Inhalt: Jean-Dominic Bauby (Mathieu Amalric) hat ein Leben wie aus dem Katalog: Er hat einen coolen Job, ein cooles Auto, coole Freunde, eine hübsche Frau und drei nette Kinder. Bis er einen Gehirnschlag erleidet und er, als er aus dem Koma erwacht, festellen muß, der er bis auf sein linkes Augenlid vollkommen gelähmt ist - aber bei vollkommen klarem Verstand. “Locked-In”-Syndrom nennt sich diese sehr seltene Krankheit, erklären ihm die Mediziner später. Eine sehr ehrgeizige Logopädin hat jedoch eine Idee, wie Bauby sich trotz seiner Behinderung mit der Außenwelt unterhalten kann: Sie sagt ihm immer wieder die Buchstaben des Alphabets auf und wenn sie beim richtigen Buchstaben ist, blinzelt er. Auf unendlich mühevolle und langsame Weise kann er so ganze Sätze formulieren. Auf diese Art “diktiert” er ein ganzes Buch, und entkommt so durch die Kraft der Phantasie seinem körperlichen Gefängnis.
Kritik: Wie würde sich das anfühlen, wenn man keinen einzigen Muskel im Körper mehr bewegen könnte bis auf das Augenlid? Nicht mehr herumspazieren können, aber auch noch nicht mal ein kurzes Lächeln zur Begrüßung der Besucher am Krankenbett. Überhaupt - kein Wort mehr mit anderen wechseln zu können? Auch wenn es sehr schwer ist, sich das vorzustellen, kommt man um solche Gedanken gerade in der ersten Hälfte des Films nicht drumrum, wenn die Kamera komplett die Sicht von Bauby einnimmt. Sie bewegt sich nur soweit, wie ihm dies allein durch Bewegung der Pupillen aus seiner derzeitigen Kopfhaltung möglich ist. Manchmal wird sie unscharf und auch jedes Blinzeln kriegen wir mit. Ärzte und Schwestern kommen bedrohlich nahe. Gleichzeitig wird aber auch sofort klar, daß Bauby bei vollkommen klaren Verstand ist, da er mit seinen Gedanken das Geschehen aus dem Off kommentiert.
Diese Kommentare, die zwar manchmal zynisch, aber häufig auch einfach humorvoll sind, erlauben es auch, die so traurige Situation dieses Mannes doch nachvollziehbar zu machen. Nach und nach verläßt die Kamera auch ihre subjektive Perspektive und wir erleben zum einen die Geschehnisse aus der vertrauten Kinoperspektive, d.h. wir sehen Bauby z.B. im Rollstuhl sitzen, zum anderen nimmt uns die Hauptperson aber auch mit auf ihre gedanklichen Ausflüge, die zum einen aus Erinnerungen bestehen und zum anderen aus ihrer Phantasie. Während Baubys erster diktierter Satz noch “Ich will sterben” war, erkennt er später, daß ihm dies beides niemand nehmen kann - und er gleichsam wie ein Schmetterling durch seine Gedanken seiner “Taucherglocke”, die ihn von der Umwelt trennt, entfliehen kann.
Wie dies filmisch umgesetzt wird, sowohl die phantastischen Gedankenspiele als auch die bedeutsamen kleinen Erinnerungen, ist sehr berührend und zwar einerseits traurig, andererseits aber auch hoffnungsspendend, da Bauby sich in seiner Lage eben nicht unterkriegen läßt und sogar den Mut findet, ein so ehrgeiziges und auf den ersten Blick aussichtsloses Projekt wie das Buch anzugehen. Außerdem hat er genügend Zeit, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Dabei wird ihm klar, daß er auch viele Fehler gemacht hat, und wie viel ihm seine Familie bedeutet. Zum Glück verhindert die zurückhaltende Inszenierung und auch wieder der Humor der Hauptfigur, daß diese ja nicht ganz überraschende Entwicklung ins Kitschige abdriftet.
Der Zuschauer erlebt eine manchmal vielleicht etwas zusammenhangslose aber insgesamt überzeugende Hommage an die Kraft der Phantasie und damit ja irgendwie auch an das Kino an sich. Nicht unbedingt ein Feel-Good-Movie aber ein Feel-Movie auf jeden Fall.
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Inhalt: Auf das Projektwochen-Thema “Autokratie” hat der Lederjacken-Duz-Pädagoge Rainer Wenger (Jürgen Vogel) eigentlich herzlich wenig Lust. “Anarchie” hätte ihm doch viel besser gelegen… Eine Bemerkung seiner Schüler, daß er nun bloß nicht wieder mit dem Dritte-Reich-Kram kommen solle, schließlich hätte man ja aus der Vergangenheit gelernt, bringt ihn aber auf die Idee, ein kleines Experiment zu starten. Bisher eher für lockere Umgangsformen bekannt führt er plötzlich Zucht und Ordnung im Klassenzimmer ein. Einige Schüler schreckt das ab, andere blühen dadurch jedoch richtiggehend auf. Durch besondere Kleidung, ein Logo und einen eigenen Gruß versuchen die Kursteilnehmer immer mehr, sich von den anderen Schülern abzugrenzen. Die Gruppe entwickelt eine Eigendynamik, die das kleine Experiment bald völlig aus dem Ruder laufen läßt.