Mrs. Monk beim Haareschneiden

Ich bin wirklich ein bißchen traurig darüber, daß RTL meine Lieblingssendung „Monk“ erstmal eingestellt hat. Das wöchentliche Sichten des schlauen Zwangsneurotikers hat mich irgendwie immer aufgeheitert. Eigene Problemchen erschienen nichtig und klein.

Heute ging es mal wieder zum Friseur, denn die Haarmatte hatte sich mal wieder auf beachtliche Länge vorgekämpft. Dazu ging es zum hiesigen Discount-Schnippler, alles Trockene 7 Euro. Mir ist ehrlich gesagt schleierhaft, warum in den meisten Friseurläden ein Trockenhaarschnitt für Damen gar nicht angeboten wird. Glauben die etwa, die Leute würden sich die Haare nicht zu Hause waschen? Und nicht nur, daß es da billiger ist, ich habe das Wohlige einer Kopfhautmassage unter fließendem Wasser nie ganz verstanden. Das sind Leute, die ungefragt in meinen nassen Haaren rumgrabbeln, und das ist eklig.

Das allein wäre schon zwangsneurotisch genug, es wird aber noch besser. Meine Haare trage ich fast immer zum Pferdeschwanz oder Knoten, da hat sich ein vollkommen gerader Schnitt als praktisch erwiesen. Also, alle Haare enden exakt auf gleicher Höhe. Zudem kommt man so gar nicht erst in den Verdacht, irgendwas modisches mit den Haaren angestellt zu haben. Also, ich sitze auf dem Hockerchen, Friseuse kommt, ich so: „Ganz gerade bitte und auf diese Länge.“ – „Ok! Mit Stufen?“ Hier hätte ich gehen sollen. Aber ich hatte ja schon diesen schicken Umhang mit integrierter Halskrause um…

„Ähm, nein, ganz gerade bitte.“ – „Ok! Tragen Sie den Scheitel immer so auf der Seite?“ Das lief Hoffnung aufkeimen. Denn natürlich muß die Haarlänge auf den Scheitel abgestimmt sein, damit auch wirklich alles gerade ist. Juchu, sie hatte es kapiert! „Ja, der ist immer so.“ – „Ich schneid es trotzdem erstmal von der Mitte.“ Ohoh. Es war einer dieser Momente, wo man merkt, daß alles auf eine peinliche Situation hinausläuft. Erfahrungsgemäß, und ich hab da wirklich viel Erfahrung, sollte man aber trotzdem abwarten, bis die Situation wirklich da ist, sonst wird es nur noch unangenehmer. Ich ließ sie also schnippeln, zuerst war sie auch auf der scheitelabgewandten Seite, da war alles ungefährlich. Dann ging es auf die andere Seite, sie näherte sich von unten der Scheitelpartie. Vielleicht hatte sie ja doch mitgeschnitten und würde vor dem Scheitel halt machen. Längst hatte ich ausgerechnet, daß die Haare oberhalb des Scheitels, wenn von der falschen Seite beschnitten, zu kurz werden würden! Im letzten Moment schritt ich also ein: „Ähm, könnten sie die jetzt auf die andere Seite kämmen und dann schneiden?“ – „Aber ich mach das doch von der Mitte. Dann hat alles eine Länge, egal wie die Haare fallen.“ – „Die Haare fallen nie anders. Mein Scheitel ist immer da.“ – „Ok. Ich kämm sie rüber“

Nach dieser totalen Freakshow auf dem Friseurhocker war die Friseuse erstaunlich gefügig. Tatsächlich wurde selten soviel Akkuratesse aufgewendet, um sicherzustellen, daß wirklich alle Haare die gleiche Länge hatten. Sie dachte wahrscheinlich auch daran, wie viele spitze Gegenstände in so einem Friseursalon rumliegen und daß die harmlos aussehenden kleinen Mädchen häufig die Gefährlichsten sind. Recht so! Die Haare sind jetzt wieder in Ordnung. Für 7 Euro. Schönes Gefühl.

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2 Antworten zu Mrs. Monk beim Haareschneiden

  1. bullion schreibt:

    Was bin ich froh, dass ich seit Jahren schon zum gleichen Friseur gehe. Wenn der mal dicht macht, dann habe ich ein Problem: Kein „Wie immer bitte!“ mehr.

    7 € scheint mir aber wirklich ein Schnäppchen zu sein. Zudem sollte man wirklich immer genau aufpassen, was da gerade mit den eigenen Haaren veranstaltet wird – aber du hast das ja gekonnt im Griff! 🙂

  2. Inishmore schreibt:

    Ich arbeite daran, meine Stammfronthaarresteverwalterin diskussions- und wortlos zur Arbeit anzutreiben. Das gelingt mir zwar nie, aber die Frau weiß, wie sie zu schnippeln hat.

    7 € sind in der Tat ein Kampfpreis. Damit würde ich angesichts der Wolle, die sich bei mir so ansammelt, die Friseurinnung in den Ruin treiben können.

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