Hilfe, ich werde wie meine Mutter!

Heute habe ich festgestellt, daß ich wie meine Mutter werde. Zumindestens in manchen Sachen. Leider nicht in Bezug auf die Freude am Fensterputzen…

Also, spulen wir kurz zurück, ich komme vom Büro nach Hause. Der Miss Sophie-Hintern freut sich auf sein Sofa und der Miss Sophie-Polo freut sich auf die Tiefgarage. Jawohl, in meinem leicht assigen Wohnviertel leiste ich mir den Luxus einer kuschligen, abgeschlossenen Tiefgarage, wo der Polo jeden Abend in Frieden rasten kann. Die Einfahrt macht immer einen Mordsspaß, ich habe so ein kleines Kästelchen im Auto liegen, drücke auf ein Knöpfchen, und schon fängt eine fette Signalleuchte am Garagentor an, aufgeregt zu blinken, es fährt hoch und es geht los.

Heute machte die Einfahrt keinen Spaß, denn ein doofes Auto stand mitten in der Einfahrt. Der erste Gedanke war: „Oh gott oh gott, der Polo nachts allein hier auf den Straßen.“ Der zweite war: „Hey, ich zahle 10 Euro im Monat für die Mistgarage, also komme ich da auch rein!“Also zirkelte ich mich irgendwie an dem doofen Auto vorbei und frickelte mich gerade so eben in die Einfahrt. Schweißperlen auf der Stirn, Zirkeln im weiteren Sinne des Wortes ist nicht so meine Stärke.

Nun kommt meine Mama ins Spiel. In solchen Momenten regt sie sich genau so gerne auf wie ich. „Wie bescheuert können Leute denn sein? So klein ist die Einfahrt ja nun auch nicht, daß man sie nicht sieht! Und es gab zehntausend andere freie Parkplätze rundherum!“ Und wie sagt sie immer so schön: „Ich mache aus meinem Herzen eben keine Mördergrube.“ Haha, das kleine Anti-Mördergruben-Gen ist heute bei mir volljährig geworden. Also fand ich schnell einen kleinen Zettel und dicken roten Filzer und gratulierte zu dem schönen Parkplatz (genauen Wortlaut gebe ich mal nicht wieder… Andere Leute können ja vielleicht auch googeln und holen ihre Brüder… Es blieb natürlich alles im gesitteten Bereich – ich bin eine Lady!). Zu meiner Verteidigung möchte ich noch sagen, daß ich vor dem Unterklemmen an die Scheibenwischer überprüfte, ob der Halter vielleicht gerade in unmittelbarer Nähe war und / oder irgendetwas auf einen Unfall, technischen Defekt, medizinischen Notfall oder Entführung durch Außerirdische hindeutete. Nichts.

Tja, nun geht’s mir besser.  Bis zum Blockwart und zum Rentner, der Falschparker aufschreibt und beim Ordnungsamt meldet, ist es freilich nur noch ein kleiner Schritt. Andererseits scheint es sich im Alter nicht zu verschlimmern, evtl. sogar eher zu mildern. Ich hoffe das Beste!

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Dieser Beitrag wurde unter Provinznotizen, Widrigkeiten des Lebens veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Hilfe, ich werde wie meine Mutter!

  1. bullion schreibt:

    Ich kann dich in diesem Zusammenhang voll verstehen. Wenn es um rücksichtslos/egoistische Autofahrer/Parker geht, könnte ich mich auch stets aufregen… „glücklicherweise“ habe ich keine Tiefgarage… 😉

  2. Miss Sophie schreibt:

    Das ist schon mal beruhigend! 🙂

  3. Dr. T. Le Vision schreibt:

    Manche Leute parken aber auch so ätzend, die haben nichts anderes verdient. Und besser nen Zettel schreiben, als sich den ganzen Abend aufzuregen. 🙂

  4. irodeschi schreibt:

    Ha, du schreibst wirklich amüsant, ich mag diesen Blog sehr!

    Und übrigens, ich hätte es genauso gemacht 🙂

  5. Ratilius schreibt:

    Tut gut, wenn man seinem Ärger mit einem pointierten Zettel Luft macht.

    @Blockwart:
    Die Vermieterin eines Freundes hat neulich die Konversation mit dem Satz „Wir sind ja eigentlich keine Müllkucker, aber…“
    eröffnet 🙂

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