aber nicht nur lange und laut, sondern auch wirklich hübsch und passend zur Musik. Ich sage es ungern in Richtung Hamburg, aber da muß sich das Kirschblütenfest warm anziehen. Und immer wieder die Silhouette der Burgruine vor grünlich waberndem Rauch – ziemlich pittoresk.

Heute ging es übrigens weiter, wenn um die „Goldene Peitsche“ geritten wurde. Insgesamt eine echte Empfehlung für Pferdefreunde im Raum Göttingen. Nächstes Jahr sind wir auf jeden Fall wieder dabei.

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4 Antworten zu Mit Schirm, Charme und kleinem Keiler

  1. Thomas schreibt:

    Nachdem ich hier noch mal von einer Reiterin höre/lese, dass Pferde an sich eher dumme Tiere sind, frage ich mich mehr oder weniger woher dann dieses scheinbare Faszination für diese Tiere kommt. Oder ist das gerade der Grund?

    Ich selber war bei meinen gelegentlichen Ausflügen im Sattel, allerdings schon Jahre her, war ich ja immer froh das Pferd zurück in den Stall gebracht zu haben. Obwohl man nachträglich eher glauben könnte, das Pferd hätte den Weg alleine gefunden und wäre so gnädig gewesen mich nicht zwischendurch abzuwerfen. Aber das würde dann ja doch eher wieder für die Intelligenz dieser Tiere sprechen – also das Heimfinden, nicht das Nicht-Abwerfen. 😉

  2. Miss Sophie schreibt:

    Die kleinen Mädels, die so richtig auf Ponys abgehen, sind sicher auch der Meinung, daß ihr Tierchen das schlauste der Welt ist. Ich seh mir ein hübsches Pferdchen nur vergleichsweise lieber an als, sagen wir mal, eine Kellerassel oder so. Und die kann auch nicht so hoch hüpfen. Ist also rein optische Faszination – soll es ja auch bei anderen Spezies geben 😉

  3. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Und Pferde sind ja quasi die Autos von gestern. Oder vorgestern. Deshalb sind die schon – aus der Ferne wenigstens – was Tolles. Warum alle kleinen Mädchen für Pferde schwärmen, mich selbst eingeschlossen, ist und bleibt mir aber ein Rätsel.

    Das mit dem Flaschen-Attentat klingt aber gefährlich! Da hat deine Mutter noch mal Glück gehabt, hätte bestimmt auch leicht eine schöne Platzwunde oder so geben können…

    Feuerwerke finde ich eigentlich nie besonders toll. Auch nicht wenn sie, obwohl ich mir das schlecht vorstellen kann, zur Musik passen. 😉

  4. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Zum del.icio.us-Widget: Ziemlich fieses Spielchen, mit den Billardkugeln… Ich muss mich schon stoppen, sonst geht das den ganzen Nachmittag so… 🙂 Ist aber ein nettes Feature, nä? 😉

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