Grausamkeiten moderner Technik

Als ich heute mal kurz nach meinem Handy schauen wollte, mußte ich feststellen, daß es nicht da war. Eigentlich konnte es nur in einer meiner zehntausend Taschen und Tüten sein, mit denen ich immer zwischen Hamburg und Göttingen pendele und alle diese Tüten standen um mich herum im Büro drapiert. Und eigentlich konnte es auch nur in der Handtasche sein. Ich funkte also vom Büro aus mein Handy an, um festzustellen, daß sich nichts, aber auch gar nichts, tat. Also konnte das Handy nur zuhause sein. Toll, da war es natürlich auch nicht.

Man muß dazu sagen, daß der Materialwert meines Handys bei ungefähr genau Null Euro liegt. Ein uraltes A50 von Siemens. Andererseits sollte man aber auch wissen, daß ich mein Handy sehr gern habe. Es ist so schön knubbelig, das Logo ist ein süßer Teddy und wenn man es an oder ausschaltet, dann watschelt eine Enten-Familie über den Bildschirm. Selbstverständlich ist es weder in der Lage, Fotos zu machen, noch polyphone Klingeltöne abzuspielen oder ähnliches. Es ist ziemlich old school, aber auf eine putzige Art. Wie seine Besitzerin. Was mich nun aber fertigmachte, war die Tatsache, daß ich das Handy anrufen konnte. Dann klingelte es munter und nach ein paar Mal Klingeln ging die Mobilbox ran. Der Gedanke, daß irgendwo da draußen, in der Bahn, im Straßengraben, in einem Lager der polnischen Handy-Mafia, wo auch immer, mein kleines tapferes A50 lag und traurig vor sich hinklingelte, weil ich, sein treues Frauchen, es anrief und doch nie wieder bei ihm sein könnte, machte mich irgendwie wahnsinnig. Irgendwann würde zudem der Akku alle sein und der alte Freund wäre auf immer verstummt. Zu guter Letzt wäre man ja jederzeit technisch in der Lage, das Handy zu orten, nur ist das rechtlich nur nach vorheriger Freischaltung durch SMS erlaubt. Super!

Um es kurz zu machen: Als ich später noch mal ins Büro ging, war gleich der erste Kommentar meines Kollegen: „Da hat vorhin was vibriert.“ Normalerweise vibriert das Teil auch ziemlich laut, bloß mußte ich es beim ersten Versuch im Büro überhört haben. Vielleicht bubberte mein Herzchen da schon zu laut. Tatsächlich lag das gute alte A50 ganz unten in meinem Rucksack. Nun überlege ich aber wirklich, es mal für diese Ortungsgeschichte zu aktivieren. Noch einmal eine solche Aktion machen meine Nerven auch irgendwie nicht mehr mit.

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4 Antworten zu Grausamkeiten moderner Technik

  1. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Das Schlimmste ist ja eigentlich nicht der Verlust des Handys, sondern der Datenverlust. Aber natürlich, wenn man schon ein paar Jahre mit seinem putzigen Handy zugebracht hat, würde selbst das weh tun. Kann ich schon verstehen, obwohl ich selbst nach einigen Handyverlusten mich davon materiell angenabelt habe.

    Dass man aber an seinem Handy hängt, kann ich grundsätzlich schon verstehen. Mein altes (wenn auch nicht ganz so altes 😉 ) SL 55 konnte blind bedienen, alles andere ist ein neues Lern-Muss… Demnächst muss ich mir ein neues aussuchen. Mir graut schon.

  2. Miss Sophie schreibt:

    Ja, der Datenverlust wäre auch blöd gewesen, aber sooo viele Nummern hab ich eigentlich auch nicht drin in dem Ding. Und ich hab ja auch nur eine Prepaid-Karte, ich hätte es also noch nicht mal sperren lassen müssen oder so.

    Aber daß wir jetzt wieder zusammen sind, ist eben einfach schön! 🙂

    Tolles neues Feature bei den „Neuesten Kommentaren“: Kaum blenden die da die Avatare ein, stimmt die Anzeige auch schon nicht mehr

  3. Miss Sophie schreibt:

    Aha, jetzt geht es wieder, aber eben hinkte es hinterher.

  4. bullion schreibt:

    Oh ich kenn dieses Gefühl. Ganz ganz schlimm. Hatte ich neulich auch erst: Ich war in der Stadt einkaufen, komme heim und das Handy ist weg. Hab es natürlich auch angerufen: Nichts. Nachdem ich mich schon verrückt gemacht hatte inkl. auf den Kopf stellen der gesamten Wohnung, habe ich mich dazu durchgerungen nochmal in die Stadt zu fahren um meine Wege abzugehen.

    Im Auto habe ich es dann gefunden. Es scheint mir aus der Tasche gerutscht zu sein. Das war dann mal ein Glücksgefühl… 😉

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