Beim Zoll

Heute mal ein Beitrag aus der beliebten Reihe „Tolle Abenteuer für umsonst“ oder „Miss Sophie erkundet die Welt“.

Seit genau einer Woche warte ich darauf, daß mich ein Paket aus England erreicht, Inhalt: Wolle und eine Strickanleitung. Schon am letzten Dienstag wurde es auf die Reise geschickt, wie man mir mitteilte und so langsam wurde es Zeit. Na, wenn Royal Mail im Spiel ist, wundert man sich über gar nichts mehr.

Ich öffnete heute abend also den Briefkasten in der Erwartung, eine von den hübschen Paketbenachrichtigungskarten vorzufinden, stattdessen lag dort ein krakelig beschriebener Brief mit dem Absender „Deutsche Post“ drin. Konnte wenig Gutes heißen, wahrscheinlich was in der Art: „Tut uns leid, wir haben Ihr Paket verschlampt. Als Teil der neuen Serviceoffensive bedauern wir es, daß wir das immer noch nicht im Griff haben, aber jetzt schicken wir Ihnen wenigstens eine Karte. Unser Beileid, Ihre Post.“

Nein, viel besser: Drinnen lag ein dreiteiliger Schrieb vom Zoll. Da schlug mein Herzchen schon schneller. Zoll ist bei mir wie Polizei. Generell stehe ich denen freundlich gesinnt gegenüber, aber ich möchte keine Post von denen. Bei den Absendern wird man erst mal stutzig und überlegt, was man bislang so Illegales betrieben hat. Und ist man erst mal bei den Geschwindigkeitsübertretungen angekommen, kann das länger dauern. Aber eine direkte Anklage gab es erstmal nicht. Eigentlich habe ich gar nicht verstanden, was die von mir wollten. Man konnte zwar viel auf den Zetteln ankreuzen und ausfüllen, aber was ihnen fehlte, blieb schleierhaft.

Immerhin hatte ich Glück im Unglück: Das Zollamt ist exakt 800 Meter von meiner Wohnung entfernt oder so. Also stattete ich den netten Herren mal einen Besuch ab und fand mich kurz darauf in einer guten deutschen Amtsstube (inklusive Horst-Köhler-Portrait) wieder. Nachdem der Typ vor mir mit den Rücklichtern (ernsthaft, da sind wir Export-Weltmeister und das Auto-Land schlechthin und importieren Rücklichter…) endlich abgefertigt war, kam ich an die Reihe. „So, Sie haben also Post bekommen. Aha. Mit einem Paket aus … England. Äh, England?“ Tja, ich hatte ja auch keinen Plan, wie ich in all das verwickelt wurde, schließlich gehört England zu EU und da hat der Zoll doch eigentlich nix mit zu schaffen. Weiß doch sogar ich. „Na gut, vielleicht stand da irgendwo „Made in China“ drauf…“ murmelte der ansonsten sehr nette Zöllner. Sekunden später tauchte er mit einem Paket wieder am Schalter auf. „Was ist denn da eigentlich drin?“ „Äh, Wolle.“ „So, so. Dann zeigen Sie mir mal kurz die Wolle.“ Ich durfte das Paket also aufmachen und der Zöllner warf einen Blick auf die darin befindliche – Wolle. Ungefährlich und friedfertig kuschelten sich die Knäuel aneinander.

Was das alles sollte, konnte er mir leider auch nicht erklären, auf mein etwas verwirrtes Nachfragen erklärte er mir aber bereitwillig und sehr freundlich, was es überhaupt so mit Zöllen und Einfuhrbeschränkungen auf sich hat. Und daß der zuständige Postbeamte wohl etwas übereifrig war. Also, so einen Besuch beim Zoll kann ich nur empfehlen. Gelegenheiten bieten sich schneller als man denkt.

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7 Antworten zu Beim Zoll

  1. Thomas schreibt:

    Na ja, angesichts der aktuellen Terrorangst könnte man ja vermuten, da könnte jemand Pullover für Terroristen stricken.

    Aber mal ernsthaft, dass Pakete geöffnet werden finde ich ja durchaus in Ordnung, ist mir bei Außer-EU-Lieferungen auch schon passiert, aber ich erwarte dann zumindest, dass das Paket danach wieder per Post weiter verschickt wird, statt es mir persönlich beim Zoll abholen zu müssen.

  2. roberto schreibt:

    Göttinger Zoll.
    Roberto holt Swatch Clubuhr für Schwester der Exfrau ab, da beide inzwischen in Ungarn. Anyway. Swatch verschickt freundlicherweise die Clubuhren neuerdings direkt aus der Schweiz, nicht wie früher aus der Clubzentrale in Frankfurt.
    Folgerichtig Einladung zum Zoll.
    Paketöffnung wie von Dir beschrieben, inklusive netter Zöllner und ähnliche Worte. (Soso, dann zeigen Sie mal die Uhr.) Ich glaub, das übt der jeden Morgen vor dem Spiegel.
    Hab ihm dann erklärt, dass die Clubuhr eigentlich von Swatch ein Geschenk ist – hat ihn aber nicht besonders beeindruckt. Da ich gut vorbereitet keine Rechnung dabeihatte, musste er die Uhr schätzen, und das tat er dann auch. Am Ende war ich 10 Euro leichter, danke auch an dieser Stelle nochmal an Swatch, tolle Firma, mag ich.

    ABER.

    Darum gings mir garnicht.
    Während Zöllner bei Ebay (!) versuchte, den Preis meiner Uhr herauszufinden, ließ ein anderer armer Irrer, der glaubte, günstiger bei ebendieser Plattform was ersteigern zu können, grad den Inhalt SEINES Paketes überprüfen. Er hatte für 35 oder so Euro ein Modem bestellt (Keine Ahnung, wozu man das heutzutage noch braucht, noch dazu über Direktimport, aber egal), das Paket kam direkt aus China. Die Verpackung wie bei Saturn, MediaMarkt et.al., von Belkin glaub ich. Die hier ja auch mit „Made in China“ verkauft werden.
    Nach kurzem Blick auf eine mysteriöse Liste meinte dann sein Zöllner zu dem seine Geldbörse bereits zückenden Herrn: „Tut mir leid, diese Ware muss ich leider konfiszieren“.
    Ich glaube, ich hatte eher „was?!“ gesagt, als der Betroffene… ich bestell halt auch schon mal aus China, bisher ohne diese Erfahrung.
    „Jaaaha“, meinte der Zöllner und wedelte stolz mit seiner Liste. „Hier steht, alle Markenartikel, die aus China kommen, müssen wir als Fälschungen betrachten, und einbehalten. Die verden dann zerstört.“

    Ende des Lieds: der Herr durfte sich arg sauer und traurig und am Boden zerstört ohne sein bestelltes Modem schleichen, und irgendwann wird ein Zoll-Trecker über ein niegelnagelneues Belkin-Teil drüberrummsen.

    Ich meine… das NEKI Turnschuhe und SEIMENS Telefone nicht auf den Markt sollen, kann ich eventuell ja noch nachvollziehen, auch wenn NIKE und SIEMENS dort selbst produzieren lässt (okay, Siemens ja nun nicht mehr.)…

    Aber sowas… *kopfschüttel*
    Ich fürchte, wir haben einen neuen Handelskrieg.
    Dass seltsamerweise grad jetzt so viele chinesische Produkte in Verruf kommen, halte ich für keinen Zufall. Und fernab jeglicher Verschwörungstheorien:
    Fakt ist, dass die Handelsbilanz mit China grad für Amerika und Westeuropa nicht so prickelnd ist… Und ebenfalls Fakt, dass China beim Verkauf westlicher, vor allem amerikanischer Staatspapiere (als Antwort auf z.B. offizielle neue Schutzzölle) sicherlich die Wirtschaft dieser Länder schädigen würde.
    Also hat man sich eine neue Methode überlegt.
    Markenschutz-Blabla, Qualiprobleme und Bedienungsanleitungs-Regularien.

    Solange die Produkte dadurch billiger UND besser werden – von mir aus!

    Aber dass der Handel über Ebay so kaputtgemacht wird, find ich nicht okay.

    Im Anschluss war ich dann jedenfalls mit meinen 10 Euro recht zufrieden.
    Immerhin… Auch etwas.

  3. Annkari schreibt:

    Oh mann!

    Ich stand auch schon mal beim Zoll und hab versucht dem netten Beamten zu verklickern, dass diese 13mm Glaszylinder wirklich und in echt bloß Ohrringe sind. Das hat ein bisschen gedauert.

    Da fällt mir ein, dass ich ja immer noch auf mein DVD-Paket aus den USA warte. Ob die sich beim Zoll wohl grad meine 3. Staffel House zu Gemüte führen?

  4. Ratilius schreibt:

    Englische Wolle von glücklichen englischen Schafen?

    Eine Freundin war in Amerika groß shoppen und hat auf die Frage des Zöllners ob sie dort wohl etwas gekauft habe stolz die ganze Kollektion vorgeführt und anschließend (etwas weniger euphorisch) die Zeche beglichen.

    Naja Handel ist ja die Quelle des Wohlstandes und so 🙂

  5. Ratilius schreibt:

    Wobei ich auch schon von Leuten gehört habe, die am Flughafen ihre Steuern zurückbekommen haben, „Tax Refund“ wenn sie das Land verlassen
    Scheint alles ein nehmen und geben zu sein.

  6. Miss Sophie schreibt:

    Ne, die Wolle ist „made in Italy“.
    Ich glaub, wenn man z.B. als Ami in der EU einkauft und dann zurück in die Staaten jettet, kriegt man die Mehrwertsteuer zurück. Oder so.

  7. Pingback: Der starke Euro | icewind's Blog ³

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