Von Mäusen und Menschen

So, das Büro ist praktisch ausgestorben, also ging es heute mal wieder alleine in die Mensa. Wenn man dabei andere Leute belauschen kann, ist das gar nicht mal so langweilig.

Das Mensaprogramm in Göttingen in den Semesterferien ist leider arg eingeschränkt. Meine Lieblingsmensa hat schon mal zu und auch in der Zentralmensa (für Hamburger: Unser Pendant zur „Schweinemensa“) ist die Auswahl nicht wie gewohnt. Immerhin wurde nicht an den Getränken gespart. Vor mir trafen sich zwei Burschen beim Colazapfen, und nach einem kurzen „Hey“ meinte der eine zum anderen: „Dir sieht man es auch nicht an der Nasenspitze an“ Der andere war verwirrt: „Was denn?“ „Ne, nix“ „Hä, was meinst Du denn?“ „Ne, is auch egal.“ „Jetz sach schon.“ Mittlerweile interessierte mich die Sache auch brennend. Das Gespräch der beiden endete an der Kasse mit der Aussage „Sach ich Dir, wenn wir sitzen.“ Ich widerstand dem Impuls, den beiden unauffälig zu folgen. Übrigens setzte sich der eine nicht sofort, sondern traf noch einen Dritten am Cola-Automaten. Begrüßung: „Hey, Dir sieht man es auch nicht an der Nasenspitze an.“

Ich war plötzlich umzingelt von Juristen. Auf der einen Seite ein paar, von denen ich nicht so viel mitbekam. Nur der eine hatte nicht so gute Laune und grummelte vor sich hin: „Mir geht das hier alles schon wieder auf den Sack – Göttingen und so.“

Tss, tss, tss. Auf der anderen Seite saßen ein Typ und zwei Mädels. Der Typ erzählte den Mädels davon, daß man wissenschaftlich festgestellt hatte, daß Mäuse und Fische, die nur ein Drittel der eigentlich erforderlichen Tagesration an Futter erhielten, länger lebten. Fische 50%, Mäuse 30%. Die Mädels heuchelten höflich Erstaunen und Interesse. Beide aßen einen Salat.
Es ist natürlich meine Pflicht, hier mal ein bißchen Recherche zu betreiben, also habe ich diesen Artikel gefunden. Tatsächlich, die hungernden Mäuschen lebten länger und waren noch nicht mal krank oder schwach:

Die Tiere in den Gruppen, die kalorienreduzierte Diät bekamen, seien weder unter- noch mangelernährt gewesen. Die meisten seien auch bei ihrem Tod nicht krank gewesen, wie die Untersuchung ergab. „Ihr einziges Problem: Sie waren tot“, so der Forscher.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

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7 Antworten zu Von Mäusen und Menschen

  1. Inishmore schreibt:

    Für mich folgere ich aus dem Mäuse-Experiment ganz klar: solange weniger zu fressen das Problem der Mortalität nicht beheben kann, schaufele ich weiter wie ein Mähdrescher.

  2. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Oh Menno, ich hätte jetzt ja zu gern gewusst, WAS man dem einen nicht an der Nasenspitze angesehen hat… Neugierde ist echt schlimm. 😉

    Zum Glück kann man ja nicht alle Tierversuch-Ergebnisse so 1:1 auf den Menschen übertragen…

  3. Miss Sophie schreibt:

    Es waren ja sogar gleich ZWEI, denen man es nicht angesehen hat. Und das macht die Sache noch viel mysteriöser… Nächstes Mal werde ich denen wohl wirklich folgen müssen – ich nenne es dann eben „investigativen Journalismus“.
    Daß die Mäuschen aber vollkommen gesund einfach tot umgekippt sind, ist schon bemerkenswert – das will ich schließlich auch (also nicht jetzt, aber eben, wenn es sein muß).

  4. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Vielleicht kannst du MP3-Player oder Handy nächstes Mal als Diktiertgerät verwenden und dann die „normale“ Geräuschkulisse später ausfiltern und nur das interessante Gespräch belauschen… Oder natürlich einfach unauffällig folgen, wobei das leichter gesagt als getan ist, finde ich.

  5. Ratilius schreibt:

    Den Spruch mit der Nasenspitze werde ich mal in meinem Umfeld probieren.
    Vielleicht verliert ja jemand die Nerven und gesteht 🙂

    Die Mäuse haben sich ihr ganzes Leben über vor dem Hungertod gefürchtet und mussten sicher immer energiesparend herumsitzen, kein wunder, dass sie länger gelebt haben.

  6. frau awa schreibt:

    Du schreibst nicht zufällig nebenberuflich Artikel beim Spiegel, gell

    http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,501470,00.html

  7. Miss Sophie schreibt:

    Hey, danke für den Link – trifft es einhundertprozentig!!! Hab ich aber nicht geschrieben 😉

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