Bye, bye, Bern

Und schon hieß es wieder Abschied nehmen aus Bern. Und das bei sommerlichen Temperaturen. Hochsommerlichen Temperaturen. Da wäre wirklich ein Bad in der Aare einladend gewesen. Obwohl ich das Konzept: „Ich springe irgendwo, mitten in einer Großstadt, in einen Fluß mit ziemlicher Strömung, und versuch mal, etwas flußabwärts wieder an Land zu kommen“ tendenziell fraglich finde. Ach, mir fehlt der Schweizer Spirit.

Fazit zur Schweiz: Die Schweiz ist toll. Die Herren sind charmant, ohne aufdringlich zu sein. Der Schweizer an sich ist höflich, gastfreundlich und pünktlich. An einigen Stellen kommt mir vielleicht die italienische Lebensfreude zu sehr durch (dem Hanseatischen in mir ist das suspekt). Berge sind toll, fand ich auch schon immer, viel besser als das Meer. Meer ist ja sowieso überbewertet. Wenn man Wasser möchte, dann gibt es smaragdgrüne Bergseen in der Schweiz und das ganz ohne das ätzende Salz im Haar, kneifende Krebse und verrottende Quallen.
Was, wie schon geahnt, am meisten für Verwirrung sorgte, war die Sprache. Wahrscheinlich auch bedingt durch die englischsprachige Konferenz, war ich ständig in Versuchung, englisch zu sprechen, weil einfach keine bekannten Wörter an mein Kleinhirn klopften. Zwar geben sich die Schweizer Mühe, aber es sind eben gerade die kleinen Dinge, die dann verwirren. Englisch kann ich z.B. nicht so gut, als daß ich merken würde, wenn jemand subtile grammatikalische Fehler einbaut. Das übernehme ich schließlich schon selbst. Wenn die Schweizer aber z.B. Deutsch schreiben und es dann irgendwie doch nicht tun, macht mich das fertig. Beispiel? Der Schweizer hat eine gesunde Abneigung gegen das Wort „wegen“, wie es scheint. So hieß es z.B. auf einem Schild „Hotelbar zwecks Betriebsferien geschlossen“. An einem Geschäft war zu lesen: „Betreffend Krankheit geschlossen“ Ist „wegen“ in Bern irgendwie verboten oder klingt es so im Schweizer Öhrchen tatsächlich besser? (Was etwas gehässig klingt und natürlich nicht böse gemeint ist, liebe Schweizer, würde mich tatsächlich mal interessieren.)

Fazit zu Bern: Eine tolle Stadt. Vor allem extrem international, modern, aber auch niedlich und mit viel Flair. Sicher, die Stadt ist gerade eine riesige Baustelle (betreffend Euro 08), aber der Berner an sich scheint auch Tage damit verbringen zu können, den Bauarbeitern zuzuschauen. Shoppen in Bern schockt. Nicht nur, daß mein bevorzugtes Andenken, eine Uhr, hier per se ein Luxusobjekt zu sein scheint und ausschließlich als solches gehandelt wird (es ist auf eine Swatch hinausgelaufen. Aber, hey, kommt schließlich auch aus der Schweiz!), das Shoppen ist vor allem eins: Exklusiv! Und diskret. Die kleinen Schaufensterchen unter den Arkaden (Landessprache: „Lauben“) der Markt- oder Kramgasse lassen nur erahnen, welche Preziosen sich hinter ihnen verbergen. Zwischen Antiquitätenläden und Juwelieren finden sich aber auch immer wieder ganz normale Läden, was auch Normalbürgern einen Bummel ermöglicht. Trotzdem: Gegen das historische Flair und die diskrete Exklusivität wirkt der Neue Wall in Hamburg irgendwie neureich und vulgär.

Fazit zur Konferenz: Fotos folgen noch. Eines ist schon mal klar: Mathematiker sind furchtbar nette Leute. Sicher, ein komischer Haufen, und einige könnten wirklich mal ihre Outfits überdenken, aber furchtbar nett. Der Mathematiker an sich scheint eine hohe Tendenz zum Wandern und überhaupt zur Natur zu haben, die ich nicht so ganz nachvollziehen kann. Vielleicht kann er da gut denken, ich kann das unter der Dusche. Er ist ziemlich tolerant und dann doch meistens sozial kompetenter als man glaubt. Zumindest wenn er unter sich bleibt. Zudem hält er sich ganz gut, was natürlich am Wandern liegen könnte. Oder an der steten Glückseligkeit, die Mathematik eben so vermittelt, die macht froh und glättet Falten.

Im Vergleich zu Bern wirken deutsche Städte irgendwie grau und pappig, sowohl das süße kleine Göttingen als auch das große weite Hamburg. Tatsächlich verläßt man die Schweiz mit einer kleinen Depression, so als würde man aus einer kleinen rosa Wolke wieder in die Realität geworfen. Und das will bei mir was heißen, schließlich komme ich normalerweise wahnsinnig gerne nach einer Reise wieder an. Diese Depression wird durch die Tatsache, daß ich mich in exakt dreißig Minuten von meinen beiden rechtsseitigen Weisheitszähnen verabschieden muß, übrigens nur minimal gemildert…

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5 Antworten zu Bye, bye, Bern

  1. Dr.Bean schreibt:

    Jetzt ist es doch passiert (das „LOL“, fast „ROFL“). Bei Deinem Blog über den Zahnarzt. Tut das weh?…..

    Hierzu fiel mir dann auch noch ein Witz eines (amerikanischen) Kollegen ein, also Du solltest Dir wirklich einen männlichen Zahnarzt suchen: Eine Frau sitzt beim ZA im Behandlungsstuhl. Der Zahnarzt fasst den Bohrer an, die Frau fasst dem Zahnarzt an die E… (bestimmt wusste der Amerikaner es nicht politisch korrekter auszudrücken).
    Was soll denn das? fragt der Zahnarzt. Entgegnet die Frau:“WIr wollen uns doch gegenseitig nicht weh tun, oder?“

    Viel Erfolg bei der Weisheit…

  2. Miss Sophie schreibt:

    Mist, der Hinweis kam zu spät. So mache ich das einfach bei der linken Seite. Aber der Zahnarzt war auch supernett, der hat sogar noch hundert Mal gefragt, ob es wirklich nicht schlimm war.

    Übrigens müßte es heißen: „Bei Deinem POST über den Zahnarzt“ Das hier ist ein Blog, die einzelnen Beiträge sind Posts. 😉

  3. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Ach ja: Die Zange ist ja keine wirkliche Zange, mehr ein Hebel, oder? Kein schönes Geräusch, aber geht recht fix.

    Ich kann jedenfalls nicht glauben, dass es eine schönere Stadt als Hamburg gibt. Nein, nein, nein, nein. 😉

  4. Miss Sophie schreibt:

    Hmm, ich hatte ja die ganze Zeit die Augen zu, hab nur beim Hinsetzen ein bißchen auf die Apparaturen gelinst. Da lag da so einiges, was viel zu groß für meinen Mund aussah…

    Natürlich wissen wir irgendwo alle, daß Hamburg die schönste Stadt der Welt ist 🙂

  5. Bärner schreibt:

    Hallo Miss Sophie!

    Es freut mich sehr das es dir in Bern sehr gut gafallen hat!!!
    Da ich ja ein Berner bin! (nicht aus der Stadt, sondern von etwas ausserhalb auf dem land!!)
    Das mit den Baustallen ist mitlerweile schon sehr viel besser!!!
    Da die meisten zur Euro 08 fertig sein mussten!
    Hoffentlich warst du nicht das letzte mal in Bern!!
    „ä liebä Gruess us Bärn“

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