Wer klaut denn sowas?

Heute morgen schwang ich mich wie immer auf meinen alten Kumpel, mein Fahhrad. Mittlerweile sind mein Drahtesel und ich wirklich dicke Freunde. Selbst in brenzligen Situation springe ich nicht mehr einfach in Panik irgendwie vom Rad runter, sondern setze bedächtig einen Fuß auf die Erde und lasse meinen Allerwertesten stets lässig auf dem Sattel. An einigen Stellen in Göttingen ist der Radweg übrigens ein bißchen schief, häufig Richtung Straße geneigt und Richtung Bürgersteig höher. Radelt man an einer solchen Stelle auf eine rote Ampel zu, dann empfiehlt es sich, so zu bremsen, daß das linke Bein auf der Pedale ruhen bleibt und das rechte Bein auf den Boden gestellt wird. Oder besser: Beherzigt man diesen Tipp nicht, ist das linke Bein plötzlich zu kurz und man kippt um. Nur mal so bemerkt.

Aber zurück zu heute morgen: Ich war gerade zehn Meter geradelt, also von der Haustür bis zur Straße, als ich merkte, daß irgendwas mit meiner Hose passierte. Zwei Pedalumdrehungen später war klar, daß es irgendwas mit dem Rad zu tun hatte und Absteigen angeraten wäre. Ich konnte gerade noch absteigen, war jedoch irgendwie an mein Rad getütelt und gab ein trauriges Bild ab. Neben dem Rad stehend konnte ich mich zu wenig bewegen, um die Hose vom Rad zu lösen. Ich wackelte ein wenig herum und zum Glück kam gerade eine nette Dame vorbei, die mir (nachdem sie erstmal nur einen Kommentar abgelassen hatte, aber dann doch von meiner Hilflosigkeit gerührt war oder so) behilflich war: Sie hielt das Rad, während ich meine Hose von selbigem löste. Wäre die Dame nicht gekommen (und das war verdammtes Glück, denn in der Straße ist nicht viel los. Eigentlich höchstens marodierende Jugend-Gangs, die in diesem Fall wohl auch keine Hilfe gewesen wären und nur voll mit der Handy-Kamera draufgehalten hätten…) hätte ich mich mit dem Rad mehr oder weniger kontrolliert zu Boden hätte schmeißen müssen, um liegend die Misere zu beheben.

Fragt sich der geneigte Leser: Wie konnte das alles passieren? Meine Hose hatte sich nicht, wie zunächst anzunehmen gewesen wäre, in der Kette verheddert, sondern am Festhaltepinökel der Luftpumpe. Was heute morgen exakt zu dem Moment machte, an dem ich feststellte, daß mir meine Luftpumpe geklaut worden war. Meine Luftpumpe geklaut. Ernsthaft! Wie deprimierend ist es denn bitte, ein Luftpumpe zu klauen? Ich meine, was für eine Art von Gangster ist man bitte, wenn man etwas weitestgehend Nutzloses, relativ Günstiges und vor allem vollkommen Ungesichertes klaut? Wie verzweifelt muß man sein? Und selbst wenn man verzweifelt ist, weil man gerade einen Platten hat: Könnte man sich das Ding dann nicht einfach leihen? Und wieder an Ort und Stelle zurückklemmen?

Herrjeh, so ein Klau nützt keinem was und kostet mich nur Zeit und Nerven. Immerhin fehlt jetzt ein Originalteil an meinem Rad. Das ist so, als hätte man ihm den Mercedes-Stern abgebrochen! Andererseits scheint es auch nicht sinnvoll, in eine Ersatzpumpe zu investieren – es ist nicht meine Aufgabe, das hiesige Kleinganoventum zu sponsern. Trotzdem muß irgendwas an dem Pinökel unternommen werden, um weitere Katastrophen zu vermeiden. Bis jemand mit funktionierender Flex in Göttingen aufgetrieben worden ist, bin ich das Mädel, das mit dusselig hochgekrempelten Jeans Fahrrad fährt.

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9 Antworten zu Wer klaut denn sowas?

  1. bullion schreibt:

    Und ich hielt Leute, die mit hochgekrempelter Hose radfahren immer für eitle Snobs. Nun weiß ich aber, dass sie eigentlich Opfer sind. Mein Aufruf daher an die Kleinganoven: Gebt Miss Sophie ihre Luftpumpe zurück!

    …ob das hilft? 😉

  2. Ratilius schreibt:

    Eine Luftpumpe kann durchaus einen gewissen Wert haben, wenn man mit einem Platten in der Prärie steht.
    Hab wieder ein neues Wort von Dir gelernt: Pinökel.

    Ich hätte das Corpus delicti nach längerem Überlegen als „Zapfen“ bezeichnet.

    Vielleicht kann man ja etwas daran befestigen (Sück Korken, Klebeband) um die Gefahr zu bannen.

  3. Inishmore schreibt:

    Das Böse ist immer und überall. Auch in der Nähe von Luftpumpen. Mein Mitgefühl ist dir sicher. Immerhin kenne ich seit diesem Beitrag den Fachterminus „Pinökel“, den ich fortan in Gesprächen einfach mal ab und an fallen lassen werde. Vielleicht im Zusammenhang mit fehlenden Luftpumpen und hochgekrempelten Jeans.

  4. Miss Sophie schreibt:

    Oh, da habe ich ja echt was zur Weiterbildung getan. Man kann wohl auch „Pinörkel“ oder „Pinöpel“ sagen. Ich verwende das relativ synonym mit „Nupsi“, aber „Nupsi“ ist eher kleiner und runder, „Pinökel“ ist eher was Spitzes. So ist das nämlich 😉

  5. Hamburger schreibt:

    Ich muss ja ganz ehrlich gestehen, dass ich zum aufpumpen meines Fahrrades auch gern ungefragt die Luftpumpen meiner Nachbarn entleihe. Allerdings bringe ich sie anschließend auch wieder zurück. Vielleicht warst Du an diesem Morgen einfach fünf Minuten zu früh dran?

  6. Miss Sophie schreibt:

    Hmm, wer auch immer das getan hätte, er hat sich mit der Pumpe dann wohl in ein ruhiges Eckchen verzogen, weil ich niemand Verdächtigen in der Nähe von meinem Drahtesel bemerkt habe. Ich werd mir jetzt eine neue kaufen und in der Wohnung deponieren. Oder weiterhin meinen Kollegen nerven, der hat sowieso eine viel bessere 😉

  7. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Ich verstehe ja schon nicht, wie man überhaupt Fahrräder klauen kann – man kann sich doch ganz leicht vorstellen, dass das jemand anders gehört und derjenige echt sauer sein wird, oder? Aber Luftpumpen… Das ist eigentlich noch schlimmer.

  8. roberto schreibt:

    Hübschestes Kleinod der Banalitäten, das ich in meinem bisherigen Leben jeh gelesen hab 🙂
    Congratulations.

  9. Pingback: Schweine! « Miss Sophies Blog

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