Tim Mälzer – live!

Gestern war es also so weit – ich live bei Tim Mälzer. Die Karte hatte ich geschenkt bekommen – auf den letzten Drücker hatte sich meine Mama dann auch noch eine besorgt, also wurde in trauter Zweisamkeit Richtung CCH gegurkt. Während wir im Bistro des Radisson noch eine kurze Stärkung zu uns nahmen (schließlich stand zu befürchten, daß es zwar gut riechen, aber nicht zwischen die Zähne geben würde während der Show) wurden wir zufällig Zeuge, wie sich zwei Pärchen am Nachbartisch darüber austauschten, daß sie aus Kiel respektive Ostfriesland (!) extra angereist wären, um Tim zu sehen.

Von meinem Platz in der siebten Reihe aus waren diese Touristen dann zum Glück nicht mehr zu sehen. Dafür aber so ein Typ mit komischem Bärtchen in Reihe 5. Der kam mir irgendwie bekannt vor. Wenn allerdings nicht die aufgedonnerte Tussi neben mir gewesen wäre, wär ich wohl nicht drauf gekommen, daß das Roger Cicero war. Der sah übrigens richtig fertig aus. Nur mal so angemerkt, von wegen „schönster Sänger Deutschlands“ und so. Dazu aber später mehr. Auf der anderen Seite von mir (zum Glück noch als Puffer zum Gang, denn ich hatte natürlich wahnsinnige Angst, auf die Bühne zu müssen) saß ein Rentnerpärchen.

Zehn Minuten vor Showbeginn wurde dann die Riesenleinwand über der Bühne angeknipst und man sah einen Typen im Foyer rumkaspern und Leute interviewen. Der Typ selber stellte so eine Art Moderator dar und seine Aufgabe beschränkte sich im weiteren Verlauf des Abends darauf, auf die Bühne gebetene Gäste und deren Begleitung mit Schampus zu versorgen, was in meinen Augen eine angemessene Beschäftigung darstellte. Übrigens hat der früher, da bin ich mir seeehr sicher, den Anheizer bei Kerner gemacht. Egal.

Pünktlich um acht kommt dann Tim Mälzer auf die Bühne gesprungen und es geht los. Man kann ihn ja wohl mögen oder nicht, ich fühlte mich dann aber doch ziemlich gut unterhalten. Am besten war aber die Interaktion mit den Gästen – für jedes Gericht wurde ein anderer argloser Zuschauer auf die Bühne gebeten. Tim Mälzer hat dabei eine, wie ich finde, zwar manchmal etwas rotzige Art, mit Leuten umzugehen, aber er stellt sie andererseits auch nicht auf der Bühne bloß – selbst wenn sie anstatt selber ein Ei zu pochieren lieber gleich ein fertig pochiertes Ei nehmen und das im Topf versenken (das führte dann immerhin zur Nachfrage, ob der Freund der betreffenden jungen Dame sie eigentlich hierher geprügelt hätte? Nein, aber sie wäre ja auch nicht zum Kochen hier, erwiderte sie recht verschmitzt. Dafür wurde sie dann auch mit einem Riesenhaufen Küchemaschinen bedacht – wie übrigens alle Gäste in Action). Neben ein paar Seitenhieben auf Kochkollegen („Sarah Wiener, die alte Schachtel!“ oder einem Einspieler einer alten Kochshow, in der Johann Lafer hingebungsvoll Hackepeter-Brötchen mit Mustern verziert) kann Mälzer sich auch ziemlich gut selbst auf den Arm nehmen.

An jedem Abend gibt es einen Überraschungsgast – aha, könnte jetzt wohl Roger Cicero sein. Aber nein, kurz nach der Ankündigung kam Sasha mit Band auf die Bühne. Obwohl ich im Allgemeinen kein großer Sasha-Fan bin, waren seine drei kurzen Auftritte doch ganz gelungen, muß man sagen. Daß er ein ganz gutaussehender junger Mann ist, könnte man bei der Gelegenheit vielleicht auch anmerken. Anscheinend werden da lokale Künstler als Überraschungsgäste genommen (laut Wikipedia wohnt Sasha im Schanzenviertel), wen haben die denn da eigentlich in Göttingen angeschleppt?

So wurde dann also munter weitergebrutzelt. Es geht weniger um die genauen Rezepte, sondern um die Messages „Einfach drauflos!“ und „Das Auge ißt mit!“. Nebenbei wird aber auch der ein oder andere ganz nützliche Insider-Tipp verraten (Gewürze immer vorher anschmoren, wenn sie was bringen sollen!). So vergeht dann ein unterhaltsamer Abend, bei dem Herr Mälzer wirklich alles gibt. Wie der fast vier Stunden über die Bühne tobt, kann man schon sagen, daß er was tut für sein Geld. Die vier Stunden wären eigentlich auch das einzige, was man bemängeln könnte – da das einfach ein bißchen zu lang war. Wobei der Meister anscheinend auch gnadenlos überzogen hatte, da das Programm sonst wohl eher auf 2,5 Stunden angelegt ist. Danach konnte man sich noch was signieren lassen (erstaunlich viele Leute hatten Mälzers neues Buch dabei) oder aber zurück nach Ostfriesland brausen.

Fazit: Ein sehr unterhaltsamer Abend, viel gelacht und auch ein bißchen was gelernt.

P.S.: Die aktuelle „Ham ‚Se noch Hack“-Tour ist jetzt erstmal beendet – es wird aber wohl eine neue Tour im neuen Jahr geben.

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3 Antworten zu Tim Mälzer – live!

  1. bullion schreibt:

    Wie immer ein Genuss zu lesen! 😀

    Das nächste Mal bitte mit Bildern… 😉

  2. Miss Sophie schreibt:

    Trotz Schneefall 😉 Das mit den Bildern war fast so krass wie die ganzen mitgeschleppten Kochbücher. Anscheinend war Fotografieren erlaubt, jedenfalls blitzte es mit hoher Frequenz um mich herum. Vor allem zu Beginn, als Mälzer auf die Bühne sprang. War natürlich nicht zu erwarten, daß man den jetzt wirklich live vor den Sucher bekommt…

  3. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Wow, mit Starbesetzung in Reichweite. Scheinbar findet auch Roger Cicero den Mälzer gut. Gut finde ich den „Ham Se noch Hack“-Titel. 🙂

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