Filmkritik: „Der seltsame Fall des Benjamin Button“

untitledInhalt: Als ein Uhrmacher aus Trauer über seinen im ersten Weltkrieg gefallenen Sohn eine Bahnhofsuhr baut, die rückwärts läuft, wird in New Orleans ein Kind geboren, das alle körperlichen Gebrechen eines alten Mannes aufweist. Der entsetzte Vater legt es deswegen vor einem Altersheim auf die Schwelle. Eine barmherzige Pflegerin zieht den kleinen Benjamin auf und erstaunlicherweise verjüngt sich sein Körper, während sein Geist eine ganz normale Entwicklung vollzieht. Als Jugendlicher (seelisch) und alter Herr (körperlich) verläßt er dann New Orleans, um auf einem Schlepper die Welt zu bereisen. Doch insgeheim zieht es ihn nach Hause zurück, wo seine große Liebe, die Tänzerin Daisy, auf ihn wartet. Sie verbindet eine sehr ungewöhnliche Liebesgeschichte.

Kritik: Wie schon häufig erwähnt, bin ich kein besonders großer Fan von Filmen mit Überlänge. Da nützt es auch nichts (und schadet eher), wenn das Cinemaxx eine Pause etwa zur Hälfte des Films einlegt. Lustigerweise wurde durch diese Pause aber auch sehr deutlich, wie unterschiedlich die beiden Hälften des Films sind, und mein Tipp wäre, sich am besten einfach nur zu der zweiten Hälfte in den Saal zu schleichen. Aber der Reihe nach.

Der Film macht es seinen Zuschauern zu Anfang relativ schwer, in die Handlung einzusteigen. Da wäre erstmal die Rahmenhandlung: Wir sehen Daisy auf ihrem Sterbebett, der ihre Tochter aus Benjamins Tagebuch vorliest. Um das Krankenhaus herum tobt Hurrican Katerina. Was das soll, ist schon mal nicht so ganz klar. Die Rückblenden in die Zeit sind sehr artifiziell gehalten, z.T. wurden Effekte eingesetzt, die an alte, verkratzte Filmrollen erinnern, oder Sepia-Tönungen. Insbesondere in den Szenen, in denen dann auch noch Computereffekte wie die „Vergreisung“ von Brad Pitt oder das Kriegstreiben auf See eingesetzt wurden, ergibt das einen Effekt, den ich insgesamt ziemlich maniriert fand und der es dem Zuschauer schwer macht, sich mit der „Jugend“ von Benjamin Button zu identifizieren. Es ist zwar einerseits schon faszinierend, wie man in dem alten Knaben Brad Pitt deutlich erkennen kann, aber für ein differenziertes Schauspiel läßt die Maske wenig Platz. Außerdem würde ich auch die Handlung im ersten Teil als weniger packend bezeichnen. Der Ausflug auf dem Schlepper im zweiten Weltkrieg erinnert ziemlich an Forrest Gump, der ja auch gerne an Nebenschauplätzen die jüngere Weltgeschichte miterlebt hat, paßt aber nicht so zum Rest der Films.

Kommen wir also zur zweiten Hälfte: Ab hier wurde es dann endlich ein Film nach meinem Geschmack. Keine störenden Special Effects mehr, sondern einfach nur noch eine schön traurige Liebesgeschichte zwischen Daisy und Benjamin. Hier nutzt der Film seine Möglichkeiten, indem er mit den Konflikten spielt, die sich durch die Altersverdrehung für die Beziehung ergeben. In einer besonders netten Szene sinniert Daisy z.B. darüber, ob Benjamin sie noch lieben wird, wenn sie erstmal Falten hat. Ob sie ihn auch noch lieben würde, wenn er an Akne leidet, fragt er zurück. Tragischerweise bleibt Daisy und Benjamin aber nur ein sehr kurzes Zeitfenster, in dem sie etwa gleichalt sind und eine ganz „normale“ Beziehung führen können. Danach werden die Liebenden geprüft, wie sie mit der Verantwortung umgehen können, für den anderen evtl. zur Last zu werden. Für diese Fragen findet der Film sehr schöne Bilder und Brad Pitt und Cate Blanchett können auch endlich ohne störende Special Effects aufspielen. Wobei beim sehr jugendlichen Benjamin natürlich auch wieder ein paar Falten wegretuschiert wurden, was aber, muß man schon sagen, zu einem ziemlich umwerfenden Resultat führt… Ach ja.

Also, insgesamt ein paar sehr schöne Szenen, zweite Hälfte auch durchweg nett, aber insgesamt doch einige Längen und 166 Minuten sind ja kein Spaß auf einem engen Sitz, deswegen könnte man vielleicht auch bis zum DVD-Release warten.

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3 Antworten zu Filmkritik: „Der seltsame Fall des Benjamin Button“

  1. bullion schreibt:

    Das liest sich so ingesamt gesehen doch wirklich ganz gut, zumal ich etwas für Effekte und epische Liebesgeschichten übrig habe. Allerdings werde ich aufgrund der Laufzeit (und akutem Zeitmangel) einmal mehr auf die DVD warten. Bis dahin kann ich ja notfalls noch einmal „Forrest Gump“ einwerfen, den ich auch schon viel zu lange nicht mehr gesehen habe…

  2. Miss Sophie schreibt:

    Forrest gefällt mir auf jeden Fall besser. Und da gibt es ja auch eine traurige Lovestory. Muß jedenfalls immer ganz doll weinen, wenn seine Freundin stirbt, *schnüff*.

  3. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Filme mit Überlänge müssen aber auch wirklich einen triftigen Grund haben, überlang zu sein, finde ich. Und der Benjamin Button, der reizt mich bisher so gar nicht, und dann noch die Überlänge… 😉 Ich schätze, ich werde daher also deinen Ratschlag beherzigen und auf die DVD warten. 😉

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