Kühlschrankreflex

Letzte Woche hat der Kühlschrank von meinen Eltern seinen Geist aufgegeben. Alles an sich halb so wild, denn sie hatten immerhin einen Ersatzkühlschrank zur Hand (der allerdings nicht in ihrer Küche, sondern ein paar Räume weiter war) und heute kommt auch schon unser Gas-Wasser-Sch****-Elektro-Mann, um einen neuen einzusetzen. Naja, immerhin bot das für sie Unannehmlichkeiten für drei Tage und für mich, nach meiner Anreise zum Wochenendbesuch gestern, noch für einen Abend. Um das Öffnen eines kaputten Kühlschranks zu vermeiden und eine angeblich irgendwie verzogene Türverkleidung zu schonen, wurde die Tür des noch kaputten Schranks übrigens von meinen Eltern professionell mit einem Streifen Klebeband zugeklebt. Dabei ist mir was Erstaunliches aufgefallen:

Der moderne Mensch hat einen Kühlschrankreflex! Anders kann man es nicht erklären, daß ich allein gestern abend und heute morgen ungefähr dreitausend Mal versucht habe, vollkommen in Gedanken die dusselige verklebte Tür aufzumachen! Gerne auch schon mal etwas renitent („Ja, klemmt das blöde Ding denn etwa?“). Das wäre echt mal ein fruchtbares Feld für tiefenpsychologische Untersuchungen! Meine persönliche Theorie lautet, daß Kühlschränke irgendwie, trotz der Kälte und so, Ruhe und Geborgenheit ausstrahlen. Häufig tapert man ja in die Küche und weiß gar nicht so recht, was man eigentlich braucht. Man hat Hunger, Durst oder Kopfweh, aber bevor man genau herausfindet, was der Körper eigentlich gerade will, kann man auch erstmal den Kühlschrank aufmachen und dann überlegen. Ergo öffnet man, erstmal in der Küche angekommen, reflexartig den Kühlschrank und guckt, ob er einem helfen kann. Wenn nicht, dann eben nicht. Wenn doch: alles super! Ein Kühlschrank ist irgendwie auch ein Freund.

Toll, was man alles über sich und die moderne Menschheit herausfinden kann, wenn Haushaltsgeräte ihren Geist aufgeben!

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Dieser Beitrag wurde unter Absurditäten, Der Mensch freut sich, Widrigkeiten des Lebens veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Kühlschrankreflex

  1. bullion schreibt:

    Wieder einmal bin ich erstaunt von deiner Beobachtungsgabe – und kann nur sagen: Es ist tatsächlich so. So und nicht anders. Der Kühlschrank hat einen Magneten eingebaut, der uns unwillkürlich anzieht. Faszinierend!

  2. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Da ist definitiv eine Langzeit-Studie fällig! Nee, mir geht das auch so. Erst mal sicherheitshalber in den Kühlschrank schauen, vielleicht hat sich da ja unbemerkt was Leckeres reingeschlichen… Besonders fällt mir das immer auf, wenn ich in der Heimat bin. Dort steht die Tiefkühltruhe nämlich im Keller. Und jedes Mal, wenn ich in den Keller gehen muss, und sei es nur, um dort mein altes Paar Schlittschuhe (oder so) zu suchen, geh ich erstmal grundsätzlich zur Kühltruhe und schau dort rein. Bis mir einfällt, dass ich was ganz Anderes wollte. Schlimm. 😉

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