Filmkritik: „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“

Inhalt: Auch Actionhelden werden älter. Aber der gute alte Indi (Harrison Ford) ist immer noch Halbtags-College-Professor und Vollblut-Archäologie-Abenteurer. Dabei buddelt er immer mal wieder was aus, was nicht nur wissenschaftliches Interesse erregt – zum Beispiel das der fiesen Russki-Kommandantin Irina Spalko (Cate Blanchett). Außerdem muß Indy einen alten Freund (John Hurt) retten, der in Mittelamerika offenbar auf der Suche nach sogenannten Kristallschädeln entführt wurde. Dabei trifft er allerlei alte Bekannte wieder und löst natürlich wie immer so manches knifflige Rätsel.

Kritik: Mit der Nostalgie ist das so eine Sache. Jeder hat ja so die ein oder andere Erinnerung von früher, die man sich immer mal wieder gerne ins Gedächtnis ruft – einen besonders schönen Urlaub als Kind z.B. Meistens ist es keine gute Idee, solche Erlebnisse in irgendeiner Form reanimieren zu wollen. Fand man als Kind z.B. Baden am Baggersee immer großartig, merkt man manchmal als Erwachsener, daß das heißgeliebte Gewässer bei Lichte betrachtet auch nur ein ganz normaler Tümpel mit ausgeprägter Neigung zur Algenbildung ist.

Na gut, die alten Indi-Filme waren schon immer mehr als ganz normale Kinounterhaltung, sie haben wirklich Maßstäbe für Action-Filme gesetzt. Aber ihre große Beliebtheit auch noch in der x-ten Wiederholung erzielen sie doch auch durch die wohligen Erinnerungen, als man Indi das erste Mal (im Kino oder am verregneten Sonntag mit Papa auf dem Sofa) gesehen hat. Ausdrücklich für die Fans wollte Steven Spielberg ja nun Indi 4 drehen und man muß ihm danken, daß er einen in vieler Hinsicht liebenswert altmodischen Film gedreht hat. Statt auf Krach, Bumm und Geschwindigkeit zu setzen, wird der Zuschauer mit gut verfolgbaren und soliden Actionszenen und hübschen Kulissen erfreut. Natürlich darf auch der für die Filme typische Humor nicht fehlen.

Im Vergleich zu den ersten drei Teilen scheint trotzdem irgendwas zu fehlen. Zuerst einmal ist Harrison Ford älter geworden. Nein, wirklich ALT. In der ersten Stunde fiel mir das eigentlich in jeder Szene auf, teilweise erschreckt man sich richtig ein bißchen. Außerdem fehlen einige Figuren, die man gerne noch einmal gesehen hätte: Indis Vater natürlich (aber Sean Connery wollte ja nicht), sein Chef Marcus (Denholm Elliott ist 1992 verstorben) und John Rhys-Davies (keine Ahnung, was mit dem los ist). Dafür gibt es ein Wiedersehen mit Marion Ravenwood, die in dem ganzen Altherrenensemble der eigentliche Star ist, da sie sich ganz gut gehalten hat. Der Vorherrschaft der computererzeugten special effects kann Indi sich wohl leider nicht ganz erziehen: Sie sind zwar nicht im Übermaß eingesetzt, fallen aber trotzdem irgendwie negativ auf.

Insgesamt bleiben gemischte Gefühle: Einerseits hat man solide Unterhaltung, wie schon in den ersten drei Filmen. Und vielleicht wird der unbeleckte Zuschauer in zehn Jahren auch gar keinen Unterschied mehr zwischen den vier Teilen feststellen können. Andererseits wurde mit dem ganzen Problem, eine Fortsetzung nach 19 Jahren mit einem deutlich gealterten Helden zu drehen, nicht immer konsequent umgegangen. Manchmal tut man so, als wäre alles wie immer, manchmal erlaubt man sich auch ein paar augenzwinkernde Sprüche. Ich fürchte fast, daß sich viele Fans da mehr erwartet haben.

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8 Antworten zu Filmkritik: „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“

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  2. TheRudi schreibt:

    Das ist richtig, da hat man sich als Fan sehr viel mehr erwartet.

  3. bullion schreibt:

    Meine Erwartungen sind mittlerweile schon ganz unten. Da ich die alten Teile – inklusive dem zweiten – zu meinen Lieblingsfilmen zähle habe ich dennoch etwas „Angst“ vor der Sichtung… dennoch freue ich mich schon allein darauf den genialen Score einmal wieder im großen Kino hören zu dürfen! 🙂

  4. Ratilius schreibt:

    Das Harrison Ford alt ist, wurde im Film ja zum überstrapazierten Running-Gag. Wobei rein körperlich wirkte er ja gar nicht so unfit und in Punkto Oberarmmuskulatur würde ich glatt tauschen wollen 🙂

    War Indie in den anderen Teilen wirklich Geheimagent?

  5. TheRudi schreibt:

    War Indie in den anderen Teilen wirklich Geheimagent?

    Indy hat im 2. Weltkrieg für die CIA gearbeitet, aber das war nicht Thema der Trilogie 😉

  6. Inishmore schreibt:

    Ich reihe mich in die Schar jener Kinobesucher ein, die den Film jetzt nicht als Schande der Saga einordnen, sich aber doch deutlich mehr versprochen hatten. Viel schlechter als Teil 2 ist er aber wirklich nicht.

    Bei mir ist vor allemder Humor nicht so gut angekommen (falls er da gewesen sein sollte), unser aller Freund Shia hat weiterhin keine Sympathiepunkte bei mir einfahren können und ich musste irgendwann zwischen Minute 30 und 60 einmal sogar herzhaft gähnen.

    Es bleibt dabei, an Teil 3 geht nix vorbei.

  7. Miss Sophie schreibt:

    Ich fand ja den Spruch mit dem Baumarkt und überhaupt die Treibsand-Szene ziemlich witzig. Aber das war humoristisch auch so ziemlich die einzige Verdichtungsstelle. Speziell die Gags, die auf Indies Alter anspielen sollten, haben nicht so gezündert. Und was sollte das am Anfang mit den Erdhörnchen? Fand ich irgendwie auch gar nicht witzig…

  8. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Okay, das gibt mir dann wenigstens die Gelegenheit, meine Erwartungen vorsorglich etwas herunterzuschrauben. Nächste Woche ist es dann auch bei mir soweit! 🙂 Ich freu mich trotzdem noch drauf.

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