Filmkritik: „Ein Quantum Trost“

quantum1Inhalt: In seiner letzten Mission schien es ja fast so, als hätte James Bond (Daniel Craig) endlich mal ein privates Glück gefunden mit seiner Vesper. Aber es sollte eben nicht sein und nun sinnt 007 auf Rache an den Mördern seiner Geliebten. Die Spur führt ihn zu einer internationalen Verbrecherorganisation (natürlich mal wieder), in der Dominic Green (Mathieu Amalric) eine wichtige Rolle spielt. Nach außen gibt der sich als Saubermann, der viel für den Umweltschutz gibt, doch in Wirklichkeit hat er es auf lebenswichtige Ressourcen abgesehen, um durch ihre Kontrolle politischen Einfluß zu gewinnen. Ha, hier können also Weltrettung und die Begleichung von offenen Rechnungen aufs Beste verbunden werden!

Kritik: Nun ja, diese Kritik kommt etwas nach dem Kinostart, aber immerhin noch vor dem DVD-Release – das Göttinger Uni-Kino macht es möglich. Um es gleich vorweg zu nehmen: Für die verlangten 2.50 € Eintritt war das ein Abend voll solider Unterhaltung.

Schon der Einstieg, eine fulminante Autoverfolgungsjagd (natürlich mal wieder irgendwo in den Bergen, weil es da die schönsten Abgründe gibt), stimmt darauf ein, daß es wieder sehr actionlastig zugehen wird in den nächsten gut 100 Minuten. Das Intro dann mit einer ganz netten wummerigen Hip-Hop-Nummer (Alicia Keys und ein Mensch von den White Stripes), auch das gefällt. Und schon geht es weiter mit der Action.

Vielfach wurde ja der Vergleich zu den Jason-Bourne-Filmen gezogen, in denen es ja auch meistens Schlag auf Schlag zugeht. Trotzdem würde ich da noch einen Unterschied sehen, denn Bourne ist für meinen Geschmack etwas realistischer und dreckiger gehalten, während James Bond die etwas ausgefalleneren und „kapriziöseren“ Actionszenen hat. Und es geht wirklich eine Menge zu Bruch. Wirklich eine tolle Idee, das Hotel am Schluß des Filmes quasi komplett aus Brennstoffzellen zu bauen (wäre in Deutschland wohl nicht durch den TÜV gekommen, aber wir sind zum Glück in Bolivien). Da kann man hinballern wo man will und es fliegt immer richtig was in die Luft!

Obwohl wie schon beim ersten Auftritt von Daniel Craig mit vielen liebgewonnen Elementen der alten Bondfilme gebrochen wurde, z.B. den verspielten Gadgets von Q, gibt es doch, etwas subtiler, auch Einfälle, die an alte Filme erinnern. Z.B., daß spektakuläre reale Ereignisse wie das Pferderennen von Siena oder die Seebühne der Bregenzer Festspiele in die Handlung eingebaut werden und als Kulisse dienen. Als alter Fan von den Moore-Bonds muß man ab und zu trotzdem schlucken: Z.B. wenn Bond bei einer Verfolgungsjagd quer durch Siena mal einfach auf einen Balkon springt, durch eine Wohnung hastet und dann auf der anderen Seite auch schon wieder vom Balkon runter. Bei Herrn Moore wäre das doch garantiert durchs Schlafzimmer gegangen, wo sich noch eine erschreckte junge Dame mit einem Quietscher die Decke über den hübschen Leib gezogen hätte. Na gut, wir haben nicht mehr 1985, und Her Craig schaut in solchen Situation weder nach links noch nach rechts.

Das wird dafür dann aber auch sehr konsequent durchgezogen, und die düstere, ernsthaftere „Rache ist Blutwurst“-Atmosphäre durchzieht den ganzen Film. Wenn man sich darauf ein bißchen einläßt, würde ich den neuesten Bond durchaus als gelungen bezeichnen.

P.S.: Im Übrigen wissen wir nun auch, warum der Titel nicht „Ein Quentchen Trost“ heißt, denn dann hätte auch die böse Verbrecherorganisation „Quentchen“ heißen müssen. Und das klingt irgendwie nicht so bedrohlich…

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7 Antworten zu Filmkritik: „Ein Quantum Trost“

  1. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Ich hab den Film auch relativ spät gesehen, erst an Weihnachten im kleinsten Kinosaal, den man sich vorstellen kann. Und ich war ziemlich enttäuscht, aber vielleicht hatte ich, nachdem mir der erste Craig-Bond so gut gefallen hat, zu hohe oder einfach andere Erwartungen. Die Opern-Szene war klasse, das stimmt, und auch das Hotel in der Wüste war ein netter Einfall. Doch alles dazwischen war ein wenig belanglos und einfach zu „solide“. Bei einem Bond möchte ich dann doch was anderes sehen.

  2. Miss Sophie schreibt:

    Ich hatte ganz geringe Erwartungen, weil ein Kollege den schon im Kino gesehen hatte und meinte, dafür wäre das nichts, aber für 2,50 im Unikino halt okay.
    Sound ist da ziemlich mies und der Filmrollenwechsel klappt nicht immer, da ist man mit wenig zufrieden, traditionell.

  3. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Ich hätte aber lieber für 7 Euro nen Spitzenfilm gesehen. 😉

  4. Miss Sophie schreibt:

    Das ist bei mir irgendwie der Einfluß der Provinz, daß ich so anspruchslos geworden bin 😉

  5. Ratilius schreibt:

    Die Superschurken fand ich etwas enttäuschend – einem südamerikanischen Land das Wasser abzugraben kommt einfach nicht an die Schandtaten der Vorgänger heran.

  6. Miss Sophie schreibt:

    Ich find aber, der Typ hat schön irre geguckt. Das hatte der schon in „Schmetterling und Taucherglocke“ drauf, aber da hätte das auch an der Rolle liegen können…

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