Gehn wir mal zu Hagenbeck

An dem gestrigen total verregneten Sonntag dachte ich mir, man könnte mal wieder einen kleinen Familienausflug machen. So wie früher eben. Gelegentlich neige ich zur Nostalgie.

Die alten Herrschaften und ich beschlossen also, eine der neuesten Attraktionen in Hamburg, nämlich das Tropen-Aquarium von Hagenbeck, zu besichtigen. Am autofreien Sonntag ging es also über nicht minder gefüllte Straßen als sonst Richtung Stellingen, wo uns schon massenhaft fertig-bespaßte Familien entgegentaumelten. Ein Parkplatz war also schnell ergattert, 39 Euro für drei Erwachsene an der Kasse gelöhnt, und ab ging es in die vollkommen überdachte Tropen- und Wasserwelt.

Der erste Eindruck war zunächst, daß man uns da wohl nicht haben wollte, denn man mußte als erstes durch eine Schiebetür, die meine Mama aber nicht aufkriegte. „Da hält einer auf der anderen Seite zu!“ Na toll, ihr Heinis, wir können auch wieder gehen! Es stellte sich aber heraus, daß drüben nur ein paar Kattas am Durchdrehen waren und die Tür deswegen ein paar Sekunden geschlossen bleiben mußte. Als die Viecher wieder friedlicher rumturnten, durften wir rein. Bevor es richtig losgeht, konnte man also erstmal genüßlich Kattas beim Rumlümmeln und Loris beim Rumflattern zusehen.

Dann geht es weiter auf dem Rundweg und man sieht erst Tropen und dann Aquarien. In guter alter Hagenbeck-Tradition wurde dabei versucht, möglichst wenige Tierchen direkt hinter Glas oder hinter Gittern zu verfrachten. So spaziert man selbst z.B. auf Stegen über Wasserlandschaften, in denen Alligatoren träge vor sich hindösen (die Viecher liegen immer so platt, Beinchen vom Körper abgestreckt, als ob einer noch mal tüchtig auf die draufgehauen hat, schon mal wem aufgefallen?). Na gut, die Fische sind natürlich hinter Glas, zumindest wenn sie auf Augenhöhe sind. In einige Becken kann man aber auch von oben reingucken. Und bitte nicht ins Wasser patschen! Als ob ich auf die Idee kommen würde, mit Pfeilschwanzkrebsen zu kuscheln…

Ein bißchen heideparkmäßig latscht man nicht einfach von Gehege zu Gehege, sondern durchlebt so eine Art „Themenwanderung“, erst durch afrikanische Landschaft, dann durch eine Mine und später durch ein U-Boot. Besonders bei letzterem schlugen vor allem die Herzen der mitgeführten Papas höher („Guck mal, ein Periskop!“). Obwohl ich kein großer Fan von solchen „Adventure“-Zoos bin, muß man doch zugeben, daß das ganz gut und mit Liebe zum Detail gemacht wurde. In einem Plumpsklo in der Mine kann man z.B. durch das Loch durchgucken, wo sich eine Vogelspinne versteckt (Schöner Dialog dort: Papa zu Tochter: „Hast Du da schon reingeguckt?“, Tochter: „Nein. Papa, ich WEISS wie eine Vogelspinne aussieht.“ Gute Einstellung für einen Zoobesuch…)

Die Auswahl an Viechern ist ganz stattlich, bloß gab es nirgends Clownfische! Bitte! Das geht ja wohl gar nicht. Ob eigentlich schon mal ein Zoobetreiber auf die geniale Idee gekommen ist, in ein Riesenbecken voll mit Fischen einen einzigen kleinen Clownfisch reinzuwerfen und „Findet Nemo!“ neben das Becken zu schreiben? Egal. Übrigens fiel auf, daß es natürlich vor Kindern nur so wimmelte, wobei die meisten aber von ihrem Glück noch nicht viel gemerkt haben durften. Jedenfalls zweifel ich daran, daß Babys sooo viel von Leguanen haben, die irgendwo zwischen Blattwerk versteckt rumhängen. Aber immerhin kriegt man die da umsonst reingeschmuggelt. Also, die Babys jetzt, denn zahlen muß man erst ab vier. Und wahrscheinlich gehört das heute auch schon zum Einstufungstest für den Kindergarten, daß man Nil- und Leistenkrokodile unterscheiden kann.

Für etwas größere Kinder und auch sonst kann man das Troparium von Hagenbeck aber eigentlich wärmstens empfehlen, um einen netten Nachmittag zu verbringen und dem Hamburger Schmuddelwetter mal für ein paar Stündchen zu entfliehen. Jede Menge Tierchen in aufwendig gestalter Umgebung – dafür lohnt sich der Eintrittspreis auf jeden Fall. Zusammen mit dem normalen Tierpark kann man sich dort auch locker einen ganzen Tag vergnügen.

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7 Antworten zu Gehn wir mal zu Hagenbeck

  1. bullion schreibt:

    Hagenbeck finde ich toll! Weiß aber nun nicht, ob wir damals nicht im normalen Tierpark waren!? Ist nun aber auch schon ein paar Jährchen her… würde ich aber auf jeden Fall wieder machen, wenn es mich nach Hamburg verschlägt.

    Bin eh ein Zoo-Freund… 🙂

  2. Miss Sophie schreibt:

    Ne, dann wart Ihr bestimmt noch im normalen Hagenbeck, dieses neue Troparium gibt es nämlich erst seit einem Jahr. Früher gab es nur ein „normales“ Tropenhaus (damals war das dann auch noch inklusive).
    Der normale Zoo ist aber auch wirklich schön, weil es auch eine sehr hübsche Parkanlage ist. 25 Euro für das Kombiticket sind dann zwar eine Menge Geld, aber man kann auch wirklich einen schönen Tag verbringen, denke ich.

  3. Miss Sophie schreibt:

    Sehr zu empfehlen ist übrigens auch der Zoo in Hannover. In Göttingen haben wir sowas nicht – nur so’n Saugatter im Wald…

  4. TheKaiser schreibt:

    Vielleicht gab es ja mal Clownfische, die aber schon von ihren Mitbewohnern verspeist wurden? Ich hab sowas mal in einem Aquarium gesehen… 😉

  5. Thomas schreibt:

    Es überrascht mich, das Hagenbeck noch kein Eisbärbaby hat, ich dachte das müsste man heute so haben, sonst sei man nicht vollwertig in der Branche. 😀

  6. Miss Sophie schreibt:

    @ TheKaiser: Fische sind Freunde – kein Futter!

    @ Thomas: Kann mir vorstellen, daß die dran arbeiten, ist aber wohl nicht ganz so einfach. Traditionell gibt es da regelmäßig Elefantenbabys – die find ich aber nicht so süß. Meine Favoriten sind immer die Pinguine und die Mini-Schweine!

  7. jogi Baer schreibt:

    die haben jetzt ein Eisbär-Baby. Die mussten nur erstmal ein neues Gehege bauen, das alte war nicht mehr erlaubt.

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