Filmkritik: „Abbitte“

abbitte-poster-01.jpgInhalt: England, ein wunderschönes Herrenhaus in the countryside, 1935. Es ist ein drückend heißer Sommertag und die 13-jährige Briony (Saoirse Ronan) schreibt gerade an einem Theaterstück. Sie gehört zu der Sorte Kind, die schon ziemlich früh ziemlich entschlossen und extrem phantasievoll sind. Außerdem entgeht ihr nichts in ihrer Umgebung. So auch nicht die Anziehungskräfte zwischen dem Hausangstelltensohn Robbie (James McAvoy) und ihrer Schwester Cecilia (Keira Knightley). Doch dann überschlagen sich die Ereignisse, ihre Cousine wird vergewaltigt und Briony zieht aus dem, was sie gesehen, aber noch nicht einordnen konnte, die falschen Schlüsse: Robbie sei der Täter! Nach drei Jahren Gefängnis scheint es eine erneute Chance für die beiden Liebenden zu geben, als Cecilia und Robbie, sie, der Familie entflohen, mittlerweile Krankenschwester, und er, Soldat, sich kurz nach Kriegsausbruch in London treffen. Doch Robbie muß an die Front und so werden sie erneut auseinandergerissen.

Kritik: Auf den ersten Blick hört sich „Abbitte“ nach einem richtigen Frauen-Taschentuch-bereithalten-Film an. Das romantisch verklärte junge Paar, das durch widrigste Umstände auseinandergetrieben wird und schließlich durch die Wirren des Krieges getrennt. Passend besetzt mit Keira Knightley (sicherlich immer noch etwas dünn und pferdegebissig, aber trotzdem irgendwie umwerfend schön) und James McAvoy (auch ein toller Kerl, wenn man das so sagen darf). Zunächst sieht es auch tatsächlich so aus, als wäre dies die Hauptthematik des Films. Wobei schon von Anfang an durch die geschickte Kameraführung, die passende musikalische Untermalung und den Einsatz von wiederkehrenden Motiven klar ist, daß man das Hirn besser nicht ganz ausschalten sollte. Auch schon mal deswegen nicht, um noch bei den verschiedenen Zeitsprüngen in der Geschichte mitzukommen (die aber freundlicherweise stets anhand von Einblendungen eingeordnet werden können).

Letztendlich ist der Film dann aber doch weit mehr, wobei hier auch nicht zu viel verraten werden soll. Zwar könnte man nicht direkt „Spoiler“ preisgeben, aber dennoch sollte am besten jeder selber erfahren, wie im Verlauf des Filmes die Perspektive wechselt und auch die Sicht des Zuschauers auf die Figuren. Wie der Titel ja schon vermuten läßt, geht es nämlich nicht unbedingt in erster Linie um eine tragische Lovestory, sondern vor allem um den Umgang mit Schuld. Vor allem solcher, von der man nicht wirklich sagen kann, ob, angesichts der Umstände, „Schuld“ hier überhaupt das richtige Wort ist. Dieser „Twist“, wenn man so will, macht „Abbitte“ zu einer absoluten Empfehlung des ausgehenden Kinojahres 2007. Sicherlich auch ein ganz heißer Kandidat für die Oscars, auch wenn dies an der ein oder anderen Stelle vielleicht ein bißchen zu sehr forciert wurde. Taschentücher sollte man im Übrigen trotzdem dabei haben…

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8 Antworten zu Filmkritik: „Abbitte“

  1. Thomas schreibt:

    Keira Knightley zu dünn? Ja, kein Zweifel. Aber „pferdegebissig“? Lassen wir das … 😀

    Aber stimmt schon, ein großer Film (auch wenn er es in meiner diesjährigen Top10 nur auf den 4. Platz geschafft hat). Besonders das Ende hat mir sehr gut gefallen, aber warum kann ich dann des Spoilers wegen nicht sagen. Aber es war wirklich mal was anderes …

  2. Miss Sophie schreibt:

    Du bist da nicht ganz objektiv, fürchte ich 😉 Irgendwie scheint Ihr Gesicht nur aus Knochen zu bestehen und das lenkt den Fokus auf das Gebiß, finde ich.
    Aber von Frau zu Frau möchte ich ihr durchaus zugestehen, daß sie wirklich eine tolle, unglaublich elegante Ausstrahlung hat. Die wurde durch die schönen dreißiger-Jahre-Kostüme (vor allem das grüne Seidenkleid!) auch hervorragend unterstrichen. Insofern wundert mich lediglich Platz 4 auf Deiner Liste auch ein bißchen…

  3. Thomas schreibt:

    Vielleicht habe ich versucht so zu tun, als wäre ich da doch objektiv und habe am Ende pauschal ein paar Punkte am Ende wieder abgezogen. Aber ich glaube auch mit dem Keira-Bonus wären zumindest „Tagebuch eines Skandals“ und „Irina Palm“ noch vorn gelegen.

  4. Miss Sophie schreibt:

    „Irina Palm“ läuft bald im Uni-Kino, werde ich dann nochmal nachholen und bin auch schon gespannt.

  5. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Ich war auch ganz schön begeistert von dem Film, gerade weil er gar nicht so sehr kitschige love story ist, wie er Glauben machen will. (Oder die Kinobesitzer… 😉 ) Die Kriegsszenen waren z. B. teilweise ganz schön hart, fand ich. Zum stimmigen Gesamtbild haben auch Musik und die wunderbaren Bilder ihren Teil beigetragen. Vom gelungenen Ende ganz zu schweigen…

  6. bullion schreibt:

    Schöne Kritik zu einem mir (noch) unbekannten Film, der kommende Woche in unserem Dorfkino läuft. Vielleicht schaffe ich es im Vorweihnachtstrubel ja einmal mir einen Abend freizuschaufeln. Lohnen würde es sich ja anscheinend.

  7. Richard K. Breuer schreibt:

    Ja, Film ist durchaus zu empfehlen. Freilich, kein happy-family-Sonntag-Nachmittags-Film 😉

  8. grossesmanitu schreibt:

    Passender Text. Eben, ausser das mit dem Pferdegebiss 😉

    Fuer mich war klar die kleine Briony (Saoirse Ronan) die groesste Ueberraschung. Habe sie vorher noch nie in einem Film gesehen.
    Die mittlere Briony hat ein bischen den „Psycho-Blick“.

    Meine ganze Meinung .

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