Filmkritik: „Wall·E“

Inhalt: Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft. Die Menschheit hat die Erde komplett zugemüllt und sich auf ein Vergnügungskreuzfahrtraumschiff gerettet, während auf dem guten alten Heimatplaneten mal ordentlich aufgeräumt werden muß. Leider ist die ganze Arbeit irgendwie an einem hängengeblieben: Dem kleinen Roboter Wall·E (Abkürzung für: Waste Allocation Load Lifter Earth-Class), der tagein, tagaus Müll sammelt, zu handlichen kleinen Würfeln preßt und diese ordentlich stapelt. Er ist der letzte noch funktionierende Roboter und da er außer einer Kakerlake keine Gesellschaft hat, ist er vor allem eins: sehr, sehr einsam. Eines Tages kriegt er aber tatsächlich Besuch: Den hochmodernen Sondierungsroboter EVE (Abkürzung für: Extra-terrestrial Vegetation Evaluator), der die Erde nach Leben abscannen soll. Wall·E verliebt sich auf der Stelle in EVE und auch wenn diese zunächst etwas abweisend reagiert, kommen sich die beiden doch langsam näher. Zusammen brechen die beiden in die unendlichen Weiten des Weltalls auf und erleben ein großes Abenteuer.

Kritik: Jetzt kommt erstmal was zu guten Filmtiteln. Und das ist in erster Linie an die Bondmacher gerichtet. Was soll den bitte der richtig dusselige Titel „Ein Quantum Trost“? Am Anfang dachte ich ja noch, der deutsche Titel steht noch nicht fest und irgendein Dödel hätte „A Quantum Solace“ einfach so blöd wie möglich übersetzt. Also, sinngemäß heißt es ja wohl „Ein schwacher Trost“, aber wer würde in diesem Zusammenhang denn das deutsche Wort „Quantum“ benutzen? Wie wäre es mit „Quentchen“? Na gut, „-chen“s in Bond-Titeln kommen vielleicht auch doof („Goldfingerchen“?), aber ging es wirklich nicht besser als der aktuelle deutsche Titel? Ich sag das jedenfalls nicht an der Kinokasse! Und jetzt Überleitung zu Wall·E, mit dem schönen Untertitel „Der letzte räumt die Erde auf“. Das finde ich gut.

Wie auf fast jeden Pixar-Film habe ich mich auch auf Wall·E schon lange irre gefreut. Allerdings herrschte auch etwas Skepsis, denn ein Roboter allein auf verdreckter Erde bietet irgendwie weniger Knuddelpotenzial als eine putzige bepelzte Ratte. Schon nach den ersten Sekunden lösten sich diese Bedenken aber in Nichts auf. Gerade in der ersten halben Stunde, in der Wall·E noch vollkommen allein über die vermüllte Erde juckelt, konnte ich ein permanent geseufztes „Ooooooooch, wiiiieeeeee süüüüüüß!“ kaum unterdrücken. Wie dieser tapfere kleine Roboter als letzter seiner Art jeden Tag brav einen Klumpen Müll nach dem anderen in Form preßt und dann fein säuberlich stapelt, dabei mit den Hinterlassenschaften der Menschheit spielt und abends zum Schlafen in sein liebevoll dekoriertes „Häuschen“ rattert, ist einfach unglaublich süß. Wenn er dann auf einem ausgedienten Ipod einen alten Musicalfilm sieht und dabei seine kleinen Blechgreiferchen ineinandergreifen, weil sie gerne eine zweite Hand zum Festhalten hätten, dann rührt das wirklich jeden zu Tränen.

Dabei birgt der Film natürlich auch viel Kritik daran, wie wir mit unserem Planeten umgehen. Diese wird aber einfach als Voraussetzung der Geschichte ohne allzu nervige Moralappelle in die Handlung eingebaut. Und so ist „Wall·E“ in erster Linie ein Film über Freundschaft – und vor allem Liebe. Könnten die Gegensätze zwischen der kleinen Rostbeule Wall·E und der glänzend-hochmodernen EVE eigentlich nicht größer sein, ist es einfach herzig zu beobachten, wie sich zwischen ihnen eine Bindung entwickelt. Daß dabei der Rest der Menschheit gerettet wird, ist natürlich Ehrensache und sorgt dann noch für reichlich Action.

Im Kino (Kindervorstellung) ließ sich beobachten, daß sich die Erwachsenen deutlich besser amüsierten als die Kinder. Als es brenzlig wurde und Wall·E ein paar Beulen abbekam, mußte ein kleines Mädel sogar weinend den Saal verlassen. Andererseits fanden die kleinen Jungs den Film „ziemlich langweilig“ und hätten es wohl deutlich besser gefunden, wenn Wall·E zeitlebens mit seinem Kumpel, der Kakerlake, abgehangen hätte. Das jugendliche Publikum sollte also einerseits ein bißchen Action abkönnen und andererseits mit dem Themenkomplex „Liebe“ schon ein bißchen was anfangen können.

Für Erwachsene ist „Wall·E“ einfach nur uneingeschränkt empfehlenswert. Anderthalb Stunden voller Humor und Gefühl – daß es perfekt animiert ist, braucht man bei Pixar ja  eigentlich gar nicht mehr erwähnen. Reingehen!

P.S.: Ein paar kleinere Clips (keine Filmszenen) gibt es hier. Aber Vorsicht, dann ist man auch schon in den kleinen Wall·E verliebt…

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12 Antworten zu Filmkritik: „Wall·E“

  1. bullion schreibt:

    Ach wie toll! Das steigert meine Vorfreude gleich noch einmal ungemein. Ich komme hoffentlich Donnerstag dazu ihn anzusehen. Wunderbar! 🙂

  2. Inishmore schreibt:

    Ich fand vor allem den ersten Teil des Filmes einfach wunderbar – keine Dialoge, aber dennoch Emotionen pur. Was die Akzeptanz des Films bei jüngeren Zuschauern anbelangt, decken sich meine Erkenntnisse. Als ich den kleinen Roboter nämlich vor ein paar Monaten im nahegelegenen US-Kino gesehen habe, hörte ich ein Kind beim ersten Techtelmechtel zwischen Wall-E und EVE zu seinem Vater sagen:

    „Daddy, what’s so funny about it?“

    Erklären konnte es der Daddy auch nicht, er gab nur ein „shhh“ von sich. Wahrscheinlich ist Wall-E deshalb Pixars bester Film für Erwachsene.

  3. Miss Sophie schreibt:

    Ich fand auch die Zeit auf der Erde am besten. Ist auch einfach ein bisschen poetisch und maerchenhaft geraten, das hat mir gut gefallen. Auf dem Raumschiff war’s zwar lustig, aber eben eine ganz andere Stimmung.

    Ich hab irgendwo im Interview mit einem Macher gelesen, Wall-E soll fuer Kinder einfach zugaenglich sein, weil er eben nur ueber Mimik und Gestik kommuniziert. Ich denke aber, dass man doch etwas aelter sein muss, um das nicht langweilig zu finden. Ich weiss auch noch, dass ich als Kind Filme, in denen wenig gereget wurde, auch ziemlich lahm fand.

  4. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Ach, das macht Lust auf Wall·E! Ich hab mir das auch ganz fest für diese Woche vorgenommen, aber gut zu wissen, dass Kinder sowas doch nicht ganz so toll finden – das kann ich dann als Argument anbringen, falls mir jemand sein Kind aufs Auge drücken will. 😉

  5. Ratilius schreibt:

    Schöne Kritik – macht Lust auf den Film.

    Den Absatz über Bond fand ich erst irritierend, allerdings kann ich Dir nur Zustimmen – der übersetzte Buchtitel heißt „Ein Minimum an Trost“ und ist etwas weniger schlecht.

  6. Miss Sophie schreibt:

    Das mit James musste einfach raus 😉 Und ich fand den Untertitel von Wall-E so suess, deswegen bin ich drauf gekommen.

    Ich wuensch dann allen, die es noch vor sich haben, viel Spass!

  7. Ist Misssophie im Winterschlaf? schreibt:

    Seit mehr als zwei Jahren erfreuen wir uns, wie Misssophie uns in kleinen Geschichten die Widrigkeiten des Lebens näher bringt.
    Meist huscht uns ein Lächeln über das Gesicht, wenn sie uns berichtet, wie sie sich erfolgreich gegen den rosa Riesen zur wehr setzt oder auch nur mit ihrer Ma beim besten Supermarkt der Welt einkaufen geht.

    In letzter Zeit sind ihre Berichte jedoch weniger geworden.

    Daher mein Appell: Husch-husch an den Schreibtisch,
    wir wollen wieder mehr von Dir lesen…

  8. Miss Sophie schreibt:

    Hallo, lieber unbekannter Freund vom IVBL (hoe, hoe, ich kenn Deine IP 🙂 )

    Na gut, ich versuche es mal. Morgen gibt es ja ein Konzert mit Ina Mueller und naechste Woche 10jaehriges Jubilaeum vom Goettinger Kaufpark. Das klingt nach Blogstoff! 🙂

  9. Pingback: Kinoeindrücke zu WALL·E » Frumble 201

  10. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Soooo, da gestern ja Halloween war, erinnerte ich mich doch noch an was Anderes… 😉 Mit leichter Verspätung wünsch ich dir noch alles Gute zum Geburtstag! Hoffentlich hattest du einen schönen Tag und hast ein paar nette Geschenke bekommen.

    Ansonsten, wenn ich nicht selbst so unvorbildlich wäre, würde ich natürlich auch wieder mehr Lesestoff hier fordern. 😉

  11. bullion schreibt:

    Dann beteilige ich mich einmal ganz frech am guten Gedächtnis der Doktorin und gratuliere auch nachträglich zum Geburtstag: Alles Gute!

    In den übrigen Kanon stimme ich übrigens auch mit ein… 🙂

  12. Miss Sophie schreibt:

    Dankeschön, Ihr Lieben 😉
    Jepp, hatte einen guten Geburtstag. Tja, wieder ein Jahr älter. Aber immerhin eine gute Ausrede, um nicht zuhause zu sein und auf Halloween-Gören warten zu müssen!

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